Rumäniens Präsident Johannis mit Karlspreis geehrt

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Der rumänische Präsident Klaus Johannis (Iohannis) hat am Samstag in Aachen den Internationalen Karlspreis für Bemühungen um die Einigung Europas erhalten. Johannis (62) wurde als Brückenbauer zwischen Ost und West mit dem renommierten Preis geehrt. In seiner Festrede würdigte EU-Ratspräsident Charles Michel in teils persönlichen Worten die methodische und prinzipientreue Haltung des Karlspreisträgers.

In seiner Dankesrede sagte Johannis, die Europäische Union müsse stärker und widerstandsfähiger werden. Die Union sei „mehr denn je auf Einheit, Solidarität und Zusammenhalt angewiesen sowie auf eine pragmatische Vorgehensweise, die sich auf Handeln und konkrete Ergebnisse konzentriert“. Aus der Sicht Rumäniens könne man nur gemeinsam auf der Höhe der Erwartungen der Bürger sein, „und nicht durch Rückzug oder durch Bildung von engen Kreisen europäischer Integration“, sagte Johannis in seiner auf Deutsch gehaltenen Ansprache im Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Rumänien gehöre zu den Staaten, die seit über zehn Jahren de facto wie ein Mitglied des Schengenraums agierten, sagte Johannis. Der Abschluss dieses Prozesses der Integration sei nicht nur für Rumänien ein Ziel, „sondern sollte auch ein Ziel der Europäischen Union sein“. In Rumänien, Bulgarien und Kroatien gibt es noch Personenkontrollen an den Binnengrenzen.

Mit Blick auf die Außenpolitik der EU verlangte Johannis langfristige strategische Investitionen auf dem Westbalkan sowie in der östlichen und südlichen Nachbarschaft. Mit Blick auf den Übergang zu einer grünen und digitalen Wirtschaft müsse die Fähigkeit entwickelt werden, Zukunftsmodelle zu erstellen. Die Debatte über die Entwicklung der Europäischen Union müsse sich mehr dem vorausschauenden Regieren widmen.

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Michel stellte den rumänischen Präsidenten in eine Reihe europäischer Politiker wie Giscard d‘Estaing, Helmut Schmidt, Helmut Kohl oder François Mitterrand. „Sie ... sind Teil dieser großen Linie von Erbauern“, sagte der belgische Ex-Premier. Im Europäischen Rat seien die Diskussionen manchmal lebhaft und rau. Dabei könne man immer auf Klaus Johannis zählen: „Ruhig, methodisch und standhaft bei den Prinzipien“.

Der rumänische Präsident war bereits im Dezember 2019 als Preisträger bekanntgegeben worden. Durch die Corona-Pandemie verzögerte sich die Preisverleihung fast eineinhalb Jahre.

An der Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses nahmen auch frühere Preisträger teil. Darunter der frühere Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, der Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Schäuble, die litauische Ex-Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite und der erste hauptamtliche Präsident des Europäischen Rates, Herman van Rompuy. Aus Österreich haben den Preis bisher 1995 der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) sowie als erster Träger des Karlspreises überhaupt der Gründer der Paneuropa-Bewegung, Richard Coudenhove-Kalergi, im Jahr 1950 erhalten.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, der aus Aachen stammende CDU-Vorsitzende Armin Laschet, hatte seine Teilnahme abgesagt.


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