Milletich sieht mit Coach Foda „reelle Chance“ auf WM-Ticket

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Gerhard Milletich ist guter Dinge, mit Franco Foda als Teamchef noch die Fußball-WM in Katar zu erreichen. Der neue ÖFB-Präsident sprach dem Deutschen am Montagabend öffentlich das Vertrauen aus, Foda wird das Team auch im WM-Play-off im März betreuen. Auch Sportdirektor Peter Schöttel stellte der Burgenländer nicht infrage. „Es ist von mir aus nicht angedacht, hier eine Änderung herbeizuführen“, betonte Milletich am Dienstag im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Man könne zwar über jede Position in jedem Unternehmen diskutieren. „Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und werde das auch weiterhin tun.“ Er habe nach vier Wochen im Amt aber nicht vor „aufzumischen“, erklärte Milletich bezüglich möglicher Änderungen in der Direktion Sport. Er habe sich in den vergangenen Wochen ein Bild gemacht. „Soweit ich das bis dato erkannt habe, ist alles okay.“ Es gehe aber immer besser. „Das Bessere ist der Feind des Guten, das wissen wir.“

Mit der Klärung der Teamchef-Frage hat Milletich vier Monate vor den Play-off-Spielen einmal für klare Verhältnisse gesorgt. „Hier ist es schon wichtig, dass man sagt, wir stehen dahinter“, meinte der 65-Jährige. „Ich möchte, dass sich der Trainer mit seinem Team und dem Sportdirektor in Ruhe auf diese Aufgabe im März, die sicher nicht einfach ist, konzentrieren kann.“

Foda erfuhr am Sonntagabend, noch vor dem abschließenden Länderspiel des Jahres gegen die Republik Moldau (4:1), in einem Vier-Augen-Gespräch von seiner Bestätigung. Milletich hatte sie laut eigenen Angaben davor mit allen Entscheidungsträgern im ÖFB, der Geschäftsführung, Sportdirektor Schöttel, allen Präsidiumsmitgliedern und der Bundesliga abgesprochen. „Alle waren einhellig der Meinung, dass wir Franco Foda das Vertrauen schenken sollten.“

Milletich begründete die Entscheidung nicht nur mit den achtbaren Auftritten des Teams beim Klagenfurt-Doppel („Die Spiele waren in Ordnung“), sondern auch mit der aufrechten Vertragssituation. Fodas Kontrakt läuft bis zum Play-off und würde sich bei einer WM-Teilnahme bis zum Turnier in Katar verlängern. Zudem bestehe vor dem Play-off keine Möglichkeit mehr, Testspiele abzuhalten. Milletich: „Franco kennt die Spieler, die Möglichkeiten, Stärken und Schwächen. Da ist es wirklich sinnvoll, dass man so entschieden hat.“

Der neue Verbandschef befand sich vergangene Woche in Klagenfurt erstmals im Kreis der Mannschaft, um sich vorzustellen. Von Einstellung und Willen der Spieler sei er überzeugt. „Für mich ist klar, dass sie wirklich erpicht darauf sind, bei der WM in Katar dabei zu sein. Sie sind bereit, sich so zu engagieren, dass wir echte Chancen haben werden.“

Die Gegner für das Play-off, ein K.o.-Turnier mit maximal zwei Spielen, erfährt der ÖFB am 26. November in Zürich. Es drohen zuerst auswärts Kaliber wie Italien oder Portugal, aber auch schlagbarere Kontrahenten wie Russland oder Schottland. „Chancen haben wir, glaube ich, gegen jeden“, meinte Milletich. „In einem Spiel ist immer viel möglich.“

Die vier Monate Pause bis zur nächsten Teamzusammenkunft bewertete Milletich gar nicht negativ. Einerseits bestehe die Hoffnung, dass verletzte Leistungsträger zurückkehren, andererseits würden die Legionäre nach der Winterpause bereits viele Spiele in den Beinen haben. „Ich glaube, dass die Karten dann neu gemischt sind, dass man wie in einen Neuanfang starten kann.“

In die Aufarbeitung der vergangenen Monate, die für die sportliche Führung in den kommenden Wochen ansteht, will sich Milletich selbst nicht involvieren. „Die wissen genau, was zu machen ist, welche Verantwortung sie haben“, meinte der Unternehmer. Es sei wichtig aufzuzeigen, warum etwas bei der EM funktioniert habe und danach nicht mehr. „Diese Analysen werden sicher Zeit in Anspruch nehmen. Aber ich bin überzeugt, dass das akribisch gemacht wird.“

Eine WM-Teilnahme, die erste seit 1998, hätte „große Bedeutung für die Wahrnehmung des österreichischen Fußballs“, erklärte Milletich. Fußball sei aber ein schnelllebiges Geschäft. „Wir haben eine super EURO gespielt, dann haben wir schlecht gespielt, auf einmal war wieder alles vergessen.“ Es wäre gut, es zur WM zu schaffen. „Aber wenn wir es nicht schaffen, ist nicht alles hin.“ Man könne weder wirtschaftlich noch sportlich mit einer Teilnahme planen. „Das wäre vermessen. Ich glaube aber, dass wir eine reelle Chance haben.“


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