Glänzender Partyrausch: „jedermann (stirbt)“ in Dornbirn

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In Salzburg ist der klassische „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal noch bis 26. August zu sehen. In Dornbirn nimmt das „Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung“ in Koproduktion mit Caravan sich ebenfalls der Geschichte vom Jedermann an. Die Neu-Interpretation „jedermann (stirbt)“ stammt von Ferdinand Schmalz. Die von Stephan Kasimir am Donnerstagabend inszenierte Premiere wurde zum glänzenden Partyrausch, den das Publikum mit großem Applaus belohnte.

Der Jedermann von Schmalz ist ein selbstherrlicher Banker, der in seinem Garten ungestört feiern will, während sich draußen auf den Straßen Unruhen ankündigen. Einer seiner Gäste ist der Tod - niemand hat ihn eingeladen, aber er ist halt da, und mit dringendem Auftrag. Für Jedermann hat das letzte Stündlein geschlagen, er bittet um Aufschub. Doch vor dem Tod sind alle gleich. Da hilft auch Geld nichts, und am Ende stirbt auch Jedermann allein.

Ferdinand Schmalz liefert eine Vorlage mit starken Dialogen und Aussagen. Er schafft ein zeitgenössisches Spiel über Gier und Verlustängste und sieht im „Chaos, das wir Leben nennen“ den Tod als etwas Zwangläufiges, das aber schließlich schon bei der Geburt feststeht. Schmalz hat die göttliche Figur in seiner Neu-Interpretation eher kleinlaut angelegt. Stephan Kasimir unterstreicht das in seiner Regie. Helga Pedross als Gott und armer Nachbar wirkt eher wie ein Abklatsch und kaum wie ein mächtiger Schöpfer. Johannes Gabl spielt den distanzierten, geldgeilen und arroganten Jedermann sehr gut, im Kampf um sein Leben wirkt er aber zu schnell resigniert. Benjamin Vanjek gelingen die Darstellungen der Buhlschaft und des Todes wunderbar. Besonders als Tod erspielt er sich beim Zuschauer Verständnis und Mitgefühl. Die wunderbare Maria Fliri trägt die Handlung und verkörpert zudem „Mammon“ und „gute Werke“. In Spiellaune zeigen sich auch Wini Gropper als „dicker Vetter“ und Simon Alois Huber als „dünner Vetter“. In weiteren Rollen sind Maria Strauss als Jedermanns Frau und Wolfgang Pevestorf als Jedermanns Mutter zu sehen.

Auf der Bühne glänzt alles. Die Darsteller stecken in absurd glitzernden und goldenen Kostümen, in der Mitte der Bühne steht als Springbrunnen ein goldener, riesiger Phallus. Verantwortlich für Kostüme und Bühne ist Caroline Stark, und sie betont mit ihrem Konzept anschaulich die Dekadenz und Oberflächlichkeit dieser Party-Gesellschaft. Aus allen Ecken springt die Botschaft: Hier regiert nur das Geld und macht aus den Menschen devote unterwürfige Diener des Mammons. Alle Darsteller sind neben den bereits genannten Figuren auch Teil der „teuflisch guten Gesellschaft“, die beim Klang von „Highway to Hell“ - das immer wieder und kurz angespielt wird, während Wasserfontänen aus dem goldenen Springbrunnen hochschießen - hemmungslos feiern und tanzen. Sie sind selbstverliebt und unempfänglich für die Not echter Menschen und einer normalen Außenwelt.

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Das Publikum jedenfalls verfolgt den Abend gebannt und belohnt Darsteller und Produktionsteam mit langem Applaus. Jedermann stirbt jetzt noch zwei Mal im Kulturhauspark Dornbirn, danach gibt es Vorstellungen im Park des Gutshof Heidensand, Lustenau. Bei Regen wird eine Indoor-Variante präsentiert. Für das „Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung“ ist „jedermann (stirbt)“ das zweite Werk von Ferdinand Schmalz, das es zur Aufführung bringt. Bereits 2020 zeigte es mit Erfolg „Der Herzerlfresser“.

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