Prozess gegen 18-Jährigen nach tödlichen Schüssen in Kenosha

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Im US-Bundesstaat Wisconsin hat der Prozess gegen einen 18-Jährigen begonnen, der im vergangenen Jahr bei Anti-Rassismus-Protesten zwei Demonstranten erschossen hatte. In dem politisch aufgeladenen Verfahren gegen Kyle Rittenhouse in der Stadt Kenosha startete am Montag die Auswahl der Geschworenen. Die Anklage lautet unter anderem auf Mord. Rittenhouses Anwälte argumentieren, der damals 17-Jährige habe in Notwehr gehandelt.

Der mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffnete Teenager war im August 2020 nach Kenosha gereist und hatte sich dort bewaffneten Männern angeschlossen, die nach eigenen Angaben Geschäfte vor Plünderern schützten wollten. In der Stadt war es zu teils gewalttätigen Protesten gekommen, nachdem ein Polizist den Afroamerikaner Jacob Blake mit mehreren Schüssen in den Rücken schwer verletzt hatte.

Bei Auseinandersetzungen erschoss Rittenhouse zwei Männer und verletzte einen dritten schwer. Rittenhouse ist weiß, ebenso wie seine Opfer. Seine Anwälte argumentieren, er sei von Randalierern angegriffen worden und habe sich verteidigen müssen.

Nach seiner Festnahme wurde Rittenhouse zu einer Art Galionsfigur des rechten Lagers: Die Kaution von zwei Millionen Dollar kam durch Spenden schnell zusammen, zu seinen Unterstützern gehörte der Schauspieler und frühere Kinder-Star Ricky Schroder („Der kleine Lord“).

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Auch der damalige Präsident Donald Trump stellte sich hinter Rittenhouse: Dieser habe „in großen Schwierigkeiten“ gesteckt, weil Demonstranten ihn „gewaltsam angegriffen“ hätten, sagte der Rechtspopulist damals. „Er wäre vermutlich getötet worden.“

In den USA hatte es im vergangenen Jahr nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz und weiteren Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze landesweite Anti-Rassismus-Proteste gegeben. Trump machte für Ausschreitungen am Rande der Proteste der Bewegung Black Lives Matter (Das Leben von Schwarzen zählt) immer wieder linke Gruppen wie die Antifa verantwortlich.

Im Rittenhouse-Prozess in Kenosha hat Richter Bruce Schroeder versprechen, Politik aus dem Verfahren heraushalten zu wollen. Für Aufsehen sorgte er allerdings, als er kürzlich erklärte, die von Rittenhouse erschossenen Männer dürften im Prozess nicht als „Opfer“ bezeichnet werden, weil dieser Begriff zu wertend sei. Die Anwälte von Rittenhouse könnten die Männer aber als „Randalierer“, „Plünderer“ und „Brandstifter“ bezeichnen.


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