Biden droht Terroristen von Kabul mit Vergeltung

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US-Präsident Joe Biden hat nach dem tödlichen Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht. „Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen“, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Das US-Militär werde Einsätze gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) durchführen, kündigte er an. Gleichzeitig kündigte er an, die Evakuierungen aus Afghanistan fortsetzen zu wollen.

Er versicherte, die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre „Mission“ zu stoppen. „Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen“, sagte Biden am Donnerstag (Ortszeit) in einer Ansprache im Weißen Haus in Washington mit Blick auf US-Bürger, die noch im Land seien.

Bei den Sprengstoffanschlägen in Kabul sind zahlreiche Menschen verletzt und getötet worden - darunter nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums auch 13 amerikanische Soldaten. Es sind die ersten Soldaten seit Februar vergangenen Jahres, die in Afghanistan gewaltsam ums Leben kommen. Die Zahl der verletzten Truppenmitglieder stieg auf 18 an. Sie alle würden mit medizinisch ausgerüsteten Transportflugzeugen vom Typ Boeing C-17 aus Kabul ausgeflogen.

Dutzende Menschen wurden nach Angaben der militant-islamistischen Taliban verletzt. Die genaue Zahl der Anschlagsopfer blieb zunächst offen. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben sich mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS habe anschließend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt. Die Evakuierungsmission in Kabul soll dennoch weiter fortgeführt werden. Die US-Regierung geht davon aus, dass noch etwa 1.000 US-Amerikaner in Afghanistan sind.

Ersten Erkenntnissen nach haben sich zwei Explosionen ereignet. Eine fand ersten Informationen zufolge an einem der Flughafentore statt, eine weitere bei einem nahe gelegen Hotel. Der lokale Fernsehsender Tolo-News veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Scheibtruhen transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen.

Die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhielten. Die USA würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen. „Wo auch immer sie sind“, betonte Biden.

Die Sicherheitslage rund um den Flughafen von Kabul hatte sich zuletzt noch einmal deutlich zugespitzt. Die deutsche Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter des IS in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Biden geäußert. Die Terrormiliz sei auch ein „erklärter Feind“ der Taliban, hatte er Anfang der Woche erklärt. Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

Nach dem tödlichen Terroranschlag in Kabul werden die Flaggen in den USA auf halbmast gesetzt. Damit sollen die Opfer der „sinnlosen Gewaltakte“ geehrt werden, wie die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Jen Psaki, am Donnerstag sagte. Die Flaggen-Anordnung werde bis zum Montagabend für das Weiße Haus, alle öffentlichen Gebäude und Militäreinrichtungen in den USA sowie US-Botschaften und konsularische Vertretungen weltweit gelten.

Das US-Militär rechnet auch weiter mit Anschlägen. „Wir glauben, es ist ihr Wunsch, diese Angriffe fortzusetzen und wir rechnen damit, dass sich diese Angriffe fortsetzen werden“, sagte McKenzie. Tausende Menschen versuchen aus Angst vor der Taliban ins Ausland zu fliehen. Seit mehr als einer Woche versammeln sie sich rund um verschiedene Eingänge des Flughafens, um auf einen Evakuierungsflug zu kommen. Dabei herrschten rund um den Flughafen dramatische Zustände.

Die US-Regierung hält auch nach dem verheerenden Terroranschlag in Kabul am geplanten Abzug ihrer Truppen bis spätestens 31. August fest. „An diesem Zeitplan hat sich nichts geändert“, sagte Jen Psaki, die Sprecherin des Weißen Hauses, am Donnerstag (Ortszeit). Präsident Biden stütze sich auf den Rat seiner Militärkommandeure, und diese glaubten weiterhin, dass es wichtig sei, bis zum 31. August abzuziehen. Man sei auch mit den in Afghanistan verbliebenen US-Amerikanern in Kontakt, um einen Weg zu finden, sie zum Flughafen zu bringen.

Nach Angaben von Donnerstagnachmittag geht das Außenministerium davon aus, dass sich noch rund 1.000 amerikanische Staatsbürger in Afghanistan aufhalten. „Es wird nicht möglich sein, dass jeder einzelne Afghane, der das Land verlassen will - möglicherweise Millionen -, evakuiert wird“, sagte Psaki weiter. Gleichzeitig habe der Präsident aber klargemacht, dass das Engagement der USA nicht enden werde - für US-Amerikaner, die aktuell nicht ausreisen könnten oder wollten, und für diejenigen, die an der Seite der USA gedient hätten.

Psaki betonte außerdem, dass die Gefahr neuer Anschläge weiter bestehe. Man gebe US-Bürgern und anderen daher sehr genaue Anweisungen, wann und wie sie zum Flughafen kommen sollten und wo sie sich treffen sollten. Mit Blick auf die militant-islamistischen Taliban sagte Psaki, dass die USA „enorme Druckmittel“ wirtschaftlicher und anderer Art gegen sie in der Hand hätten. Entscheidend sei unter anderem, dass die Taliban weiterhin die Ausreise von US-Amerikanern und Partnern ermöglichten.

Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten flogen nach Angaben des Weißen Hauses bereits mehr als 100.000 Menschen aus Kabul aus. Allein am Donnerstag seien vom Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7.500 Menschen evakuiert worden, 5.100 davon mit Flugzeugen des US-Militärs, erklärte ein Vertreter der US-Regierung. Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100.100 gestiegen. Der Großteil von ihnen wurde mit Flugzeugen der US-Luftwaffe ausgeflogen.

Die deutsche Luftwaffe flog am Donnerstag alle Bundeswehrsoldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus dem Krisenstaat aus, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nach dem Start der letzten Maschine am Donnerstag sagte. Laut Außenminister Heiko Maas (SPD) gibt es zurzeit keine Informationen über deutsche Opfer bei dem Anschlag.


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