Viel Jubel für „Buh!“ von Dolezal und Grissemann im Rabenhof

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Wenn man Christoph Grissemann mit einem anderen Partner als seinen Langzeitkompagnon Dirk Stermann Gags, Gags, Gags abliefern sieht, beschleicht einen fast das Gefühl, die „Willkommen Österreich“-Hälfte in flagranti erwischt zu haben. Grissemann geht derzeit mit dem Schauspieler Christian Dolezal fremd. Die beiden haben einen Kabarettabend über die Lächerlichkeiten der Darstellerkunst entwickelt. „Buh!“ feierte am Dienstagabend im Rabenhof Premiere - ohne ausgebuht zu werden.

Das Bühnensetting erinnert tatsächlich ein wenig an die ORF-Satireshow „Willkommen Österreich“, nur dass die beiden Herren statt Schreibtischen hinter mit grauem Stoff überzogenen Würfeln sitzen. Das Textbuch ist auch hier stets griffbereit, das Trinkglas ebenso. Aber kein Stermann weit und breit - was Grissemann gleich zu Beginn damit erklärt, dass es in den kommenden gut zwei Stunden um Schauspielkunst gehen soll. „Und Stermann ist vom gelungenen Schauspiel soweit entfernt wie Rapid Wien vom Meistertitel.“

Also gibt Dolezal - Schauspielschulabsolvent, Theaterfestivalleiter in Haag und bekannt aus TV-Produktionen wie „Schlawiner“ oder „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ - den Konterpart bei dieser gut zweistündigen Mischung aus Stand-up, Doppelconference und sketchähnlichen Einlagen. Getragen wird das alles von überbordender Selbstironie und garniert mit einem guten Schuss Nonsens.

Das Duo gibt gnadenlose Einblicke („Wir erzählen hier nur wahre Geschichten“) in das harte Business der Bühnenkunst und verschont dabei weder sich noch die Kollegenschaft. Herrlich, wenn Dolezal - immer wieder die nasale Eitelkeit seiner Zunft parodierend - von seiner Schnitzler-Monolog-Balkantour berichtet oder seine Ausbildungszeit Revue passieren lässt und zur Veranschaulichung der damals durchexerzierten Tierimprovisationen eine Seegurke, einen Tintenfisch und als Höhepunkt gar den Weißen Hai gibt. Grissemann lüftet indes das Geheimnis, welche Gags es nicht in „Willkommen Österreich“ geschafft haben und schlüpft außerdem in die Rolle von Christoph Waltz und Albert Fortell, um jenen TV-Werbespot für ein Bankinstitut nachzustellen, in dem Dominic Thiem nichts weiter bestellen will als einen Apfelsaft.

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Das klingt alles nach Kraut und Rüben - und ist es großteils auch. Aber weil so ein Abend nach allen Regeln der (Klein-)Kunst auch einen roten Faden braucht, versprechen Dolezal und Grissemann, das Publikum im Laufe des Abends in fünf Schritten „mindestens zum Soko Donau-Schauspieler“ auszubilden. Wichtig dabei u.a.: das Leichenspiel, „der aus sich selbst heraus aufwachende Aufwachschauspieler“ (Grissemann) oder Weinen auf Befehl. Wenn die beiden ihre Tipps anhand von kurzen Szenen veranschaulichen wollen und dabei ein ums andere Mal scheitern, ist das tatsächlich verdammt lustige Schauspielerei-Verspottung. Eine Szene, die erklären soll, wie richtiges Timing auf der Bühne funktioniert, kommt in ihren besten Momenten fast an Loriot‘sche Qualität heran.

Nur gegen Ende scheint den „Buh!“-Männern etwas die Inspiration ausgegangen zu sein. Sehr gerafft eilt man in der zweiten, deutlich kürzeren Programmhälfte der Schlussverbeugung entgegen. Aber auch das kennt man ja zuweilen aus der Welt der darstellenden Kunst.

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