Riesen Überraschung bei Graz-Wahl: KPÖ stürzte ÖVP

  • Artikel
  • Diskussion

Eine riesige Überraschung brachte die Grazer Gemeinderatswahl: Laut SORA/ORF-Hochrechnung (Auszählungsgrad 42 Prozent) nahm die KPÖ der ÖVP - mit großem Vorsprung - Platz 1 ab. Die ÖVP verliert demnach 12,1 Prozentpunkte auf 25,6 Prozent, während die KPÖ auf 29,3 Prozent (plus 8,9 Punkte) zulegte. Damit ist die Amtszeit von ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl nach 18 Jahren offenbar zu Ende, Elke Kahr wird wohl die erste KPÖ-Bürgermeisterin einer Landeshauptstadt.

Auf Platz 3 landen laut der Hochrechnung inklusive Wahlkartenprognose die Grünen mit einem satten Plus von 6,5 Prozentpunkten gegenüber der letzten Wahl 2017 und damit 17,0 Prozent. Dahinter lag beim Stand von 17.00 Uhr die FPÖ mit 10,9 Prozent (minus 4,9) knapp vor der SPÖ mit 9,8 Prozent (minus 0,3). NEOS kamen auf 5,1 Prozent (plus 1,1).

Das vorläufige Endergebnis wird gegen 19 Uhr erwartet, die Wahlkarten werden in Graz allerdings erst am Montag ausgewertet.

Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) schloss in einer ersten Reaktion einen Rücktritt nicht aus. Auf die Frage nach persönlichen Konsequenzen sagte Nagl im ORF, man müsse jetzt das Ergebnis analysieren. „Es tut sehr, sehr weh, in diesem Ausmaß zu verlieren“, sagte Nagl.

Kahr ließ es offen, ob sie nun Bürgermeisterin werde. Sie werde jedenfalls Gespräche mit Verantwortungsbewusstsein führen, kündigte sie im ORF an. Eine Koalition zwischen KPÖ und ÖVP schlossen beide Seiten aus. Kahr betonte, dass eine Zusammenarbeit möglich sei, aber eine fixe Koalition mit der ÖVP nicht. Ob es Rot-Rot-Grün in Graz geben könne, beantwortete sie damit, dass nun Gespräche zu führen seien.

Das Ergebnis konnte Kahr kaum glauben. Sie habe damit nicht gerechnet, es sei in diesem Ausmaß mehr als überraschend. Es habe sich gezeigt, dass es die Menschen lohnen, dass die KPÖ tagtäglich für sie da gewesen sei. Für Nagl ist es hingegen „ein ganz, ganz schwerer Tag“. Es gebe „sehr viele Fragezeichen für mich selbst“, deutete der Bürgermeister Überlegungen über seine Zukunft an. Er verwies darauf, dass er auf „schöne, erfolgreiche Jahre“ zurückblicke.

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zeigte sich nach der Wahlschlappe der Volkspartei niedergeschlagen: „Auf eine Niederlage diesen Ausmaßes waren wir nicht eingestellt. Wir haben gespürt, dass wir verlieren, aber in dem Ausmaß haben wir das nicht erwartet. Das ist eine große, schmerzliche Niederlage.“ Der Ruf nach Konsequenzen bei Nagl sei „nicht die Debatte des Abends“. Nagl habe Graz zu dem gemacht, was es ist. Man werde erst sehen wie es weitergeht: „Die nächsten Wochen werden zeigen, welche Konstellationen möglich sind und morgen werden auch noch viele Wahlkarten ausgezählt.“

Der bisherige Vizebürgermeister Mario Eustacchio (FPÖ) erklärte in einer ersten Reaktion nach der Hochrechnung, er hoffe darauf, dass der Sitz seiner Partei im Stadtsenat nicht verloren gehe. Ob das Wahlziel der FPÖ erreicht sei, sei daher unsicher. Eustacchio kündigte an, die bisherige Politik seiner Partei fortführen zu wollen.

„Überwältigt“ vom Ergebnis der Grünen in Graz zeigte sich Landessprecherin und Landtagsklubobfrau, Sandra Krautwaschl. Das Ergebnis sei „ein klarer Auftrag für uns, mehr Grün, mehr Klimaschutz und mehr Miteinander in dieser Stadt möglich zu machen“, betonte Krautwaschl. Es zeichne sich „das beste Grüne Gemeinderatswahlergebnis in Graz aller Zeiten“ ab, freute sich die Klubobfrau.

Der Grazer SPÖ-Chef Michael Ehmann sagte zur Hochrechnung: „Das ist ein beachtliches Wahlergebnis. Die Zugewinne von der KPÖ in diesem Ausmaß hätte ich nicht gesehen, aber ich hätte schon gedacht, dass sie sehr stark werden wird. Dass sie die ÖVP tatsächlich überholt, hätte ich nicht erwartet.“ Zum Ergebnis für die SPÖ meinte er: „Aus jetziger Sicht bin ich optimistisch, dass die SPÖ einen Stadtsenatssitz erhält. Aber dafür müssen wir einmal die Auszählung der Wahlkarten abwarten.“

NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner sagte nach der Hochrechnung: „Wir als NEOS haben wieder Zuhörer gefunden. Wir sind gewachsen und dadurch haben wir mehr Einfluss in der politischen Landschaft in Graz. Jetzt können wir konstruktiv mitarbeiten, damit Graz eine Perspektive hat, einen neuen Blickwinkel. Das ist der Erfolg, den ich wahrnehme. Wir stehen zu unseren frischen Ideen.“

Die Spitzenkandidatin der Grazer Grünen, Judith Schwentner, ließ in einer ersten Reaktion auf die Hochrechnungsergebnisse „große Freude“ erkennen: „Das Ergebnis ist ein klares Zeichen für den Klimaschutz und ein Auftrag für uns, mehr Grün, mehr Platz und mehr Miteinander in der Stadt möglich zu machen.“


Kommentieren


Schlagworte