Revitalisierung der Grazer Burg kostet rund 30 Millionen

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Der vor eineinhalb Wochen angekündigte „Masterplan Grazer Burg“ ist am Montag im Detail vorgestellt worden: Laut Finanzlandesrat und LHStv. Anton Lang (SPÖ) dürften bis 2028 bis zu 30 Millionen Euro in die Revitalisierung fließen. Betroffen sind aber nicht die Räumlichkeiten der Landesregierung, sondern vor allem gotische Räume im Erdgeschoß, die in den vergangenen Jahrzehnten lieblos als Abstellräume verwendet wurden. Touristen sollen die Burg dann besser erleben können.

Lang und LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) seien sich bewusst, dass das kostspielige Vorhaben in einer Zeit der „leeren Kassen“ präsentiert werde, aber man habe beschlossen, die Pläne nach mehr als zehn Jahren des darüber Redens in Angriff zu nehmen. Bei der Grazer Burg, bekannt als Sitz der Landesregierung (seit 1922, Anm.), ist bisher mit Doppelwendeltreppe, Ehrengalerie, Burggarten und Orangerie nur wenig von der historischen Bausubstanz für Besucher zugänglich. Das soll sich ändern. Mit der Revitalisierung sollen Veranstaltungs- und Ausstellungsräume geschaffen werden, die den Touristen die Geschichte der seit 1438 gebauten Burg näher bringen. Man will vor allem Elemente der Gotik und der Renaissance mehr zur Geltung bringen.

„Da gibt es Schätze der Sonderklasse“, sagte Schützenhöfer und nannte als ein Beispiel die verborgene Burgkapelle im Friedrichstrakt. Die hochgotische Kapelle aus dem Jahr 1447 wurde im 19. Jahrhundert durch eine Zwischendecke zweigeteilt. Der untere Teil ist heute ein leerer Abstellraum, der obere das sogenannte Kapellenzimmer, in dem Sitzungen stattfinden. Die Zwischendecke soll wieder entfernt und die ursprüngliche Optik und Akustik der Kapelle herausgearbeitet werden, schilderte Markus Zechner von der Zechner Denkmal Consulting GmbH. Einen derartigen Plan inklusive Landtagsbeschluss hatte es übrigens schon 2008 gegeben.

Weiters sollen die drei Burghöfe teilweise neu gestaltet und entsiegelt werden: Der erste Burghof zwischen Regierungssitz und „Neuer Burg“ (errichtet ab 1950, heute Verwaltungsgebäude, Anm.) soll weniger verkehrsbelastet werden, der zweite Burghof, der heute schon recht viel Gras-Anteil hat und eine Ehrengalerie zeigt, soll noch grüner werden und im besten Fall eine darunterliegende Tiergarage bekommen. In dieser könnten künftig jene Fahrzeuge untergebracht werden, die derzeit noch im dritten Burghof parken. Dadurch könne der dritte Burghof völlig autofrei und eventuell für Freiluftkinos oder auch Konzerte genutzt werden.

Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sollen in der im 15. Jahrhundert erbauten, sogenannten Dreisäulenhalle im Friedrichstrakt eingerichtet werden. Derzeit ist die Halle noch in drei Kammern geteilt, soll künftig aber wieder zu einer Halle werden. Auch die Einsäulenhalle mit ihrem eher seltenen Sterngewölbe - ebenfalls im Friedrichstrakt - soll revitalisiert werden. Als Empfangsbereich, eventuell mit kleinem Shop, soll künftig die sogenannte Renaissancehalle im Karlstrakt dienen, die zuletzt als Abstellraum genutzt wurde.

Die Phase der Projektentwicklung beginne nun und im Frühjahr 2022 soll ein entsprechender Wettbewerb ausgeschrieben werden. Der Baustart ist für 2023 geplant.


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