Brand in ukrainischem Akw Saporischschja nach Beschuss

Im größten Atomkraftwerk Europas, im ukrainischen Akw Saporischschja, ist es in der Nacht auf Freitag durch russischen Beschuss zu einem Brand gekommen. Dabei wurde auch ein Block des Kraftwerks getroffen, sagte ein Sprecher der Atomanlage in einem Video im Internetdienst Telegram. Die Betriebsfeuerwehr könne wegen der Kämpfe die Brände nicht löschen.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba forderte ein umgehendes Ende des Beschusses. „Die Russen müssen SOFORT das Feuer einstellen, die Feuerwehr passieren lassen, eine Sicherheitszone einrichten“, betonte er in der Nacht auf Freitag auf Twitter. „Falls es explodiert, wird es zehnmal größer sein als Tschernobyl!“, warnte Kuleba.

Die Internationale Atombehörde IAEA schrieb auf Twitter, sie sei in Kontakt mit den ukrainischen Behörden wegen des Brandes. IAEA-Chef Rafael Grossi habe darüber mit dem ukrainischen Premier Denis Schmyhal gesprochen. Grossi habe appelliert, die Kämpfe einzustellen.

Der Nuklearexperte James Acton vom US-Thinktank Carnegie Endowment for International Peace sah in einer ersten Analyse vor allem das Risiko einer Kernschmelze, falls das radioaktive Material nicht weiterhin durchgehend gekühlt wird. „Ich nehme an, dass alle drei Reaktoren (die zuletzt von den sechs Blöcken des Kraftwerkes in Betrieb waren, Anm.) abgeschaltet wurden. In diesem Fall sind alle sechs Reaktoren von Stromversorgung von außen für die Kühlung abhängig“, schrieb der britische Physiker auf Twitter. Ein Feuer könne die Verbindung zum Stromnetz bzw. zu Notstromaggregaten zerstören und dadurch die Kühlung stoppen. In diesem Fall könnte es zu einer Kernschmelze kommen, wie es 2011 im japanischen Akw Fukushima 2 nach einem Tsunami geschah, erinnerte Acton.

Auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera auf dem Youtube-Kanal des Kraftwerks stand ein Gebäude in Vollbrand. Laut ukrainischen Medienberichten war ein Verwaltungsgebäude ebenfalls getroffen worden. Auf den Aufnahmen waren auch Rauchwolken von anderer Seite zu sehen, außerdem immer wieder heftiger Beschuss. Der Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Enerhodar, Dmytro Orlow, forderte in einem Telegram-Video die russischen Kräfte auf, den Beschuss sofort einzustellen.

Die Anlage von Saporischschja ist das größte Atomkraftwerk Europas und verfügt über sechs Reaktoren. Der älteste Reaktor ging 1984 in Betrieb. Am Donnerstag hatte die ukrainische Regierung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gemeldet, russische Infanteristen befänden sich nahe der Stadt Enerhodar wenige Kilometer vom Akw Saporischschja entfernt. IAEA-Chef Grossi hatte daraufhin einen sofortigen Stopp jeglicher Kampfhandlungen in dem Gebiet gefordert.

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