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Tote bei Angriffen auf Wohngebäude in Kiew

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In der Ukraine gehen die Bombardierungen und Blockaden wichtiger Städte durch Russland weiter. In der Hauptstadt Kiew wurden nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes Dienstagfrüh insgesamt vier Wohngebäude in mehreren Stadtteilen von Raketen getroffen. Zwei Menschen wurden demnach getötet und ein weiterer verletzt. Bürgermeister Klitschko verhängte eine Ausgangssperre bis Donnerstagfrüh. Ungeachtet der Kämpfe sollen die Gespräche über eine Waffenruhe fortgesetzt werden.

Bei den Angriffen in Kiew konnten 35 Bewohner gerettet werden, schrieb die Kiewer Zivilschutz-Sprecherin Swetlana Wodolaha bei Facebook. Berichten zufolge wurde auch der Eingang zu einer U-Bahn-Station beschossen. Es wird vermutet, dass dieser Angriff einer nahe gelegenen Munitionsfabrik galt.

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Als Reaktion auf die Angriffe kündigte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko eine lange Ausgangssperre an. Von Dienstagabend, 19.00 Uhr (MEZ), bis Donnerstagfrüh, 6.00 Uhr (MEZ), dürften die Einwohner ihre Häuser nur verlassen, um sich in Schutzräumen und Bunkern in Sicherheit zu bringen, schrieb Klitschko am Dienstag im Nachrichtenkanal Telegram. Kiew ist seit Beginn des russischen Angriffs am 24. Februar immer wieder Ziel von Raketenangriffen.

Die russische Armee versucht derzeit, Kiew einzukesseln. In der Stadt befindet sich nach wie vor die Hälfte der einst drei Millionen Einwohner. Sie können die Stadt nur noch in Richtung Süden verlassen. Die Vororte im Nordosten und Nordwesten sind stark umkämpft. Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sagte zuletzt, Kiew bereite sich auf eine „erbitterte Verteidigung“ vor.

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Auch aus der ostukrainischen Stadt Ruischne wurden vier Tote bei russischen Angriffen gemeldet. Die Angriffe hätten eine Einrichtung für sehbehinderte Kinder, das städtische Krankenhaus und drei Schulen zerstört, meldete die Agentur Unian am Dienstag. Rubischne liegt nahe der Großstadt Sjewjerodonezk, um die sich prorussische Separatisten und ukrainische Truppen derzeit heftige Kämpfe liefern.

Nach einem russischen Luftangriff auf einen Fernsehturm im Nordwesten der Ukraine am Montag ist die Zahl der Toten auf mindestens 19 gestiegen, wie der Gouverneur der Region Riwne, Witalij Kowal, mitteilte. Am Montag hatte Kowal kurz nach dem Angriff von neun Toten und neun Verletzten gesprochen und erklärt, weitere Personen befänden sich noch unter den Trümmern.

In mehreren Teilen des Landes warnten Sirenen vor neuen Luftangriffen, darunter in Odessa im Süden und Tschernihiw im Norden der Ukraine. Das Moskauer Verteidigungsministerium meldete laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax, die volle Kontrolle über die gesamte Region Cherson im Süden erlangt zu haben. Ukrainische Truppen wiederum wehrten nach eigenen Angaben einen russischen Vorstoß in der umkämpften Hafenstadt Mariupol. Auch in der Hafenstadt Mykolajiw zwischen Odessa und Cherson wurden nach ukrainischen Angaben die russischen Truppen zurückgedrängt. Angaben zum Kampfgeschehen können nicht unabhängig überprüft werden.

Die Ukraine plante nach eigenen Angaben am Dienstag die Öffnung von neun Fluchtkorridoren aus belagerten Gebieten. Die Behörden wollten zudem versuchen, Hilfsgüter in die eingekesselte Hafenstadt Mariupol zu bringen, teilte Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk mit. Am Montag hatten erstmals Zivilisten die Stadt verlassen können, in der die Lage für die Bevölkerung besonders dramatisch ist. Ein Vertreter des Stadtrats sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in den ersten zwei Stunden seien 160 Autos aus der Stadt gefahren. Russland weist Vorwürfe zurück, zivile Ziele anzugreifen.

Ungeachtet der anhaltenden Kämpfe sollten die Gespräche zwischen Unterhändlern der Ukraine und Russlands über eine Waffenruhe am Dienstag fortgesetzt werden. Die Verhandlungen, die ein erster Schritt aus dem Konflikt werden sollen, waren am Montag unterbrochen worden.

Die ukrainische Führung sieht den Krieg an einem entscheidenden Punkt angelangt, der zu einer Verhandlungseinigung mit Russland oder zu einer neuen russischen Offensive führen könnte. „Wir stehen am Scheideweg“, sagte der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Olexii Arestowytsch. „Entweder werden wir uns bei den aktuellen Gesprächen einigen, oder die Russen werden einen zweiten Versuch (einer Offensive) starten, und dann wird es wieder Gespräche geben.“ In einem von mehreren Sendern veröffentlichten Video sagte Arestowytsch zudem, bis zu einem Friedenabkommen könnte bis Mai dauern.

Seit der russischen Invasion am 24. Februar sind Tausende Menschen bei Kämpfen und Bombardements getötet worden. Laut den Vereinten Nationen (UN) sind inzwischen mehr als 2,8 Millionen Menschen geflohen. Russland bezeichnet sein Vorgehen in der Ukraine als „Spezialoperation zur Entnazifizierung“ des Nachbarlandes. Die USA und ihre Verbündeten sehen darin einen Vorwand für einen ungerechtfertigten Angriff auf die Ex-Sowjetrepublik.


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