„Die Laborantin“ zeigt in Graz den Horror den Genanalyse

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Prognostische Gentests als Grundlage für alle gesellschaftlichen Mechanismen - diese Zukunftsvision malt Ella Roads Drama „Die Laborantin“ in düsteren Farben. Die Aufführung, die am Freitag im Grazer Schauspielhaus (Haus Zwei) Premiere hatte, zeigt eine Welt, in der jeder nach seinen genetischen Anlagen bewertet und klassifiziert wird. Regisseurin Anne Mulleners machte in knappen, klaren Bildern die Kälte und Härte dieser Zukunftsvision sichtbar.

„Die Laborantin“ zeichnet eine Gesellschaft, die von den negativen Folgen der Entschlüsselung des menschlichen Genoms beherrscht wird. Jeder Mensch wird hier nach seinen genetischen Anlagen bewertet und klassifiziert. Wer also Anlagen zu Schizophrenie, Leberschwäche oder Alzheimer hat, bekommt nur einen niedrigen Wert, wem nur leichte Erkrankungen drohen, steht ganz oben. Alle Anlagen werden zusammengefasst, und diese Zahl entscheidet alles: Jobaussichten, Beziehungen oder auch Kreditwürdigkeit. Es geht um diese eine Zahl, die bestimmt, ob jemandem als High-Rater alle Türen offen stehen oder er als Low-Rater weder Arbeitsplatz noch Partner findet.

Da die Gentests der Schlüssel für fast alles sind, ist eine Fälschung natürlich ein gutes Geschäft. Die Laborantin Bea, die in einem Institut für Humangenetik arbeitet, lässt sich darauf ein und spielt ein Spiel mit, das bald eine Nummer zu groß für sie wird. Anfangs ist es nur die Freundin, die sie um einen Gefallen bittet, dann geht es immer weiter. Als sie bemerkt, dass ihr eigenes Leben am Gen-Rating zerbröckelt, ist es zu spät. Die Kritik an dem Bedürfnis, alles zu vermessen und Menschen in Kategorien einzuteilen, schwingt in leisen Untertönen immer mit.

Die vier Schauspielerinnen und Schauspieler agieren zwischen verschieden großen weißen Würfeln (Bühne: Philipp Glanzner) und in farblich jeweils auf den Charakter abgestimmten Kostümen - Kathrin Eingang). Daria von Loewenich ist als Laborantin Bea getrieben von einer Sehnsucht nach einem guten, finanziell anspruchsvollen Leben und zeigt die ganze Bandbreite von jugendlich-unbeschwertem Umgang mit der Täuschung bis zum Erkennen, welche Tragik ihr Leben tatsächlich beherrscht. Frieder Langenberger stellt Aaron als etwas hyperaktiven Typen dar, der mehr als nur ein kleines Geheimnis hat, während Iman Tekle (Chiara) als Beas Freundin einen Menschen skizziert, den das Wissen um die schlechte Genprognose erst recht zu einem aktiven Leben treibt. Franz Solar steuert einen weisen Hausmeister bei. Dem ganzen Team ist eine unspektakuläre Aufführung mit beklemmender Wirkung und langem Nachhall gelungen.

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