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Opernsänger als Zeuge in Wiener Raubmordprozess

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„Hilfe, Polizei!“ hat es am Mittwoch im Saal 203 des Wiener Landesgerichts in einer Lautstärke getönt, dass sich Richter in benachbarten Sälen fragten, was da wohl vorgehen mochte. Die Stimme gehörte einem Opernsänger, der in einem Mordprozess um einen getöteten Juwelier als Zeuge vernommen wurde. 18 Stunden vor der Bluttat hatten dieselben Täter - ein 21-jähriger Serbe, der sich nun vor Geschworenen zu verantworten hat, und ein zweiter Krimineller - den Künstler überfallen.

Der 56-jährige Künstler lag tiefschlafend in seinem Bett, als er am 14. Oktober 2020 um 4.30 Uhr von den Eindringlingen geweckt wurde, die seine Wohnungstür aufgebrochen hatten. „Aufgewacht bin ich, weil mir mehrmals auf die Stirn geschlagen wurde“, schilderte der Künstler dem Gericht. Mit der einen Hand habe ihn ein Mann am Hals gepackt, mit der anderen mit einem Brecheisen zugeschlagen. „Ich habe versucht, mich zu wehren. Ich habe zwei Jahre gedient in Russland“, verwies er auf seine seinerzeitige militärische Ausbildung.

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Geholfen habe ihm dann allerdings seine Stimme. Um den Geschworenen deren Wirkung deutlich zu zeigen, machte er die Schreie nach, die er einem der zwei Täter „direkt ins Ohr“ gebrüllt habe, wie der 56-Jährige betonte. Das „Hilfe, Polizei!“ dürfte bis in die ans Gericht grenzende Justizanstalt Josefstadt zu vernehmen gewesen sein, zumal aufgrund Corona bei geöffneten Fenstern verhandelt wurde. „Ich habe nicht aufgehört zu schreien. Damit habe ich sie erschreckt“, berichtete der Zeuge. Die Kriminellen hätten ohne Beute die Wohnung verlassen.

Für den Sänger hatte der Überfall einschneidende Folgen. Er kann seinem Beruf nicht mehr nachgehen. Ein Hieb mit dem Brecheisen bewirkte eine komplizierte Verletzung am linken Auge - der Betroffene leidet seither an einer massiven Seheinschränkung. „Ich habe gelernt, damit zu leben“, bilanzierte er. Er könne nicht mehr richtig lesen, „es ist ein ganz anderes Leben nachher. Wesentlich umständlicher“.

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18 Stunden später hatten die beiden Männer einen 74 Jahre alten Juwelier in Wien-Landstraße überfallen. Der Angeklagte - sein Komplize ist flüchtig, allerdings kennt man mittlerweile seine Identität, Fahndungsmaßnahmen laufen - soll dem betagten Mann 19 Messerstiche versetzt haben. Der 74-Jährige hatte keine Überlebenschance. Der bisher unbescholtene 21-Jährige hatte sich beim Prozessauftakt am vergangenen Montag geständig gezeigt.


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