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Scala und München drohen Stardirigenten Gergiev mit Rauswurf

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Nachdem am Donnerstagabend die Wiener Philharmoniker und die New Yorker Carnegie Hall angekündigt hatten, bei einer ab heute, Freitag, angesetzten Konzertserie auf das Dirigat des putinfreundlichen Stardirigenten Valery Gergiev zu verzichten, zog nun auch die Mailänder Scala nach. So stellten laut italienischen Medienberichten Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala und Scala-Intendant Dominique Meyer dem Dirigenten ein Ultimatum. Und auch München droht Gergiev mit Rauswurf.

„An der Scala ist eine ‚Pique Dame‘ unter dem Dirigat des russischen Maestros angesetzt, der vielfach seine Nähe zu Putin erklärt hat. Gemeinsam mit Intendant Dominique Meyer fordere ich ihn nun auf, eine klare Position gegen diese Invasion zu beziehen. Sollte er dies nicht tun, sehen wir uns gezwungen, von der Zusammenarbeit Abstand zu nehmen“, heißt es im Schreiben von Mailands Stadtchef Salas. Beim Auftakt des Engagements am Mittwoch war Gergiev mit einzelnen Buhs, überwiegend aber Applaus gewürdigt worden. Die von der italienischen Theatergewerkschaft im Vorfeld geforderte Friedensbotschaft blieb dabei allerdings aus.

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Mittlerweile drohte auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker mit Rauswurf. „Ich habe gegenüber Valery Gergiev meine Haltung klargemacht und ihn aufgefordert, sich ebenfalls eindeutig und unmissverständlich von dem brutalen Angriffskrieg zu distanzieren, den Putin gegen die Ukraine und nun insbesondere auch gegen unsere Partnerstadt Kiew führt“, so der SPD-Politiker in einer Mitteilung: „Sollte sich Valery Gergiev hier bis Montag nicht klar positioniert haben, kann er nicht länger Chefdirigent unserer Philharmoniker bleiben.“ Der Russe steht dem Orchester seit 2015 vor.

Der Intendant der Hamburger Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, droht ebenfalls mit der Absage von Konzerten unter der Leitung von Gergiev. „Waleri Gergijew ist ein wichtiger künstlerischer Partner und langjähriger Freund der Elbphilharmonie. Daher hoffe ich sehr, dass er dieser Tage ein Zeichen der Distanzierung von dem Überfall Russlands auf die Ukraine setzen wird“, sagte der aus Wien stammende Intendant am Freitag . Andernfalls könnten die für die Osterwoche geplanten Konzerte des Mariinski-Orchesters aus St. Petersburg in der Elbphilharmonie unter seiner Leitung nicht stattfinden.

Und schließlich meldete sich auch das Festspielhaus Baden-Baden zu Wort. Benedikt Stampa, Intendant des 2.500 Plätze fassenden Opernhauses, das im Juli zwei Konzerte mit dem Maestro und im Dezember ein neues Festival unter dem Titel „Russischer Winter“ angesetzt hat, forderte von Gergiev ebenfalls eine klare Positionierung in der Causa - auch wenn man selbstredend mitbedenken müsse, dass in Russland eine freie Meinungsäußerung kaum noch möglich sei. „Dennoch werden wir die rote Linie, die derzeit um Valery Gergiev als politische Person gezogen wird, mittragen und solidarisch mit allen Demokratinnen und Demokraten im Sinne einer klaren Haltung agieren“, so Stampa.

Bereits am gestrigen Abend hatten die Wiener Philharmoniker gemeinsam mit der Carnegie Hall bekannt gegeben, dass bei der bis Sonntag angesetzten Konzertserie in New York nun Yannick Nézet-Séguin, Musikdirektor der Metropolitan Opera, das Pult von Gergiev übernehmen wird. Auch für die beiden Folgekonzerte am 1. und 2. März in Naples/Florida sucht man einen anderen Dirigenten.

Die Auftritte des 68-jährigen Gergievs sind angesichts der Invasion Russlands in der Ukraine in die Kritik geraten, gilt der Dirigent doch seit langem als dezidierter Unterstützer von Russlands Präsident Wladimir Putin. Er war in Wahlwerbespots für den Kreml-Herrscher aufgetreten oder hatte 2014 einen offenen Brief unterzeichnet, der die Annexion der Krim befürwortete.

Auch gilt der aus einer nordossetischen Familie stammende Gergiev als mächtigste Figur im russischen Kulturbetrieb, steht er doch seit 1996 dem St. Petersburger Mariinsky-Theater vor. Bereits seit der Annexion der Krim durch Russland finden sich deshalb bei Gergiev-Auftritten immer wieder Protestierende vor den Konzerthäusern. Auch vor der Carnegie Hall fanden sich meist einige ukrainische Aktivisten ein, um gegen den Maestro zu protestieren - Proteste, deren Dimensionen angesichts der aktuellen Entwicklung wohl deutlich größer ausgefallen wären.


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