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„Herrin der Ringe“: Regina Fritsch erhielt Albin-Skoda-Ring

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Zwei Monate länger musste sie darauf warten, sich den Albin-Skoda-Ring tatsächlich an den Finger stecken zu können: Statt wie ursprünglich vorgesehen am 23. November erhielt Burgschauspielerin Regina Fritsch erst heute, Montag, im Burgtheater die Auszeichnung überreicht. „Der Ring ist riesig. Solltet Du ihn tragen wollen, wirst Du ihn über zwei Finger streifen müssen“, warnte allerdings der bisherige Ring-Träger Sven-Eric Bechtolf in seiner launigen Laudatio.

Fritsch ist die erste weibliche Trägerin des 1971 gestifteten Ehrenzeichens, das gemäß den Statuten alle zehn Jahre „einem besonders hervorragenden Sprecher unter den lebenden Schauspielern des deutschen Sprachgebietes“ verliehen wird. Die Jury - der auch der aktuelle Träger des Rings angehörte - habe sich erstmals für eine zeitgemäße und damit geschlechterneutrale Auslegung der Statuten entschieden, hob Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) in ihrer Rede - oder, wie es Burgtheater-Direktor Martin Kušej ausdrückte: bei ihrem „Debüt auf der Bühne des Burgtheaters“ - hervor.

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Mayer nannte Fritsch eine „Herrin der Ringe“, habe sie doch schon den Wiener Schauspielerring und den Alma-Seidler-Ring erhalten. Kušej bezeichnete „die vergötterte Regina Fritsch“ als eine Ausnahmekünstlerin, einen „Teil der Seele dieses Hauses“ und „ein Geschenk für mich als Regisseur“, der sich darüber freue, im Augenblick Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ mit ihr proben zu dürfen. Sie verleihe jeder Figur „große Wahrhaftigkeit“.

Bevor der Ring im Beisein des Bundespräsidenten überreicht wurde, gab es Gelegenheit, die Wandlungsfähigkeit von Regina Fritsch als Sprecherin ausgiebig zu studieren. Zunächst war ihre unverkennbare Stimme „charmant und bestimmt“ (Kušej) bei der Durchsage der aktuellen Covid-Bestimmungen zu hören, danach gestaltete sie bei dem Gastspiel „Arthur Schnitzlers Reigen“ von der Musicbanda Franui begleitet an der Seite von Bechtolf alle Frauenfiguren des „Reigen“ - vom herrlich böhmakelnden Stubenmädchen über das naive süße Mädel bis zur energischen Schauspielerin.

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Nach der ausgiebigen - von Franui mit Tusch-Einlagen begleiteten - Lobrede Bechtolfs („Du bist eine moderne Schauspielerin und herrlich altmodisch zugleich. (...) „Du beherrschst Deinen Beruf, ohne von ihm beherrscht zu werden.“) zeigte sich Fritsch allerdings gerührt und sprachlos: „Es tut mir leid, es ist nichts mehr in meinem Kopf. Ich kann nicht mehr sagen als: Danke!“

Regina Fritsch, 1964 in Hollabrunn (Niederösterreich) geboren, absolvierte ihre Ausbildung an der Schauspielschule Krauss in Wien. Sie ist seit 1985 fixes Ensemblemitglied des Burgtheaters. Zu ihren Auszeichnungen zählen zwei Nestroy-Preise (2007 für ihre Prostituierte Chantal in der Burg-Produktion von „Maß für Maß“ als Beste Nebenrolle, 2008 als Beste Schauspielerin für die Rolle der Nawal in „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad), der Titel Kammerschauspielerin (2015), sowie der Alma-Seidler Ring (2015). Daneben spielte sie in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit. Aktuell ist sie im Akademietheater als Lady Bracknell in „Bunbury“ zu sehen. Am 19. Februar hat sie im Burgtheater mit „Geschlossene Gesellschaft“ Premiere. In dem Existenzialismus-Klassiker spielt sie - an der Seite von Dörte Lyssewski, Tobias Moretti und Christoph Luser - die Estelle.

Der Albin-Skoda-Ring erinnert an den Schauspieler Albin Skoda (1909-1961) und wurde 1971 anlässlich des 10. Todestages gestiftet. Die bisherigen Träger waren Will Quadflieg (1972–1977), Paul Hoffmann (1978–1982), Ernst Meister (1983–1987) und Franz Morak (1988–1992). Zwischen 1993 und 2000 wurde der Ring nicht vergeben. Erst 2001 wurde mit Peter Matic ein neuer Träger ernannt sowie festgelegt, dass der Ring alle zehn Jahre neu zu verleihen ist. 2011 ging der Albin-Skoda-Ring an Sven-Erik Bechtolf.


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