Ex-Großmeister des Malteserordens Festing gestorben

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Matthew Festing, abgesetzter Großmeister des Malteserordens, ist tot. Der Brite starb am Freitag im Alter von 71 Jahren in einem Krankenhaus in Valletta, teilte der Orden in der Nacht auf Samstag in Rom mit. Nach der Feier einer religiösen Zeremonie in der maltesischen Hauptstadt Anfang November sei er erkrankt und ins Spital eingeliefert worden, berichteten die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) und Kathpress.

Festing war Anfang 2017 auf Druck von Papst Franziskus zurückgetreten. Vorausgegangen waren massive interne politische Turbulenzen an der Spitze des Ordens, die zeitweilig auch den Deutschen Albrecht Freiherr von Boeselager (72) sein Amt als Großkanzler der Malteser kosteten. Boeselager wurde aber kurz darauf, nach Festings Amtsverzicht, voll rehabilitiert.

Der aus dem englischen Northumberland stammende Festing war seit 1977 Mitglied des Malteserordens und legte 1991 seine feierlichen Gelübde ab. Von 1993 bis zu seiner Wahl zum Großmeister 2008 war er der erste Großprior von England seit 450 Jahren. In dieser Funktion leitete er humanitäre Hilfseinsätze im Kosovo, in Serbien und Kroatien.

Sein voller Titel lautete „Seine Hoheit und Eminenz, Fra‘ Matthew Festing, Fürst und Großmeister des Souveränen Ritter- und Hospitalordens des Heiligen Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta“. Festing war ein Nachkomme von Sir Adrian Fortescue, eines Malteserritters, der 1539 im Zuge der Kirchenspaltung unter König Heinrich VIII. als Märtyrer starb.

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Der Malteserorden steht in der Tradition des „Ritterordens vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem“, des im 11. Jahrhundert gegründeten weltweit ersten christlichen Krankenpflegeordens. Nach der Reformation spaltete sich die Gemeinschaft auf in die katholischen Malteser und die evangelischen Johanniter.

Als katholischer Orden ist der Souveräne Malteserorden dem Heiligen Stuhl unterstellt. Gleichzeitig ist er politisch ein eigenes Völkerrechtssubjekt. Dieser Status verschafft ihm einzigartige Zugänge auf politischer und diplomatischer Ebene und soll besondere Unabhängigkeit in Konflikten ermöglichen. Zu 110 Staaten unterhält der Orden derzeit diplomatische Beziehungen.

Die Malteser haben nach eigenen Angaben 13.500 männliche und weibliche Ordensmitglieder sowie rund 120.000 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter. Sie sind weltweit in der Entwicklungs- und Katastrophenhilfe sowie im Gesundheitssektor aktiv.

Der Malteserorden ringt seit geraumer Zeit um eine Reform seiner Strukturen. Seit dem Tod von Festings Nachfolger als Großmeister Giacomo della Torre im Frühjahr 2020 leitet Marco Luzzago (71) als amtierender Statthalter die Geschicke des Ordens. Er hat zwar dieselben Pflichten und Rechte wie ein Großmeister, darf das Amt aber nicht bis zum Lebensende bekleiden.

Zuletzt griff erneut Papst Franziskus aktiv ein. In einem Ende Oktober veröffentlichten Brief übertrug er seinem Gesandten für den Orden, Kardinal Silvano Tomasi (81), weitreichende Befugnisse für dessen laufende Verfassungsreform. Der langjährige Vatikan-Diplomat dürfe im Namen des Papstes „notfalls auch in Abweichung von der geltenden Verfassungscharta und dem Ordenskodex“ Konflikte lösen, so der Heilige Vater. So soll Tomasi bei einem selbstgewählten Termin ein außerordentliches Generalkapitel einberufen und den Vorsitz übernehmen. Bis zu dieser Ordensversammlung und der Neuwahl eines Großmeisters soll aber Statthalter Luzzago weiter im Amt bleiben.

Darüber hinaus solle Kardinal Tomasi über die Zusammensetzung und Abhaltung des Generalkapitels bestimmen, die neue Verfassungscharta und den Ordenskodex genehmigen sowie eine Reform des Souveränen Rates in Einklang mit den neuen Rechtstexten vornehmen, ordnete der Papst an. Letztlich soll Tomasi den gesamten Staatsrat, das höchste Leitungsgremium, zur Wahl eines neuen Großmeisters einberufen.

Die Gründe dafür liegen offenbar einerseits in den Umständen von Luzzagos Wahl unter Pandemie-Bedingungen, vor allem aber in der weiterhin nicht abgeschlossenen Ordensreform. Bei der Reform ihrer Verfassung wollen sich die Malteser vor allem eine zeitgemäßere Leitungsstruktur geben. Jener Teil, der die Organisation als Orden betrifft, muss vom Papst genehmigt werden, anderes nicht. Zudem sind Reformen in Finanzwesen und Compliance, aber auch bei der Berücksichtigung von Frauen in Leitungsfunktionen in Gang.

Der Malteserorden ist in den vergangenen Jahren öfters Schauplatz kircheninterner Flügelkämpfe zwischen traditionalistischen Franziskus-Gegnern und gemäßigten, Franziskus nahe stehenden Mitgliedern. Gottesdienste wurden wiederholt Anlass eines Streits um den ordentlichen oder außerordentlichen, „alten Ritus“, weshalb der damalige Großmeister della Torre Mitte 2019 nur noch den ordentlichen Messritus erlaubte. Als der Brite Henry Sire (72) in seinem Buch „Dictator Pope“ schwerste, auch persönliche Vorwürfe gegen Franziskus erhob, wurde er ausgeschlossen.


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