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Stadtchefs bei Wahlen in Tirol in Favoritenrolle

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Am 27. Februar werden in 273 Tiroler Gemeinden Gemeinderat und Bürgermeister neu gewählt. Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen gehen die meisten (großteils ÖVP-nahen) Amtsinhaber in den Bezirkshauptstädten und einwohnerstärksten Gemeinden als Favoriten ins Rennen. Als große Unbekannte bei diesen ersten Regionalwahlen seit Ausbruch der Pandemie gilt vielerorts die MFG (Menschen - Freiheit - Grundrechte). Diese kandidiert mit 51 Listen und 22 Bürgermeisterkandidaten.

Insgesamt rittern 856 Listen und 561 Bürgermeisterkandidaten und -kandidatinnen um die Gunst der 505.752 Wahlberechtigten. Der Tiroler Ableger der impf- und maßnahmenkritischen MFG will in den Bezirkshauptstädten Kufstein, Imst und Schwaz den Bürgermeister stellen. In den großen Städten Hall in Tirol, Telfs und Wörgl, sowie in der Bezirkshauptstadt Lienz haben sich MFG-Listen ohne Bürgermeisterkandidaten formiert. In Kitzbühel, Reutte und Landeck wird die MFG nicht antreten. Die Erwartungshaltung sei im Unterland größer als im Oberland, hielt MFG-Landessprecher Bernhard Schmidt gegenüber APA fest.

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Zunächst also ein Blick ins Unterland. Kufstein ist die zweitgrößte Stadt Tirols und zugleich die größte, in der eine Gemeinderatswahl stattfindet - in Innsbruck wird zu anderen Zeiten gewählt. In der Festungsstadt könnte es aufgrund der Fülle an Kandidatinnen und Kandidaten zu einer Stichwahl am 13. März kommen. Amtsinhaber Martin Krumschnabel (Die Parteifreien) sieht sich nämlich nicht nur mit der neuen Bewegung MFG, sondern insgesamt sieben Gegenkandidaten und -kandidatinnen konfrontiert. „Wenn die Stichwahl kommt, kommt sie“, gab sich Krumschnabel gegenüber der APA gelassen und zugleich kämpferisch. Das Feld der Gegenkandidaten sei jedenfalls in diesem Jahr „wesentlich schwächer“ als bei den vergangenen Wahlen 2016, fand Krumschnabel.

Krumschnabel hatte 2010 der ÖVP den Bürgermeistersessel weggeschnappt und 2016 mit seinen Parteifreien einen fulminanten Wahlsieg mit zehn Mandaten im 21-köpfigen Gemeinderat eingefahren. Er selbst eroberte 2016 mit 63 Prozent trotz fünf Gegenkandidaten auf Anhieb den Chefsessel im Rathaus. In diesem Jahr gibt es neun konkurrierende Listen. „Für den Gemeinderat ist die MFG sicherlich ein Faktor, es gibt eine große Zahl an Unzufriedenen“, analysierte der Bürgermeister. Er hoffe aber „dass eher Sachpolitik als eine Stimmung gewählt wird“. Denn: „Viele Gruppierungen inklusive meiner haben sich sechs Jahre bemüht“, argumentierte der Bürgermeister. Mit Birgit Obermüller rittern in Kufstein erstmals auch die NEOS um den Bürgermeistersessel. Die FPÖ schickt in ihrer ehemaligen Hochburg den Landtagsabgeordneten Christofer Ranzmaier ins Rennen, die ÖVP Gemeinderat Richard Salzburger.

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Die Pinken treten bei dieser Wahl in mehr als 15 Gemeinden an. Große Hoffnungen wird nicht nur in Obermüller, sondern auch Christoph Huber gesetzt, der in der rund 14.000 Einwohner zählenden Unterländer Stadt Wörgl Bürgermeister werden möchte. Dort hält aktuell die SPÖ-nahe Hedi Wechner (Liste Hedi Wechner) das städtische Zepter in der Hand, das sie Ende Februar gegen sechs Kandidaten verteidigen muss. Zudem treten sechs konkurrierende Listen, darunter auch zwei voneinander unabhängige bürgerliche Listen, zur Gemeinderatswahl an.

In Kitzbühel geht abermals Klaus Winkler für die ÖVP und als Favorit ins Rennen. Er muss sich gegen drei weitere Kandidaten behaupten. Spannend wird in der Gamsstadt das Rennen um Platz zwei, wohl zwischen der Liste UK (Unabhängigen Kitzbühler/innen) und der SPÖ (Wir für Kitzbühel, Parteifreie und Kitzbühler Sozialdemokraten) - gerade einmal 35 Stimmen trennten diese beiden Listen im Jahr 2016. Die Liste UK ging vor sechs Jahren als große Gewinnerin aus der Wahl hervor. Sie überholte die SPÖ und verdoppelte ihr Ergebnis von 7,8 Prozent auf 18 Prozent. Insgesamt haben sich fünf wahlwerbende Listen gemeldet.

Eine Autostunde entfernt liegt eine Stadt, in der die Roten wohl weniger bangen müssen. Die Bezirkshauptstadt Schwaz, die der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer im Rahmen einer Pressekonferenz als „Potenzialgemeinde“ bezeichnete. Dort sitzt allerdings Amtsinhaber Hans Lintner von der ÖVP seit 25 Jahren recht fest im Sattel. Doch musste er sich noch nie so vielen Gegenkandidaten stellen. Sieben Konkurrenten - darunter die rote Hoffnung und derzeitige Vize-Bürgermeisterin Victoria Weber - machen ihm das Amt strittig. Es treten acht Listen an.

In den zwei einwohnerstarken Städten Telfs und Hall in Tirol im Bezirk Innsbruck-Land stellen sich jeweils amtierende schwarze Bürgermeister der Wiederwahl. Christian Härting (Wir für Telfs) ist schon seit zwölf Jahren Telfer Ortschef und wird immer wieder als aussichtsreicher Kandidat für Posten auf Landesebene gehandelt. Er tritt mit seiner eigenen Liste an, ist aber ÖVP-Parteimitglied und kann auch auf die Unterstützung der Telfer ÖVP zählen, die es nicht für nötig hielt eine eigene Liste aufzustellen. In Telfs wurden acht wahlwerbende Listen und mit Härting sechs Bürgermeisterkandidaten nominiert. In Hall bestreitet Bürgermeister Werner Hackl (Volkspartei Hall Team Werner Hackl) seine erste Wahl. Er folgte 2021 auf Eva Maria Posch (ÖVP) und muss sich nun gegen vier Konkurrenten behaupten. Es gibt sechs wahlwerbende Listen.

Einen Wechsel an der Ortsspitze zwischen den Wahlen gab es auch in den Oberländer Gemeinden Landeck und Reutte. In der Außerferner Marktgemeinde verabschiedete sich Alois Oberer nach elf Jahren im April 2021 in den Ruhestand. Günter Salchner (Wir lieben Reutte) trat in seine Fußstapfen und verteidigt den Bürgermeistersessel nun gegen einen Konkurrenten - Vizebürgermeister Klaus Schimana von der ÖVP-nahen Liste „Team Schimana“. Es treten fünf Listen an.

In Landeck trat Amtsinhaber Wolfgang Jörg Ende Mai 2020 überraschend zurück, der ÖVP-nahe Herbert Mayer (Liste 1) wurde zu seinem Nachfolger gekürt und muss sich wie Salchner Ende Februar nur einem Gegenkandidaten stellen. In der Oberländer Bezirkshauptstadt gibt es überhaupt nur zwei Listen. Die Liste „Zukunft Landeck - sozialdemokratisch und parteifrei“ schickt Stadtrat Mathias Niederbacher als Bürgermeisterkandidaten ins Rennen.

Im Nachbarbezirk Imst bewirbt sich ÖVP-Landtagsabgeordneter Stefan Weirather (Alle für Imst) um eine dritte Amtszeit. 2016 herrschte mit zehn wahlwerbenden Listen noch das größte Angebot in Tirol. In diesem Jahr sind es neun Listen und mit Weirather acht Bürgermeisterkandidaten, darunter auch einer für die MFG. „Die Coronapandemie und die Einführung der Impfpflicht - das sind natürlich Themen, die uns alle beschäftigen“, räumte der amtierende Bürgermeister Weirather im Gespräch mit der APA ein. Wie sehr sich der Unmut im Wahlergebnis niederschlagen könnte, darüber wollte Weirather nicht mutmaßen. Er sah jedenfalls einen starken Wunsch nach verstärktem Zusammenhalt in der Bevölkerung.

Auch in der Osttiroler Bezirkshauptstadt Lienz steigt mit Elisabeth Blanik eine langjährige SPÖ-Landtagsabgeordnete zur Titelverteidigung gegen drei Herausforderer - darunter Alexander Kröll (ÖVP) und der Obmann des Tourismusverbandes Franz Theurl (Team Lienz) - in den Ring. Die frühere Tiroler SPÖ-Chefin hatte im Jahr 2011 das schwarze Lienz für die Sozialdemokraten „erobert“. Acht Listen treten an. SPÖ, Grüne, NEOS und die Liste Stadt Lienz haben gekoppelt.

Denn in Tirol können die verschiedenen Listen für den Gemeinderat „koppeln“ - in der Hoffnung, bei der Mandatsverteilung von den dann zusammengezählten Reststimmen zu profitieren.


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