Weiteres Video von Peng Shuai beruhigt die Gemüter nicht

  • Artikel
  • Diskussion

Auch ein weiteres Video von Chinas Staatsmedien, in dem die als verschwunden geltende Tennisspielerin Peng Shuai angeblich zu sehen ist, hat die Gemüter vorerst nicht beruhigt. Auf Twitter veröffentlichte Hu Xijin, Chefredakteur der Staatszeitung „Global Times“, einen kurzen Clip, der Peng Shuai bei der Eröffnung eines Jugend-Tennisturniers am Sonntag in Peking zeigen soll. WTA-Boss Steve Simon hat bereits am Freitag eine E-Mail an den Botschafter Chinas in den USA versandt.

Simon stellt in dem Schreiben an Qin Gang, das nun auch via Soziale Netzwerke veröffentlicht wurde, zwei Forderungen. Erstens müsse es eine unabhängige und verifizierbare Bestätigung geben, dass Peng Shuai sicher sei. „Ich ersuche darum, dass man ihr erlaubt, das Land zu verlassen oder dass sie live in einer Tele-Konferenz mit mir sprechen kann, ohne dass noch jemand dabei ist, außer es ist von ihr gestattet“, schrieb Simon. Zweitens sei die Anschuldigung eines sexuellen Übergriff ernstzunehmen.

Wie bereits berichtet, stellt die WTA ihre weitere Zusammenarbeit mit China infrage, sollte die Causa nicht zufriedenstellend gelöst werden. „Wir veranstalten neun Turniere in China, mit dem prestigeträchtigen Finale in Shenzhen... Wenn unsere zwei Bitten nicht erfüllt werden, haben wir keine Wahl, als darüber nachzudenken, ob wir in China wieder spielen können“, so Simon. „Einfach gesagt“, fügt der WTA-Boss hinzu, „steht die WTA mit China am Scheideweg“. Er hoffe, dass der Botschafter diese Nachricht an die chinesische Führung weitergeben werde.

Auf besagtem Video ist übrigens zu sehen, wie Peng Shuai zusammen mit anderen Gästen namentlich aufgerufen und vom Publikum mit Applaus begrüßt wird. Sie winkt und lächelt kurz, ergreift aber nicht selbst das Wort.

3 x Futterkutter-Kochbuch zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Peng Shuai hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo den ranghohen kommunistischen Parteifunktionär Zhang Gaol des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Die frühere Doppel-Siegerin in Wimbledon und bei den French Open warf dem heute über 70-jährigen Ex-Vize-Ministerpräsidenten vor, sie in der Vergangenheit zum Sex gezwungen zu haben. Peng und Zhang hatten über Jahre eine Beziehung mit vielen Unterbrechungen geführt. Seither wurde die 35-jährige Chinesin nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

Bereits am Freitagabend hatte das chinesische Staatsfernsehen auf Twitter angeblich aktuelle Fotos des Tennisstars verbreitet. Am Samstag wurde dann - ebenfalls per Twitter - eine Videoaufnahme verbreitet, die Peng Shuai beim Abendessen mit Freunden in einem Pekinger Restaurant zeigen soll.

„Dieses Video alleine ist nicht ausreichend“, hatte Simon den Restaurant-Clip kommentiert. „Während es positiv ist, sie zu sehen, bleibt es unklar, ob sie frei ist und ihre eigenen Entscheidungen treffen kann.“ Es werde damit nicht klar, ob sie ohne Zwang handeln könne. Er sorge sich weiterhin um ihre Gesundheit und Sicherheit und darüber, dass ihr Vorwurf eines sexuellen Übergriffs offensichtlich zensiert werde, sagte Simon.

Weltweit wurde in den vergangenen Tagen Aufklärung im Fall der früheren Nummer eins der Doppel-Weltrangliste gefordert. Selbst das Weiße Haus unter US-Präsident Joe Biden äußerte sich „zutiefst besorgt“. Indes hat nach Frankreich und den USA auch die britische Regierung China aufgefordert, „nachprüfbare Beweise“ für die „Sicherheit und den Verbleib“ von Peng zu liefern. „Jedem sollte es erlaubt sein, sich ohne Furcht vor den Auswirkungen zu äußern“, hieß es in der Erklärung des Außenministeriums. „Jeder gemeldete Fall sexueller Übergriffe, egal wo in der Welt, untersucht werden.“

Frankreich ging am Sonntag einen Schritt weiter: Außenminister Jean-Yves Le Drian hat China mit diplomatischen Folgen gedroht, sollte die Regierung Peng Shuai nicht erlauben, in der Öffentlichkeit das Wort zu ergreifen. „In dieser Angelegenheit warte ich nur auf eines, und zwar darauf, dass Peng Shuai selbst spricht“, sagte der Minister am Sonntag im französischen Radiosender RTL. Falls nicht, müsse China mit diplomatischen Konsequenzen rechnen.


Kommentieren


Schlagworte