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Sinnsuche: „Sherlock Holmes“ von Tex Rubinowitz im Werk X

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„So may we start?“, singen die Sparks. In zwei sehr unterschiedlichen Zusammenhängen lässt sich derzeit dem sehr eingängigen Song der US-Band in Wien begegnen. In dem hierzulande soeben angelaufenen Film „Annette“ von Leos Carax mit Adam Driver und Marion Cotillard, wo das Lied der Opener des schrägen Filmmusicals ist. Und kurz angespielt auch in dem Stück „Sherlock Holmes“ von Tex Rubinowitz, das am Donnerstag im Werk X uraufgeführt wurde.

„Fangen wir an? Wie fangen wir an?“ beginnt das Stück im Dialog zwischen Wiltrud Schreiner und Wojo van Brouwer. Der Titel des Stückes bezieht sich nicht auf Arthur Conan Doyle, sondern auf einen 1982 erschienenen Song von The Sparks, in dem es u.a. heißt: „I can dance like Sherlock Holmes / I can sing like Sherlock Holmes / But can‘t be Sherlock Holmes“. Den weltberühmten Detektiv hätte es allerdings gebraucht, um die Besucher auf eine Spur zu bringen, was dieses „erste abendfüllende Auftragswerk“ des Bachmann-Preisträgers eigentlich soll.

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Es geht um Sprache, nicht um Handlung. Das wird rasch klar. Ob es sich nun um „altbackene Avantgarde“, um „schimmligen Dada-Käse“ oder um selbstironische Variationen auf das löchrig gewordene Selbstbild des Künstlers von heute handelt, ist mit freiem Auge schwer auszumachen. Daniel Sommergruber hat eine mit Texten austapezierte Wohnhöhle auf die Bühne des zweiten, kleineren Raumes im ehemaligen Kabelwerk gestellt, die Assoziationen an die Minibühnen der einstigen Auftritte der Wiener Gruppe weckt. Nur werden hier nicht Klaviere zertrümmert, sondern Biere getrunken und der Melodica Töne entlockt. Immer wieder schaut ein großes Nagetier vorbei („Mäuse“ hieß die Band von Tex Rubinowitz), aber vor allem üben sich Annette Isabella Holzmann, Wiltrud Schreiner und Wojo van Brouwer im Schnellsprech, den Regisseurin Ursula Leitner gar nicht erst konkret zu verorten sucht.

„Du kannst das Leben in Kunst verwandeln, aber die Kunst kannst du nicht in Leben verwandeln“, heißt es einmal. Und daher geht es um Ludwig Wittgenstein und Charlie Sheen ebenso wie um Kim Jong-un. Um alles und um nichts eben. „Do you want to have fun? Do you want a good time?“, singen The Sparks in „Sherlock Holmes“. Grundsätzlich lässt sich das durchaus bejahen. Ob das in diesen 70 Minuten jedoch eingelöst wurde, bleibt offen. Denn der letzte Dialog des Stücks lautet so: „Ehrlich gesagt ist mein Wunsch, diesen Fall aufzulösen, nicht sehr groß.“ - „Meiner auch nicht.“ Der Applaus wirkte dennoch animiert.

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