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Zaubern statt singen: „Harry Potter“-Stück in Hamburg

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Am Sonntag hat es doch noch geklappt: 20 Monate nach dem von Corona zunichtegemachten ersten Anlauf hat die Großproduktion „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg ihre Premiere gefeiert. Mit gigantischem Aufwand war das Mehr! Theater am Großmarkt in eine Musicalbühne verwandelt worden. Nach dem ersten Teil lässt sich sagen: ein hoch professionelles, unterhaltsames Unternehmen, dessen Zaubertricks Staunen machen und dessen Handlung keineswegs platt ist.

Das von J.K. Rowling gleichsam als achtes Potter-Abenteuer geschriebene und im Sommer 2016 in London uraufgeführte zweiteilige Stück spielt 22 Jahre nach der „Schlacht von Hogwarts“ und zeigt Harry Potter (gespielt vom Kärntner Markus Schöttl) als Familienvater und hochrangigen Beamten im Zaubereiministerium. Mit Ginny (Sarah Schütz) hat er drei Kinder, von denen Albus (Vincent Lang) das Sorgenkind ist. Er ist linkisch, einsam und fühlt sich als Loser. Das hat er mit Scorpius (Mathias Reiser), dem Sohn von Harry Potters altem Rivalen Draco Malfoy (Alen Hodzovic), gemeinsam: Ausgerechnet mit diesem freundet er sich bei seiner ersten Fahrt mit dem Hogwarts Express an. Die beiden Teenager tragen schwer an der Last der Vergangenheit und werden gemobbt. Als sie beschließen, mittels eines Zeitumkehrers die Vergangenheit auszubessern, wird alles nur noch schlimmer. Da kommen etwa Ron (Sebastian Witt) und Hermine (Jillian Anthony) gar nicht zusammen - weswegen Rose (Madina Frey), die als einzige nett zu den beiden Burschen ist, gar nicht erst geboren wird.

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Die von John Tiffany inszenierte deutschsprachige Erstaufführung besticht durch einen gigantischen Aufwand, den man hierzulande nur von Musical-Produktionen gewohnt ist. Tatsächlich gibt es etliche Momente, in denen Bühnen-Effekte, Choreografien und laut einsetzende Musik nahelegen: Jetzt wird gesungen! Wird nicht. Statt dessen wird gezaubert. Der Abend besticht durch etliche gelungene Zauberkunststücke (Illusionen & Magie: Jamie Harrison), bei denen ein Zauberei-Duell zwischen Harry und Draco, ein Verwandlungszauber, menschenfressende Bücherregale und Telefonzellen oder ein Gespenster-Ritt durch den Zuschauerraum zu den Höhepunkten des rund dreistündigen ersten Teils zählen. Darstellerisch überzeugen vor allem Vincent Lang und Mathias Reiser, als Maulende Myrte legt Glenna Weber (wie Schöttl an der MUK Privatuni in Wien ausgebildet) einen glänzenden Auftritt hin.

Mit 2G-plus und FFP-2 trotzt man im Mehr!-Theater mit seinen 1.673 Plätzen der Pandemie. Die Produktion und der Umbau des Hauses, der gekonnt die Mischung aus Bahnhofs- und Internatshalle von der Bühne in den Zuschauerraum verlängert, haben rund 42 Millionen Euro gekostet. 350.000 Tickets sollen schon verkauft sein. Schon vor dem um 18 Uhr beginnenden zweiten Teil (mit nochmals an die zweieinhalb Stunden Spieldauer) lässt sich sagen, dass sich der Besuch des Spektakels vor allem, aber nicht nur für „Harry Potter“-Fans lohnt. Nur Corona sollte draußen bleiben. Wenn es Leute gibt, die dabei auf Entwurmungsmittel setzen, gibt es sicher auch welche, die an einen passenden Bannspruch glauben. „Corona durch Potter weggezaubert“, das wäre eine Schlagzeile. Doch noch sind die bösen Mächte nicht besiegt.

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