Prozess um weltweite Geldwäsche in Graz gestartet

Im Grazer Straflandesgericht hat am Dienstag ein Prozess um internationale Geldwäsche begonnen. Angeklagt ist ein gebürtiger Tunesier, der als Eigentümer und Geschäftsführer ein Unternehmen geleitet haben soll, das im Internet mit dem Verkauf von Firmen und dazugehörigen Bankkonten beschäftigt war. Die Oberstaatsanwältin warf ihm Beteiligung an gewerbsmäßig schwerem Betrug, Geldwäscherei und an einer kriminellen Organisation vor. Er fühlte sich nicht schuldig.

Der 63-jährige Angeklagte sitzt seit drei Jahren in Untersuchungshaft, die Ermittlungen dauerten fünf Jahre. Wie die Vertreterin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, Ursula Schmudermayer, erläuterte, arbeiteten 15 Länder an diesem Fall zusammen. Als Erfolg konnten immerhin 15 Millionen Euro auf einem chinesischen Konto eingefroren werden.

„Das Betrugsphänomen CEO-Fraud ist international bekannt“, führte die Anklägerin aus. Das Prinzip ist immer dasselbe: Der Finanzverantwortliche einer Firma bekommt ein Mail, das angeblich vom Chef persönlich stammt und in dem um strenge Geheimhaltung ersucht wird. Der Mitarbeiter erhält den Auftrag, Geld für angebliche Unternehmensankäufe zu überweisen. Außerdem wird der Anruf eines damit befassten Anwalts angekündigt, der anschließend tatsächlich erfolgte.

Sobald die Überweisung getätigt war, wurde das Geld sofort gesplittet und auf weitere Konten überwiesen, binnen Stunden waren große Summen auf diese Weise fast nicht mehr nachvollziehbar verteilt. Der Fall landete in Graz, weil sich die ersten geschädigten Firmen in der Ost- und Obersteiermark befinden. 2015 begannen diese Betrugshandlungen, bei denen in 18 Überweisungen mindestens 56 Millionen Euro verschwunden sein sollen. Einige weitere Fälle sind als Versuch angeklagt.

„Bei ihm handelt es sich keinesfalls um einen unmittelbaren Täter“, betonte der Verteidiger. „Kein einziger Cent“ sei bei dem 63-Jährigen gelandet, war der Anwalt überzeugt. „Keiner der unmittelbaren Täter ist bis heute gefasst worden.“ Irgendetwas habe die Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten ins Treffen führen müssen, „sonst wäre die Anklagebank heute leer“, so der Verteidiger.

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