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Grazer Joanneum feiert den steirischen Film

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Mit steirischem Filmschaffen und der Kinoentwicklung beschäftigt sich eine Ausstellung des Grazer Museums für Geschichte in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria. Von den Anfängen im obersteirischen Leoben 1896 bis zum modernen Filmgeschehen spannt die Ausstellung einen weiten Bogen. Zu sehen sind neben technischen Geräten, Plakaten, Werbedias oder Filmzeitschriften auch Ausschnitte aus rund 300 Filmen, die einen lebendigen Einblick bieten.

Die Motivation für die Ausstellung war ein Sammelprojekt, bei dem ab Sommer 2020 rund 35.000 Amateurfilme aus der Steiermark dem Museum von Privatpersonen übergeben und anschließend digitalisiert wurden. Dieser Bereich ist nun Teil der Ausstellung, die ein neues Licht auf das heimische Filmgeschehen wirft. „Der Blick in die Steiermark lohnt sich, im Kleinen findet sich das Große wieder“, erläuterte Kuratorin Maria Froihofer bei einer Presseführung am Mittwoch. So sei das Bundesland „internationaler, als wir geglaubt haben“, befand Kurator Karl Wratschko.

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1895 gab es in Paris die erste Kinovorführung, und bereits neun Monate später war der Film in Form eines Wanderkinos in Leoben angekommen. Im ersten Raum der Schau sind die Streifen „Pont de la Tour“ und „Danse serpentine“, produziert von dem Brüdern Lumiere, die damals gezeigt wurden, zu sehen. Der Tanzfilm ist handkoloriert und gibt einen Eindruck davon, dass der Film immer schon bestrebt war, auch Farben zu zeigen. Die Stummfilme laufen alle mit Musik, die teilweise neu gemacht wurde, wenn keine Tonspur mehr vorhanden war, schilderte Wratschko.

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts etablierten sich in der Steiermark fixe Kinos, die auch wegen der Wochenschauen immer wichtiger wurden. Die Ausstellung zeigt, dass Themen wie „Die Ermordung des Thronfolgers in Sarajewo“ oder Berichte aus dem Ersten Weltkrieg die Zuschauer ins Kino locken sollten. Der erste große steirische Spielfilm beschäftigte sich mit Erzherzog Johann. Er wurde hier gedreht, wenn auch von einer Wiener Firma produziert. Kuriosität am Rande: „Sodom und Gomorrha“ aus der gleichen Zeit hatte den Erzberg als Schauplatz. Zu sehen sind auch zahlreiche Werbungen aus der frühen Kinozeit, damals noch als Dias, die eingeblendet wurden.

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In den 30er- und 40er-Jahren gab er vor allem Unterhaltungsfilme, aber auch politische Propaganda, in die auch steirische Filmgrößen wie Jenny Jugo, Lizzi Waldmüller und Trude Marlen eingebunden waren. Hingewiesen wird in der Ausstellung besonders auf „Thaliwood“, die Filmproduktionsstätte auf dem Gelände des Flughafens bei Graz, wo bis 1953 insgesamt 17 größere Spielfilme gedreht wurden.

Ab den 70er- und 80er-Jahren entstand ein künstlerisch ambitionierter Film, der von jungen Autorinnen und Autoren getragen wurde. Verwiesen wird dabei auf das Schaffen von Alfred Ninaus, Karin Brandauer, Willi Hengstler oder Elfi Mikesch. Filmplakate zeigen auch Arnold Schwarzenegger, steirisches Aushängeschild in Hollywood. Die Kassenschlager ab 2000 finden sich ebenfalls, so beispielsweise Michael Glawoggers „Nacktschnecken“ oder Michael Ostrowskis „Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott“.

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass man bei einem Rundgang einen guten Überblick über Film und Kinowesen der Steiermark bekommt. Wer möchte, kann aber viele Stunden in den kleinen „Kinosälen“ verbringen und in Ausschnitten aus mehr als 300 Filmen schwelgen.

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