Konzeptkunst und Animationsfilm in der Secession

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Verkehrte Welt in der Wiener Secession: Im Hauptraum regiert bei der neuen Ausstellungsserie noble Leere, während unterm Dach ein mächtiger Animationsfilm das kleine Grafische Kabinett förmlich zu sprengen scheint. Im Untergeschoß dagegen warten ein von Kartons gebildetes Kellergewölbe und ein ausgetrockneter rosa Stadt-Strand auf Entdeckung. Die neuen Ausstellungen von Danh Vo, Rana Hamadeh und Carlos Bunga eröffnen heute, Donnerstag, Abend.

Der berühmte White Cube des Hauses wird von dem 1975 in Vietnam geborenen, als Baby nach Dänemark gekommenen und dort aufgewachsenen Performance- und Konzeptkünstler Danh Vo bespielt. Aus Marmorplatten, in denen Muster gefräst wurden, hat er Ausstellungs-Inseln mit viel dazwischen liegendem Freiraum geschaffen. Seine darauf aufgebauten Installationen verbinden einfache Kanthölzer, wie sie für die Fixierung von Kunstwerken beim Transport verwendet werden, Artefakte, Kunstgeschichte und Naturobjekte miteinander. Auf einer dieser von ihm geschaffenen „Zonen“ sind etwa Fotos von Pflanzen montiert, die er auf dem großen, ehemals leer stehenden Hof in Brandenburg, der ihm seit vier Jahren als Wohnort und Atelier dient, angepflanzt hat. Vis-a-vis findet man ein Segment der Freiheitsstatue in eine Installation integriert: Für sein Werk „We the People „(2011-2016) hat er eine aus etwa 300 einzelnen Kupfer-Segmenten bestehende Replik in Originalgröße herstellen lassen und die Einzelteile auf der ganzen Welt deponiert. Das Ohr befindet sich nun bis 7. November in der Secession.

Im Grafischen Kabinett geht es dagegen ganz anders zur Sache: Die in Rotterdam lebende Libanesin Rana Hamadeh (Jahrgang 1983) zeigt auf einer nach vorne kippenden Wand ihren zwanzigminütigen Animationsfilm „Standard_Deviation“, in dem Urwelt und Antike, Gegenwelt und Zukunft, wissenschaftliche Vision und Computerspielästhetik zu einer faszinierenden Mischung verarbeitet werden. Einen Vorgeschmack darauf gab es als Teil der langfristig angelegten und ständig wachsenden Werkgruppe „The Destiny Project“ bereits im Vorjahr beim steirischen herbst. In Wien überrumpelt den Betrachter nun ein in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin Sara Hamadeh entstandener Hybrid, der sich bewegende Saurierknochen, Prothesen und Zahnräder in einem anatomischen Theater aufeinandertreffen lässt und auch noch Videospiel-Displays integriert. Das soll auf „König Ödipus“ rekurrieren, wirkt aber eher wie ein Albtraum, bei dem Ur- und Maschinenwelt sich bedrohlich gegen den Menschen wenden. Begleitet wird das von einer Sechskanalkomposition, die ebenso wie die Wucht der Bilder für das kleine Ausstellungs-Kabinett überdimensioniert wirkt. Unwillkürlich stellt sich die Frage, welche Kraft „Standard_Deviation“ im Hauptraum entfalten hätte können.

Im Untergeschoß hat der in Barcelona lebende Carlos Bunga, geboren 1976 in Porto, für seine Ausstellung „Mind awake, body asleep“ verschiedenste Eingriffe vorgenommen. In zwei Wandnischen hat er aus Karton Kellergewölbe aufgebaut, die hinter Glas wie der Teil eines archäologischen Untergrund-Parcours wirken. In einem weiteren Raum verweist ein Bett auf zentrale Themen wie Nomadentum, Migration und Vertreibung, die den Künstler beschäftigen. Mit Farbe und Leim behandelten Filzstücken, die über gespannte Leinen hängen, wird man u.a. daran erinnert, dass er ursprünglich an der Escola Superior de Arte e Design in Caldas da Rainha in Portugal Malerei studierte. Schließlich gelangt man in einen ansonsten für Vorträge genutzten Raum, in den er mit Leim vermischten rosa Sand aufgebracht hat. In der zehntägigen Trockenphase sind viele Risse im Boden entstanden. Begehen erlaubt. Schuhe ausziehen erbeten.

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