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Zahl der Bedürftigen weltweit steigt um fast 40 Millionen

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Im kommenden Jahr dürften nach Schätzungen der Vereinten Nationen fast 40 Millionen Menschen mehr weltweit auf humanitäre Hilfe oder Schutz angewiesen sein als heuer. Die Vereinten Nationen stellen sich 2022 auf 274 Millionen Bedürftige ein, nach 250 Millionen im Jahr 2021, wie das UNO-Nothilfebüro (OCHA) am Donnerstag berichtete. Jeder 29. Erdenbewohner sei auf Unterstützung angewiesen.

„Der Bedarf wächst, was auf das Zusammentreffen von politischer Instabilität, zunehmenden Vertreibungen, Folgen des Klimawandels und Auswirkungen von Covid-19 zurückzuführen ist“, berichtet das UNO-Nothilfebüro. „Humanitäre Hilfe rettet Leben“, sagte Nothilfekoordinator Martin Griffiths. Dennoch sei dies nur Teil der Lösung, Konflikte müssten vor allem politisch gelöst werden. Größte Sorge mache ihm die Lage in Äthiopien, wo die Regierung gegen die lange dominierende Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) kämpft.

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Die UNO-Organisationen wollen 183 Millionen Menschen in 63 Ländern helfen. Sie brauchen dafür insgesamt 41 Milliarden Dollar (36,3 Mrd. Euro), doppelt so viel wie noch vor vier Jahren. Besonders groß sei die Not in Afghanistan, Syrien, Jemen und Äthiopien. Zu diesem Finanzplan kommen bei unvorhergesehenen Katastrophen oder Konflikten im Laufe des Jahres weitere Spendenaufrufe für Nothilfe.

In diesem Jahr wurde der UNO-Finanzbedarf für humanitäre Hilfe nach Angaben von OCHA bisher nur zu 46 Prozent gedeckt. Die Vereinten Nationen hatten um 37,7 Milliarden Dollar gebeten. 20,5 Milliarden Dollar fehlten Mitte November noch, so viel wie nie zuvor. Das humanitäre Programm für Simbabwe wurde nur zu 19 Prozent finanziert, die Programme für Pakistan und Haiti nur zu 27 Prozent.

Am besten lief es für Afghanistan: Der ursprüngliche Bedarf in der Höhe von knapp 870 Millionen Dollar wurde zu 77 Prozent gedeckt. Bei einem zusätzlichen Spendenaufruf für Nothilfe in einer Höhe von 606,3 Millionen kam sogar die gesamte Summe zusammen.

Die Hilfsorganisation CARE warnte am Donnerstag unter Bezugnahme auf den UNO-Bericht, dass besonders die Klimakrise, andauernde Konflikte sowie die Corona-Pandemie weltweit den größten Druck auf ärmere Länder ausübten. Vor allem Frauen und Mädchen seien besonders stark betroffen, erhielten aber deutlich zu wenig Unterstützung.

„45 Millionen Menschen stehen weltweit kurz vor einer Hungersnot. Dabei sind es oft Frauen, die während und nach der Schwangerschaft ihre Mahlzeiten teilen, dann selbst unter schwerer Unterernährung leiden und ihre Kinder nicht ernähren können“, unterstrich Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich, in einer Aussendung. Viele Frauen litten zudem unter einem „deutlich erhöhten Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt und Missbrauch“: „70 Prozent aller Frauen und Mädchen, die in einer humanitären Notlage leben, haben bereits mindestens einmal Gewalt erlebt. Damit muss Schluss sein.“ 2021 sei der weltweite Bedarf für Maßnahmen gegen Gewalt mit 658 Millionen Euro beziffert worden. „Von dieser Summe wurden gerade einmal 25 Prozent finanziert. CARE fordert daher, dass die Nöte von Frauen und Mädchen in humanitären Krisen deutlich mehr finanzielle Unterstützung bekommen müssen.“


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