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Linz: „Geschichten aus dem Wiener Wald“ im roten Salon

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In Linz spielen die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ nicht an der schönen blauen Donau, sondern im abgewohnten weinroten Salon. Florian Parbs hat im Landestheater ein Bühnenbild ersonnen, das für die Maxim-Szene des berühmten Horváth-Stücks ideal ist, für die „stille Straße“ in der Josefstadt aber ebenso viel Fantasie erfordert wie für das Häuschen in der Wachau. Es sind nicht die einzigen Unstimmigkeiten in Stephanie Mohrs Inszenierung, die am Samstag Premiere hatte.

Viel steht in diesem Salon herum, etwa eine alte Telefonzelle (das Geschäft des Zauberkönigs), ein Rokoko-Tisch mit darüber hängendem großen Fleischerhaken (die Fleischhauerei des Herrn Oskar), Ansichtskartenständer und ein alter Zigarettenautomat (die Tabak-Trafik der Frau Valerie), eine Garnitur Camping-Sessel (für das Picknick an der Donau), eine große Disco-Kugel (für das Maxim) und ein ausrangierter Christbaum (für „draußen in der Wachau“). Zu Stringenz und Klarheit trägt dieses Interieur aus immer wieder verschobenen Versatzstücken nicht bei. Konzeptionell ist diese Neuproduktion kein großer Wurf, das Ensemble schlägt sich teilweise jedoch beachtlich.

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Theresa Palfi erinnert mit ihrer Jeans-tragenden Marianne, die eigentlich gar nicht viel vom Leben verlangt und dennoch in dieser männerdominierten Gesellschaft zugrunde gehen muss, an Sarah Viktoria Frick, die in Johan Simons stark reduzierter Burgtheater-Inszenierung die nach Selbstbefreiung strebende junge Frau spielt. Eigentlich gäbe sie mit Alfred ein ideales Paar - doch Benedikt Steiner gelingt die Wandlung von lässig auf unzulässig, von Charmeur zu Schlawiner ausgezeichnet. Am Ende ist er ein Strizzi aus dem Bilderbuch, der seine Geliebte umstandslos an den Vorgänger „zurückgibt“ und sich selbst am meisten leidtut. Es ist die prägnanteste Rollengestaltung an diesem Abend.

Im übrigen Personal hat Mohr zwei ungewöhnliche Besetzungen anzubieten, von denen eine auch überzeugen kann: Christian Higer (55) spielt nicht nur den Conferencier im Maxim, sondern auch die Großmutter. Das macht er insistierend und intensiv - und ganz ohne Alte-Frauen-Karikatur. Zu wenig Format bringt dagegen der auch sonst leichtgewichtige Fleischer Oskar auf die Waage. Die vom Zauberkönig (routiniert: Horst Heiss) geförderte, doch unglückliche Beziehung zwischen ihm und Marianne („Du wirst meiner Liebe nicht entgehen“) ist nicht jenes dunkle Kraftzentrum, aus dessen Gravitationsfeld die junge Frau mit selbstzerstörerischer Energie ausbrechen muss.

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Und auch bei den einzelnen Szenen gibt es ein Wechselspiel von Licht und Schatten. Mitunter werden die drei Stunden (inklusive einer Pause) sehr lange, dann wieder - etwa bei der Heurigen-Partie - gewinnen sie an Schärfe. Diese Unterschiede gibt es sogar innerhalb eines einzigen Bildes: Für den Skandal machenden Auftritt Mariannes im Nachtklub ist Stephanie Mohr keine überzeugende Lösung eingefallen, dafür geht wenige Augenblicke später die Konfrontation von Vater und Tochter zu Herzen. Die Idee, das ganze Ensemble nicht nur Szenenanweisungen, sondern immer wieder auch a-capella Walzerklänge zum Besten geben zu lassen, wirkt mit Fortdauer des Abends mehr bemüht denn überzeugend.

Die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ sind natürlich nicht umzubringen, auch wenn das Volksstück als Salonstück nicht restlos überzeugt. Lebhafter Schlussapplaus für alle Beteiligten im nicht voll besetzten Schauspielhaus des Linzer Landestheaters.

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