Tochter Sarah Biasini mit intimem Buch über Romy Schneider

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Nein, „Die Schönheit des Himmels“ ist keine Belletristik. Aber es auch kein Erinnerungsbuch. An was soll sich eine Frau erinnern, der als Vierjährige ihre Mutter gestorben ist? Was Sarah Biasini, die Tochter von Romy Schneider und Daniel Biasini, geschrieben hat, ist dennoch eine sehr intime Annäherung.

Das Buch ist deshalb erstaunlich, weil die 1977 geborene Schauspielerin sonst eher allergisch bis abweisend reagiert, wenn sie auf ihre berühmte Mutter angesprochen wird - was ihr quasi ununterbrochen passiert. Dass dies in mehrfacher Hinsicht belastend ist, kann man sich lebhaft vorstellen.

Das Cover zeigt ein entzückendes Badefoto von Romy Schneider, die ihre kleine Tochter zärtlich küsst. Es geht in dem Buch aber nicht nur um Romy und Sarah, sondern auch um Anna. Anna ist die 2018 geborene Tochter von Sarah Biasini und Gil Lefeuvre. An sie ist das Buch gerichtet, das drei Wochen vor dem Geburtstermin begonnen wurde.

Und so mischen sich die normalen Gefühls-Hochschaubahnen einer Mutter mit der speziellen Situation: Man habe in der Familie schon zu viele Tragödien erlebt (Saras Halbbruder starb ein Jahr vor Romys Tod beim Versuch, einen Metallzaun zu überklettern), um noch Angst vor dem Tod zu haben, heißt es einmal, aber natürlich ist das Gegenteil der Fall. Zudem ist Anna ein spätes, heiß ersehntes Kind und wird von allen wie ein Juwel gehütet.

Doch nicht einmal im Tod findet man Frieden: Das Buch beginnt mit der Nachricht, dass das Grab ihrer Mutter geschändet wurde. Der Vorfall konnte nie aufgeklärt werden. Aber vor allem ist es die Beschäftigung mit der eigenen Mutterrolle, die Sarah Romy sehr nahe bringt. Man erfährt viel von der großen Bürde, als Tochter einer von allen bewunderten und verehrten Film-Schönheit aufzuwachsen (inklusive dem prüfenden Blick in den eigenen Spiegel), und einiges von späten Versuchen, bei Romys einstigen Freunden und Filmpartnern etwas Persönliches über die kaum gekannte Mutter zu erfahren. Und man erfährt, wieviel Liebe ihre Oma, die Mutter ihres Vaters, offenbar zu geben bereit war, für eine Enkelin, die sie wie eine Tochter aufzog, und schließlich auch für ihre Urenkelin.

„Die Schönheit des Himmels“ lässt nicht vermuten, dass an Sarah Biasini bisher eine Literatin verloren gegangen ist. Dennoch ist es eine berührende Lektüre - weil es nicht auf Effekt, sondern mit echtem Herzblut geschrieben ist.

(S E R V I C E - Sarah Biasini: „Die Schönheit des Himmels“, Deutsch von Theresa Benkert, Zsolnay Verlag, 192 Seiten, 22,70 Euro, ISBN 978-3-552-07261-9)


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