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Neue Schau blickt auf Schönberg und die Seele

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Der Blick in Schönbergs Seele und der Blick mit Schönberg in die Seele - diese Doppelperspektive möchte das Arnold Schönberg Center mit seiner neuen Ausstellungen ermöglichen. Rund 80 Exponate konstituieren ein Mosaik dessen, was der Komponist unter dem Begriff der „Seele“ verstand. „Die Seele ist für ihn die Triebfeder der Kunst“, umriss Kuratorin Therese Muxeneder bei der Präsentation der Schau „Mit Schönberg in die Seele blicken“.

Diese gliedert sich letztlich in zwei zentrale Stränge. Einer davon sind die Partituren der Musikstücke, die teils animiert einen vergeistigten Impetus offenbaren. Dazu zählen etwa die wortlos singende Seele aus dem Oratorium „Die Jakobsleiter“ oder das kleine Klavierstück op. 19/6, das als Hommage an den soeben verstorbenen Freund Gustav Mahler zu verstehen ist und in das Schönberg die Glocken der Kirche während der Trauerfeier ebenso transformiert wie den musikalischen Gestus des Kollegen. „Das ist das beseelteste Musikstück, dass ich von Arnold Schönberg kenne“, unterstrich Muxeneder.

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Zugleich blickt Schönberg den Betrachter in der Ausstellung allerorten an, finden sich neben weiteren Bildern aus der Feder des Künstlers doch zahlreiche Selbstporträts an den Wänden. Die meisten sind dabei an entscheidenden Weggabelungen wie dem Skandalkonzert von 1908, der Bekanntgabe der Arisierungen oder dem Tag, als er vom Tod Alban Bergs erfuhr, entstanden. „Die Trauer ist jenes Gefühl, dass zutiefst an unsere Seele rührt“, erklärt sich Muxeneder diese Verarbeitung. Die Selbstdarstellungen markieren demnach gefrorene Seelenmomente als Wegmarken eines Leben.

Der Zwölftöner begreift die Seele dabei als etwas Ungreifbares und letztlich auch Undefinierbares, weniger als Objekt der Analyse, wie der Wiener Zeitgenosse Sigmund Freud. Schönberg habe zwar immer auf außerkünstlerische Einflüsse reagiert, die Verschränkungen der geistigen Elite im Wien des Fin de Siècles dürfe man jedoch nicht überschätzen, betonte Muxeneder: „Es gab keinen Stammtisch Freud-Wittgenstein-Schönberg.“

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Die eigene Auseinandersetzung und Vermessung der Künstlerseele können Interessierte nicht nur vor Ort im Schönberg Center antreten. Die einzelnen Exponate sollen im Hybridformat auch online zugänglich sein.

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