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Holocaust-Gedenken: Österreich bekennt sich zu Verantwortung

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Die österreichische Staats- und Regierungsspitze sowie Oppositionsparteien bekennen sich zur Verantwortung, die sich aus dem Holocaust-Gedenken ableitet. „Wir alle sind gefordert, Zivilcourage zu zeigen, zu widersprechen, wenn antisemitische, romafeindliche oder fremdenfeindliche Worte fallen“, heißt es in einer von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) initiierten Erklärung, die zum Anlass des Holocaust-Gedenkens am Donnerstag verabschiedet wurde.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), SPÖ-Vorsitzender Pamela Rendi-Wagner und NEOS-Vizechef Niki Scherak, IKG-Präsident Oskar Deutsch sowie dem Obmann des Roma Service Emmerich Gärtner-Horvath. Die Unterzeichner nahmen an einer Gedenkfeier bei der Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte in Wien teil. Ehrengast war der israelische Außenminister Yair Lapid.

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Bei der Feier wurden keine Reden gehalten. Inmitten der 160 Steinelemente, in denen die Namen von 64.440 in der NS-Zeit ermordeten österreichischen Jüdinnen und Juden eingemeißelt sind, sangen Oberkantor Shmuel Barzilai und Mitglieder des Chors des Wiener Stadttempels ein Kaddisch (Totengebet). Ferry Janoska spielte auf dem Bandoneon das Stück „Oblivion“. Die anwesenden Politiker versammelten sich daraufhin hinter einem ca. zwei Meter breiten, dreidimensionalen Schriftzug „#WeRemember“ in Steinoptik, der von einem jüdischen Künstler gestaltet wurde.

„Im Rahmen der Initiative #WeRemember gedenken wir aller Opfer, die aus antisemitischen, rassistischen, homophoben, politischen und anderen Gründen verfolgt, gequält und ermordet wurden“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. „Aus der Erinnerung erwächst die Verantwortung, uns immerwährend und aktiv gegen Antisemitismus, Romafeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und jegliche Form der Diskriminierung zu stellen.“ Dies sei ein Auftrag an die gesamte Republik Österreich; an alle Menschen, die hier leben.

Alle seien gefordert, Zivilcourage zu zeigen, zu widersprechen, wenn antisemitische, romafeindliche oder fremdenfeindliche Worte fallen. „So nehmen wir die Verantwortung, die sich aus dem Gedenken ableitet, tatsächlich wahr; im Interesse einer lebendigen und vielfältigen Demokratie und aller nachkommenden Generationen.“

Die Unterzeichner erinnerten auch an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor 77 Jahren durch Soldaten der sowjetischen Armee. Mehr als eine Million Menschen hatten die Nationalsozialisten dort ermordet. „Doch der Holocaust, die Shoah, der Porajmos, waren damit noch nicht beendet. Das Morden ging weiter. Auch auf österreichischem Boden, etwa im Konzentrationslager Mauthausen“, hieß es. In Mauthausen kam auch der Großvater Lapids im April 1945 ums Leben.


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