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Ex-Teamchef Foda fordert zum Abschied Vertrauen in den ÖFB

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Es waren einige herzliche Umarmungen dabei - vor allem für seine Spieler. Franco Foda hat sich am Dienstagabend mit der Überzeugung vom österreichischen Fußball-Nationalteam verabschiedet, in seinen viereinhalb Jahren als Teamchef vieles richtiggemacht zu haben. Seinem im nächsten Monat zu bestellenden Nachfolger wollte der Deutsche keine Tipps mit auf den Weg geben. Stattdessen betonte er sein Vertrauen in den ÖFB, bei der Teamchef-Suche die richtige Wahl zu treffen.

„Ich habe viel gelernt, auch menschlich“, sagte Foda nach dem 2:2 in seinem Abschiedsspiel gegen Schottland über seine Teamchef-Ära. „Es waren tolle viereinhalb Jahre.“ Dass sie zu Ende gehen, hatte er am Montag schon kurz vor dem Vertragsende mit 31. März verkündet. „Es war eine Entscheidung von mir, das war spontan“, betonte Foda. Die Trennung sei von Verbandsseite zu dem Zeitpunkt noch nicht beschlossene Sache gewesen. Gesprächsinhalte wollte Foda aber nicht öffentlich preisgeben.

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Bisher habe der ÖFB bei der Wahl seiner Teamchefs „immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Sie haben bei Marcel Koller die richtige Entscheidung getroffen, weil man sich das erste Mal für eine EM qualifiziert hat“, sagte Foda über seinen Vorgänger. „Sie haben auch bei Franco Foda richtig entschieden, weil er bei der EM war und das erste Mal im Achtelfinale. Er hat auch die Nations-League-Gruppe gewonnen. Wir haben es aber beide nicht zur WM geschafft, deswegen gibt es eine Neuausrichtung. So ist der Fußball.“

Mit der Nachfolger-Suche ist ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel betraut, der Foda 2017 als einen von letztlich drei Kandidaten dem Präsidium vorgeschlagen hatte. „Jetzt ist auch wichtig, dass man den ÖFB in Ruhe arbeiten lässt. Nicht dass jemand eine Bühne bekommt, um seinen Senf dazuzugeben“, sagte Foda in die Richtung diverser als TV-Experten tätiger Ex-Internationaler. Nach jener von Marc Janko stieß sich der 55-Jährige explizit an der Kritik von Florian Klein und Roman Mählich.

Klein habe möglicherweise versäumt, dass das ÖFB-Team unter ihm den drittbesten Punkteschnitt seiner Geschichte erreicht habe. „Das Allerschlimmste ist aber, dass ein Herr Klein einen Trainer, der einer der Kandidaten ist, kritisiert oder bewertet“, meinte Foda. „Mit welcher Berechtigung? Irgendwann ist es genug.“ Klein hatte sich in ServusTV skeptisch darüber geäußert, ob die defensive Spielweise, die Teamchef-Kandidat Peter Stöger praktiziere, zur aktuellen Mannschaft passe.

Tipps wollte Foda seinem Nachfolger, der spätestens bei der nächsten ÖFB-Präsidiumssitzung am 29. April feststehen soll, nicht mitgeben. „Das ist der Unterschied von einem Trainer, der schon etwas erreicht hat, gegenüber Roman Mählich, der weniger erreicht hat. Ich bin kein Ratgeber für meinen Nachfolger. Mein Nachfolger hat die Qualität, um eigene Entscheidungen zu treffen.“ Ob er, Foda, sich einen Job als TV-Experte vorstellen könne? „Auf jeden Fall wäre ich ein guter Experte, der nicht nur ein Spiel sieht, sondern auch liest. Und ich würde keine Trainer kritisieren.“

Kritik musste der frühere Sturm-Graz-Coach als Teamchef genug einstecken. „Mir geht es gut. Ich bin extrem stolz auf die Mannschaft, auch wenn wir uns nicht für die WM qualifizieren konnten“, betonte Foda zum Abschied. Die Kabinen-Ansprachen der Kicker vor und nach dem Schottland-Spiel hätten ihm gezeigt, „dass wir gemeinsam einiges erreicht haben, dass wir ein gutes Verhältnis zueinander hatten - auch wenn das von dem einen oder anderen Medium anders hineininterpretiert wurde“.

Um die Zukunft des Teams mache er sich keine Sorgen. Dabei hat es in seiner Ära kein Pflichtspiel gegen ein in der Weltrangliste besser klassiertes Team gewonnen hat. „Es sind viele junge Spieler, die werden sich weiterentwickeln“, meinte Foda. Die Gegner, mitunter auch größere, würden ihr Spiel gegen Österreich mittlerweile noch defensiver anlegen. „Da musst du Lösungen finden. Das ist so der nächste Step.“

Am besten bereits im Juni. Dann erlebt Fodas Nachfolger in der höchsten Liga der Nations League mit Partien in Kroatien (3. Juni in Osijek), gegen Dänemark und Weltmeister Frankreich (6. und 10. Juni jeweils in Wien) sowie in Kopenhagen gegen die Dänen (13. Juni) seine Feuertaufe. „Es sind Kleinigkeiten, die gegen Topnationen den Unterschied ausmachen“, weiß Foda. „Ich bin aber überzeugt, dass sie im Juni den einen oder anderen Punkt oder vielleicht sogar Sieg holen werden.“

Er werde weiterhin ein Fan des Nationalteams bleiben. „Ich werde auch in schlechten Zeiten nicht nörgeln oder alles besser wissen - im Gegenteil, ich werde immer unterstützen“, versprach Foda. Nun freue er sich aber auf Zeit mit seiner Familie, seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern. Über seine Zukunft will sich der Wahl-Grazer erst nach einem Urlaub mit Freunden Gedanken machen. Seine Trainerkarriere will Foda aber in jedem Fall fortsetzen.


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