Nach Erdbeben in Haiti wächst Unmut gegen Regierung

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Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben im Karibik-Staat Haiti ist der Unmut unter den Obdachlosen und Verletzten über ausbleibende staatliche Hilfen gewachsen. „Niemand von der Regierung ist hergekommen. Nichts ist getan worden“, sagte Pastor Roosevelt Milford. Viele Haitianer in den Erdbebengebieten mussten auch die Nacht auf Mittwoch im Freien verbringen, häufig ohne Trinkwasser und Speisen.

Betroffene schlugen mit Macheten Äste zurecht, um behelfsmäßige Zelte aufzustellen. In der Nacht zuvor hatte der Tropensturm Grace viele provisorische Unterkünfte weggeschwemmt. „Wir haben den Willen alles zu tun, aber wir haben kein Geld“, sagte Milford. „Und wir müssen uns auf den Regen in der kommenden Nacht vorbereiten.“

Die Zahl der geborgenen Toten stieg auf 1.941. Viele der Erdbebenopfer wurden nicht medizinisch versorgt. „Es waren nicht genug Ärzte da, und nun ist sie tot“, sagte Lanette Nuel, die Leiche ihrer Tochter neben ihr. Sie saß vor der beschädigten Klinik von Les Cayes, einer der am schwersten von dem Erdbeben getroffenen Städte. „Wir kamen gestern Nachmittag, sie starb am Morgen. Wir konnten nichts tun.“

Das Beben am Samstag zerstörte nach Angaben der Zivilschutzbehörde mehr als 60.000 Häuser und beschädigte 76.000 weitere Gebäude. Innerhalb von 48 Stunden seien laut vorläufigen Zahlen 34 Überlebende aus den Trümmern geborgen worden.

Die Einwohnerin Natacha Lormira versuchte, sich mit einem zerrissenen Stück Plane, das sie an einem dünnen Holzstock befestige, einen Unterschlupf zu bauen. „Ich will mich nicht unter einem Mauerbogen oder unter einem Vorsprung verstecken, denn wir haben gesehen, wie Menschen unter Mauervorsprüngen gestorben sind“, sagte sie. „Wir haben uns damit abgefunden, dass es einfacher ist, nass zu sein als tot.“

Der 28-jährige Vladimir Gilles versuchte indessen, mehrere Bambusstöcke tief in den Boden zu rammen, um einen Unterschlupf für seine Frau und sein Kind zu bauen. Er benötige eine Plane, um seine Familie trocken zu halten, sagte der junge Mann, doch die Regierung helfe den Menschen nicht. „Mein Haus ist zerstört, ich habe keinen Platz zum Schlafen.“

Trotz anhaltender Regenfälle wurde in Teilen des Landes das Trinkwasser knapp. Die Regierung verhängte in den vier vom Erdbeben stark betroffenen Provinzen für einen Monat den Ausnahmezustand. Die Behörden riefen die Menschen im Erdbebengebiet zu höchster Vorsicht auf, da beschädigte Häuser durch die aktuell starken Regenfälle zum Einsturz gebracht werden könnten.

Ministerpräsident Ariel Henry war kurz nach dem Beben nach Les Cayes geflogen und hatte rasche Hilfen versprochen. Diese werden erschwert durch Überflutungen in Folge von Starkregen. Viele Straßen zu den Erdbebengebieten sind nur schwer zu passieren. Haiti steht zudem inmitten einer politischen Krise. Im Juli war Präsident Jovenel Moise ermordet worden.

(S E R V I C E - Spendenkonten -

Rotes Kreuz: Spendenzweck: Erdbeben Haiti, Erste Bank IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144 BIC: GIBAATWWXXX;

Diakonie Katastrophenhilfe: Erste Bank IBAN: AT85 2011 1287 1196 6333 BIC: GIBAATWWXXX Kennwort: Katastrophenhilfe

Caritas: Erste Bank BIC: GIBAATWWXXX IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560 Kennwort: Erdbeben Haiti

Unicef: AT46 6000 0000 0151 6500, Verwendungszweck: Nothilfe Haiti

Jugend Eine Welt: IBAN AT66 3600 0000 0002 4000 Kennwort: Haiti Nothilfe

CARE Österreich: AT77 6000 0000 0123 6000

Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs: IBAN AT04 1200 0513 8891 4144 BIC: BKAUATWW Spendenzweck: Katastrophenhilfe

- SMS mit Spendenbetrag an 0676 800 7010, Kennwort Haiti

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