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Rückschläge und Fortschritte für russische Truppen

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Vier Wochen nach der Invasion in der Ukraine hat die russische Armee an einigen Frontabschnitten offenbar Probleme, kommt an anderen Stellen aber voran. Die ukrainischen Truppen haben nach britischen Angaben Städte und Verteidigungsstellungen bis zu 35 Kilometer östlich von Kiew zurückerobert. Dagegen dürfte es laut ukrainischem Verteidigungsministerium den russischen Truppen gelungen sein, eine Landbrücke von der Region Donezk im Osten bis zur Halbinsel Krim zu schaffen.

Das russische Verteidigungsministerium teilte laut einem russischen Agenturbericht mit, man habe ein großes Treibstofflager in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew durch Raketenbeschuss zerstört. In der schwer umkämpften ostukrainischen Stadt Charkiw soll der Polizei zufolge eine Klinik von russischem Beschuss getroffen worden sein. Dabei seien vier Menschen getötet worden. Zwei Raketen trafen zudem einen ukrainische Militäreinheit in der Nähe der Stadt Dnipro. Der regionale Gouverneur sprach von „ernsthaften Zerstörungen“.

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Weiters ist die Kleinstadt Slawutytsch nördlich von Kiew ist nach Angaben der lokalen Behörden von russischen Truppen eingekesselt. Die Angreifer befänden sich direkt an der Stadtgrenze, heißt es in einer Mitteilung. In Slawutytsch leben Arbeiter, die an der Instandhaltung des stillgelegten Atomkraftwerks Tschernobyl beteiligt sind. Zudem sollen russische Truppen auch die Stadt Tschernihiw im Norden der Ukraine einkesselt und vom Umland abgeschnitten haben. Das teilt der Gouverneur Wiatscheslaw Tschaus im Fernsehen mit.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau konzentrieren sich die russischen Streitkräfte auf die völlige „Befreiung“ des Donbass. Generell werde nicht ausgeschlossen, verbarrikadierte ukrainische Städte zu stürmen, erklärt das Ministerium laut russischer Nachrichtenagentur Ifax. Für die „Spezial-Operation“ in der Ukraine habe das Ministerium zwei Optionen erwogen: entweder innerhalb der Separatisten-Gebieten im Donbass oder im gesamten Territorium der Ukraine.

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Allerdings habe Russland nach US-Angaben massive Probleme mit seinen präzisionsgelenkten Raketen. Die beim Angriff auf die Ukraine benutzten Hightech-Waffen kämen auf Ausfallquoten von bis zu 60 Prozent, sagten US-Regierungsvertreter mit Verweis auf Geheimdienstinformationen zu Reuters. Nach Angaben des russischen Generalstabs sind in der Ukraine 1.351 russische Soldaten getötet und zudem 3.825 Soldaten verletzt worden. All diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die ukrainische Regierung hofft indessen auf die Öffnung eines Fluchtkorridors für die eingekesselte Hafenstadt Mariupol an diesem Freitag. Er solle für Zivilisten gelten, die die südostukrainische Stadt mit einem Privatfahrzeug verlassen können, sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Für die Evakuierung stünden zahlreiche Fahrzeuge im nahe gelegenen Berdjansk bereit. „Gerade befinden sich dort 48 Busse“, sagte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Freitag in einer Videobotschaft. In der etwa 70 Kilometer von Mariupol entfernten Stadt befinde sich zudem ein Tankfahrzeug für die Betankung von Privatfahrzeugen.

Für die weitere Flucht sei mit der russischen Seite ein Korridor bis in die Großstadt Saporischschja vereinbart. Darüber hinaus gebe es eine Vereinbarung über eine weitere Fluchtroute vom russisch besetzten Melitopol nach Saporischschja. Mariupol mit einst 400.000 Einwohnern zählt zu denen am stärksten von russischen Angriffen zerstörten ukrainischen Städten.

In einer Videobotschaft forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut, dass der Westen seinem Land stärker helfen müsse. Die NATO, G7 und EU hatten indessen am Donnerstag auf ihren Gipfeln in Brüssel von Russland ein sofortiges Ende der Kämpfe gefordert. Am zweiten Gipfeltag sprachen die EU-Staats- und Regierungschefs zunächst über die Frage der Verteilung der Kriegsflüchtlinge und wollen dann debattieren, wie man auf die hohen Energiepreise reagieren soll.

Die Ukraine und westliche Länder sprechen von einem Angriffskrieg und einer russischen Invasion im Nachbarland, die am 24. Februar begonnen hat. Russland bezeichnet sein Vorgehen in der Ukraine dagegen als Spezialoperation zur Zerstörung militärischer Stützpunkte sowie zur Demilitarisierung und „Entnazifizierung“ der Ukraine.

Die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine gestalten sich nach Angaben beider Seiten sehr schwierig. Ukraines Außenministers Dmytro Kuleba Kuleba sagte: „Der Verhandlungsprozess ist sehr schwer“. Moskau warf Kiew vor, die Verhandlungen über ein Kriegsende weiter absichtlich in die Länge zu ziehen. „Sie haben es nicht eilig, sie glauben, dass die Zeit auf ihrer Seite ist“, sagte der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski am Freitag laut Agentur TASS.

Die ukrainische Seite handle nicht unabhängig, behauptete Medinski. „Deshalb stimmt der aktuelle Stand der Dinge nicht optimistisch.“ Moskau wirft Kiew vor, auf Anweisung Washingtons zu handeln. „Es gibt keine Bewegung bei den grundsätzlichen Positionen, auf denen die russische Seite besteht“, sagte der Berater von Präsident Wladimir Putin.

Russland wolle einen umfassenden Vertrag schließen, der die „lebenswichtigen“ Forderungen Moskau einschließe. Dazu zählten unter anderem ein neutraler Status der Ukraine, die „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ des Landes sowie die Anerkennung der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisch und der ostukrainischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten.

Kuleba sagte, über vier vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan genannte Punkte sei keine Einigung erzielt werden. Medinski erklärte zudem nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen: „In zweitrangigen Punkten stimmen die Positionen überein. Aber in den politischen Hauptfragen kommen wir nicht voran“. Erdogan hatte zuvor gesagt, Russland und die Ukraine könnten sich in ihren Gesprächen bei vier von sechs diskutierten Hauptthemen einigen.


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