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Schwere Kämpfe in der Ukraine - Gaspipeline explodiert

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Die ukrainischen Streitkräfte sind nach Medienberichten weiterhin vielerorts schweren Angriffen der russischen Armee „aus allen Richtungen“ ausgesetzt. Dem Gegner werde jedoch „entschlossener Widerstand“ entgegengesetzt, teilte die ukrainische Armee in der Nacht auf Sonntag mit. Im ostukrainischen Charkiw soll die russische Armee eine Gaspipeline in die Luft gejagt haben. In der Innenstadt von Kiew blieb es vergleichsweise ruhig.

„Es ist ruhig im Zentrum von Kiew. Am ruhigsten seit dieser Vollidiot in Moskau den Krieg erklärt hat“, schrieb der frühere Botschafter in Österreich, Olexander Scherba, am Sonntag in der Früh auf Twitter. Im Vorort Wassylkowo wurde nach Medienberichten eine Raffinerie von Raketen getroffen und in Brand gesetzt. Das Feuer war auch nach Stunden von Kiew aus zu sehen. Die Behörden riefen die Bewohner auf, ihre Fenster zum Schutz vor giftigen Dämpfen zu schließen. Einem Fernsehbericht zufolge wurde bei den Kämpfen auch ein Lager mit radioaktiven Abfällen in Kiew getroffen. Ersten Messungen zufolge bestand aber keine Bedrohung für die Bevölkerung außerhalb der Schutzzone.

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Unbestätigten Berichten zufolge schaltete die ukrainische Armee auch ein tschetschenisches Sonderkommando aus, das offenbar für die Liquidation der politischen Führung ins Land geschickt worden war. Dabei sei auch der Kommandant, General Magomed Tuschajew, getötet worden, wie ein Gefangener später verraten habe, berichtete die Zeitung „Ukrainska Pravda“. Laut dem Onlinemedium „Kyiv Independent“ wurden die Angaben mittlerweile auch vom ukrainischen Präsidialamt bestätigt. Die Zerschlagung des Kommandos soll beim umkämpften Flughafen Hostomel im Norden Kiews erfolgt sein.

Die Explosion der Gasleitung ereignete sich im Verlauf schwerer Kämpfe rund um die Stadt nahe der russischen Grenze, berichtete die ukrainische Agentur Union. Zu dem Video der Explosion, das von der Agentur verbreitet wurde, hieß es, dass es sich dabei „nicht um einen nuklearen Angriff handelt, auch wenn es so aussehen mag“. Unklar war, ob es sich bei der Leitung um eine regionale Erdgasleitung oder um einen Teil der aus Russland nach Europa führenden Leitungen handelt.

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Bei Cherson im Süden sei dagegen russischen Einheiten nach erbitterten Kämpfen ein Vorstoß gelungen. Auch in der Region Luhansk tobten demnach schwere Kämpfe. Dort meldeten die Separatisten, dass eine ukrainische Rakete ein Ölterminal in der Stadt Rowenky getroffen habe. Die Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Die ukrainische Regierung sah die Lage im Land weiterhin unter Kontrolle. „Wir kontrollieren alles, was in den Regionen passiert“, sagte Präsidentenberater Mychailo Podoljak in der Nacht auf Sonntag. Die russische Armee greife zwar in Kiew an, habe aber in den Regionen nicht vorangekommen. Ein Vertreter des Pentagons sagte am Samstagabend (Ortszeit), es gebe Anzeichen dafür, dass die Russen „zunehmend frustriert sind, weil sie in den letzten 24 Stunden, insbesondere in den nördlichen Teilen der Ukraine, nicht vorankommen“. Der Widerstand sei größer als von den Russen erwartet, sagte der US-Beamte.

In Kiew galt ab Samstagnachmittag eine Ausgangssperre. Bis Montag in der Früh darf demnach niemand des Haus verlassen. Begründet wurde die Maßnahme mit dem Kampf gegen Saboteure, die den Invasoren bei der Auswahl von Zielen helfen sollen. Die ukrainische Armee rief die Bevölkerung auf, den russischen Vormarsch mit allen Mitteln zu stoppen. „Fällt Bäume, baut Barrikaden, verbrennt Reifen! Nutzt alles, was Ihr zur Hand habt!“, zitierte die Agentur UNIAN am Samstag aus einer Mitteilung. Die ukrainische Straßenverwaltung rief zudem dazu auf, alle Straßenschilder und Ortstafeln im Land abzumontieren, um die Invasoren zu verwirren.

Auch der Bau sogenannter Molotow-Cocktails könne helfen. „Die Besatzer müssen verstehen, dass sie hier nicht erwünscht sind und dass ihnen in jeder Straße Widerstand geleistet wird.“ Laut dem Onlinemedium „Kyiv Independent“ stellte eine Brauerei im westukrainischen Lwiw (Lemberg) ihre Produktion komplett auf die Herstellung von Molotow-Cocktails um.

Russland hatte am Samstag eine Ausweitung der Kampfhandlungen insbesondere in Kiew angedroht. Der Kreml behauptete, die Ukraine habe am Samstag Friedensverhandlungen mit Russland abgelehnt. Die ukrainische Führung dementierte.

Bei den Angriffen der russischen Armee sind laut den ukrainischen Behörden bisher 198 Zivilisten getötet worden. Unter den Todesopfern seien drei Kinder, erklärte Gesundheitsminister Viktor Ljaschko am Samstag auf Facebook. Zudem seien 1.115 Menschen verletzt worden, darunter 33 Kinder. Diese Angaben lassen sich von unabhängiger Seite kaum überprüfen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief seine Landsleute in Videobotschaften am Samstag zur Abwehr russischer Angriffe auf. Ihm zufolge „sind mehr als 100.000 Eindringlinge in unserem Land“. Nach UNO-Angaben sind 300.000 Menschen in der Ukraine auf der Flucht. Allein in Polen sind nach Regierungsangaben bisher 100.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland angekommen.

Der russische Angriff auf das Nachbarland hatte am Donnerstag begonnen. Bereits am Freitag drangen russische Truppen an den Rand der Hauptstadt Kiew vor, die auch aus der Luft beschossen wurde. In Kiew leben rund 2,8 Millionen Menschen. Kämpfe gab es auch um Odessa, Mariupol und andere Städte im ganzen Land.

Von beiden Kriegsparteien gab es militärische Erfolgsmeldungen. Das ukrainische Militär erklärte, man habe 3.500 russische Soldaten getötet und 200 weitere gefangen genommen. Zudem seien 14 Flugzeuge, acht Hubschrauber und 102 Panzer sowie mehr als 530 weitere Militärfahrzeuge zerstört worden. Russland meldete seinerseits, es seien mehr als 800 ukrainische Militärobjekte „außer Gefecht“ gesetzt worden. 14 Militärflugplätze, 19 Kommandoposten, 24 Flugabwehr-Raketensysteme vom Typ S-300 und 48 Radarstationen seien zerstört, acht Marine-Boote der Ukraine getroffen worden. Russische Truppen hätten die Kontrolle über die südostukrainische Kleinstadt Melitopol.


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