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Ungeliebter Titel „Originale“ für Salzkammergut 2024 ist weg

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Seit November leitet Elisabeth Schweeger die Europäische Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024. Den von ihrem Kurzzeit-Vorgänger Stephan Rabl kreierten und viel kritisierten Titel „Die Originale 2024“ gibt es nicht mehr. Beeindruckt zeigt sich die Wienerin im Gespräch mit der APA, wie „lustvoll“ die Region gemeinsam dieses Projekt angehe - bei 23 „sehr eigenwilligen“ Gemeinden und der „Steilvorlage“ von einem schmalen 26 Millionen-Euro-Budget keine Selbstverständlichkeit.

Nach nur fünf Monaten als künstlerischer Leiter trennte man sich im April 2021 wieder von Rabl. Es fehlte offenbar die Verbundenheit zum Salzkammergut und zum Projekt, wie es im Bewerbungsbuch, dem Bidbook, beschrieben ist. Vier Programmlinien, die als Typisierung des Salzkammergutes dienen, wurden darin festgehalten: Macht der Tradition, Kraft der Gegenkultur, Durst auf Rückzug und Auswirkungen des (Hyper)Tourismus.

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Die neue Leiterin - sie setzte sich gegen 68 Bewerber durch - hat nun eine Wohnung in Bad Ischl und „wird die ganze Zeit da sein, das ist unvermeidbar“, sagt die 67-Jährige - auch wenn ihr „Lebensmittelpunkt“ Wien bleibe. Dennoch sei ihr das Salzkammergut „wohl vertraut, meine Großeltern haben in Salzburg und meine Tanten in St. Gilgen gelebt.“

Derzeit versucht sie das zu realisieren, was im Bidbook steht. „Das ist eine Pflicht, dass man sich auf das konzentriert, wofür der Titel erworben worden ist. Daran halte ich mich“, übt sie indirekt Kritik an ihrem Vorgänger. Dessen Titel „Originale ist schon längst weg, der taucht auch nirgendwo mehr auf, damit waren auch alle sehr zufrieden. Es heißt jetzt einfach Salzkammergut 2024, wie bei anderen Kulturhauptstädten auch“, erklärt sie.

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Durch den Abgang Rabls habe es „ein wenig einen Rückstau“ gegeben. Nach ihm wurde der Open Call für die Projektbewerbungen eingeläutet. 1.000 Einreichungen gab es, da habe sie „nur den Hut gezogen, wie lustvoll sich da eine ganze Region hineinschmeißt“. 23 Gemeinden, „die sehr eigenwillig und auch stolz sind“, haben sich entschlossen, die Kulturhauptstadt zu sein. „Das könnte ein Vorbild für Europa sein, sich nicht zu streiten, sondern miteinander zu arbeiten.“

Nun werden die Projekte gesichtet und Kalkulationen geprüft, „um sie durch den Controllingbeirat zu bringen, damit wir dann die Verträge für KünstlerInnen und TrägerInnen der Projekte aufsetzen können“. Sehr viele Projekte seien „sehr gut“. Einiges werde überarbeitet. So habe sich z. B. die Programmlinie Auswirkungen auf den (Hyper)Tourismus durch Corona verändert. Die „Parameter“ hätten sich verschoben, „aber wir müssen dennoch grundsätzlich darüber nachdenken, wie sich der Tourismus entwickeln wird. Das gilt aber für ganz Europa. Europa ist ein Museum geworden und die Touristen überschwemmen es. Egal ob Pandemie ist oder nicht“, führt sie aus. Dennoch hofft sie, Salzkammergut 2024 werde „ohne Corona stattfinden“, auch wenn es in der Planung „schon im Hinterkopf“ bleibe.

Eine Lücke im Bidbook dürfte bereits geschlossen sein. Kurz nach ihrer Bestellung hatte Schweeger angemerkt, dass das jüdische Leben im Salzkammergut zu kurz komme. Dies sei auch von der Kommission bei der Bewerbung bemängelt worden. „Dadurch, dass ich das öffentlich erwähnt habe, sind beim Open Call dann sehr viel Projekte diesbezüglich eingegangen. Wir wollen auch mit den Museen darauf entsprechend reagieren.“

Mit ‚wir‘ meint sie ihr Team, „das je nach fachlicher Qualifikation Theater und Film, Baukultur, Architektur und Handwerk, Musik oder Nachhaltigkeit betreuen“. So wie bei der europäischen Kulturhauptstadt Linz09 würden aber keine Spartenleiter bestellt. Überhaupt seien die beiden Kulturhauptstädte nicht vergleichbar. Eine Stadt sei „vielleicht leichter“, weil sie über eine kulturelle Infrastruktur verfüge. „Wir haben wenig Veranstaltungsorte, haben aber einigen Leerstand, den wir aktivieren wollen“, beschreibt sie die Situation.

Schweeger denkt, „dass das Salzkammergut deshalb ausgewählt wurde, weil es darum geht, wie eine ländliche, inneralpine Regionen optimiert werden könne - nicht nur in touristischen Zeiten, sondern auch als Lebensmittelpunkt“. Mit den Unis Linz, Graz und hoffentlich demnächst auch Salzburg stehe sie in Kontakt, „um Lehrgänge zu entwickeln, die dann auch im Salzkammergut verankert werden, um damit eine Attraktion für junge Leute zu schaffen, um sich mit Unternehmungen hier anzusiedeln“.

Mitte Jänner 2024 werde das Programm starten, Schwerpunkt werde aber Frühjahr und Herbst sein. Knapp 26 Millionen Euro stehen ihr für das Jahr zur Verfügung. „Das ist eine Steilvorlage und wir versuchen unser Bestes zu geben.“ Es gehe aber nicht darum, ein Feuerwerk zu erzeugen, sondern eine Region zu entwickeln, Türen zu öffnen, damit sich nach 2024 etwas weiterentwickelt.“ Das Verhältnis „internationaler und regionaler Künstler sollte gut sein“, gab sie als Leitlinie für das Programm vor. Der „Input von außen“ ist für sie wesentlich. Nur wenn man „sich an etwas Neuem reibt, kann man davon profitieren“.


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