„Unpolitische“ Netrebko sagt Auftritt an Mailänder Scala ab

Nachdem die Scala dem putinfreundlichen Maestro Valery Gergiev (auch: Waleri Gergijew) das Dirigat entzogen hat, muss das Mailänder Opernhaus jetzt auch auf die russische Sopranistin Anna Netrebko verzichten. Die Wahlösterreicherin wird nicht als Protagonistin der Oper „Adriana Lecouvreur“ auftreten, die an der Scala am 9. März geplant ist. Ihre Absage begründete die „unpolitische“ Sängerin politisch.

Auf ihren Sozialnetzwerken dementierte die Sängerin, dass sie aus Gesundheitsgründen nicht auftreten werde. „Not coming“ (Ich komme nicht), heißt es auf einem Post Netrebkos auf Instagram am Montagabend. Damit dementierte sie einen Bericht der römischen Tageszeitung „La Repubblica“, laut dem sie aus Gesundheitsgründen nicht in Mailand auftreten werde. „Das stimmt nicht“, kommentierte Netrebko lakonisch.

Davor hatte die Diva auf ihrer Facebook-Seite betont, es sei nicht richtig, Künstler oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu zwingen, ihre politische Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern und ihr Heimatland anzuprangern. „Dies sollte eine freie Entscheidung sein. Wie viele meiner Kollegen bin ich kein politischer Mensch. Ich bin kein politischer Experte. Ich bin Künstler und mein Ziel ist es, Menschen über politische Grenzen hinweg zu vereinen“, schrieb die 50-jährige Sopranistin.

„Ich bin gegen diesen Krieg. Ich bin Russin und liebe mein Land, aber ich habe viele Freunde in der Ukraine, und der Schmerz und das Leid in diesem Moment bricht mir das Herz. Ich möchte, dass dieser Krieg endet und die Menschen in Frieden leben können. Das ist es, was ich hoffe und wofür ich bete“, fügte sie hinzu.

Die Mailänder Scala wartet jetzt auf eine offizielle Absage Netrebkos, die an drei Aufführungen an Seite ihres Ehemannes Yusif Eyvazov teilnehmen sollte. „Wir haben Netrebkos Post auf Instagram gelesen. Bis jetzt haben wir von ihr keine Absage erhalten, wir warten auf eine offizielle Mitteilung. Wir wissen auch nicht, was ihr Ehemann vorhat“, betonte Scala-Pressesprecher Paolo Besana auf APA-Anfrage.

Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala, Präsident der Stiftung, welche die Scala verwaltet, hatte am Freitag gemeinsam mit Scala-Intendant Dominique Meyer vom 68-jährigen Maestro Gergiev eine klare Positionierung gegen den Ukrainekrieg gefordert. „Wir haben keine Antwort erhalten. Wir hatten ihn aufgefordert, sich ebenfalls eindeutig von dem Angriffskrieg zu distanzieren“, sagte Sala am Montag in Mailand.

Nach Verstreichen eines Ultimatums wurde Gergiev das Dirigat von Tschaikowskis „Pique Dame“ entzogen. Noch unklar ist, wer Gergiev für die fünf Konzerte der „Pique Dame“-Serie ersetzen wird. Es handelt sich um eine Oper, die nicht oft aufgeführt wird. Die meisten russischen Dirigenten sind derzeit in der Heimat und können nicht reisen.

Die Entwicklungen an der Scala werden von der italienischen Presse genau verfolgt. „Gergiev und Netrebko weg von der Scala. Netrebko zahlt einen hohen Preis dafür, dass sie von Gergiev entdeckt wurde.“, kommentierte die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ (Dienstagsausgabe).

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