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Ukraine meldet Erfolge gegen russische Angreifer

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Die Kämpfe in der Ukraine gehen ungeachtet der von Russland angekündigten militärischen Deeskalation mit unverminderter Härte weiter. Die Verteidiger melden dabei Erfolge: Mehrere Siedlungen im südukrainischen Gebiet Cherson seien sogar zurückerobert worden. Für die Früh kündigte Russland erneut eine Feuerpause im umkämpften Mariupol an. Außerdem sollen ukrainische Hubschrauber ein Öllager bei der russischen Stadt Belgorod in Brand gesetzt haben.

Ukrainische Truppen eroberten nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen elf Siedlungen im südukrainischen Gebiet Cherson zurück. Nach Angaben des Generalstabs in Kiew konnten russischen Einheiten nirgendwo Geländegewinne verzeichnen. Die östliche Großstadt Charkiw werde weiter beschossen, ein Durchbruchsversuch nahe Isjum sei aber gescheitert. Ein russischer Vorstoß im südlichen Gebiet Mykolajiw sei erfolglos gewesen.

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In der nordukrainischen Region Tschernihiw sollen sich russische Truppen nach Angaben von dessen Gouverneur zurückgezogen haben. Es seien allerdings immer noch einige russische Soldaten da, und auch Raketenangriffe seien weiter möglich. „Das schließt niemand aus“, hieß es in einer Videobotschaft. Auch in der Sperrzone um das Unglücks-AKW Tschernobyl befinden sich nach Angaben von ukrainischen Behörde immer noch einige russischen Soldaten. Der Chef der Behörde bestätigt im Fernsehen, dass die russischen Truppen die Anlage selbst verlassen hätten, im Umfeld seien aber noch Soldaten zu sehen gewesen.

Russland warf der Ukraine erstmals seit Kriegsbeginn Luftangriffe auf russisches Gebiet vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollen am Freitag von zwei Hubschraubern aus einen Luftschlag auf ein Öllager in Russland verübt haben. In dem Depot in der Großstadt Belgorod sei es nach dem Angriff zu einem Brand gekommen, teilte der Gouverneur des Gebiets, Wjatscheslaw Gladkow, im Nachrichtenkanal Telegram mit. Auf einem Video war auch ein großes Feuer zu sehen. Belgorod liegt unweit der ukrainischen Grenze. Bei der Explosion an dem Tanklager seien zwei Arbeiter verletzt worden, so Gladkow. Teile der Stadt seien evakuiert worden. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj räumte allerdings auch Probleme an anderen Fronten des Krieges ein. „Die Situation im Süden und im Donbass bleibt äußerst schwierig“, sagte der Staatschef. Er warnte vor Kämpfen, die in der östlichen Donbass-Region und der belagerten südlichen Hafenstadt Mariupol bevorstünden. Es gebe Versuche, eine Verwaltung in den besetzten Regionen der Gebietseinheiten (Oblast) Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson aufzubauen, so der Generalstab in der Nacht. Russland hatte mitgeteilt, das Gebiet Cherson vollständig erobert zu haben.

Laut dem britischen Verteidigungsministerium verlegte Russland unterdessen Truppenteile aus Georgien in die Ukraine. Damit wolle Russland offenbar seine Invasion in der Ukraine verstärken, hieß es. Dem Ministerium zufolge sei es unwahrscheinlich, dass Russland dies von vornherein so geplant habe. Der Schritt werde daher als Hinweis auf unerwartete Verluste Russlands bei dem Einmarsch gesehen.

In Mariupol soll es an diesem Freitag einen neuen Versuch geben, Menschen über einen humanitären Korridor in Sicherheit zu bringen. Um 09.00 Uhr MESZ begann nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums eine Feuerpause, die die Evakuierung von Einwohnern ermöglichen soll. Die Menschen sollten unter Beteiligung des Roten Kreuzes und des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen aus der Stadt herausgebracht werden, sagte Generalmajor Michail Misinzew.

Die Behörden in Mariupol teilten in der Früh mit, dass die Fluchtwege dort noch geschlossen seien. Lediglich in der nahe gelegenen und von russischen Truppen besetzten Stadt Berdjansk begann die Evakuierung von Menschen, die aus Mariupol dorthin geflüchtet waren. Sie bestiegen Busse für die Fahrt in das von ukrainischen Behörden kontrollierte Saporischschja. Wer ein Auto hat, sollte sich der Bus-Kolonne anschließen.

Der neuerliche Versuch für einen humanitären Korridor folge einem Appell vom deutschen Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an Präsident Wladimir Putin, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau weiter mit. Die Ukraine und Russland werfen sich immer wieder gegenseitig vor, humanitäre Korridore zu verhindern.

Unterdessen entspannte sich die Lage in Kiew nach Angaben des Stadtkommandanten etwas. Die Situation rund um die Hauptstadt verbessere sich, hieß es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Mitteilung von General Mykola Schyrnow. Die zivile Infrastruktur werde wiederhergestellt, dies betreffe Unternehmen wie auch Handels- und Dienstleistungseinrichtungen. In den Außenbezirken Kiews werde aber weiter gekämpft. Schyrnow rief die Bevölkerung zur Vorsicht auf. Luftalarmsignale sollten weiter beachtet werden.

Derweil entzog Selenskyj zwei Generälen ihren Titel - dem früheren Chef des Geheimdiensts SBU, Andrij Naumow, sowie dem Ex-SBU-Chef für das Gebiet Cherson, Serhij Kryworutschko. „Jetzt habe ich keine Zeit, mich um all die Verräter zu kümmern. Aber nach und nach werden sie alle bestraft“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Nähere Angaben machte er nicht. Naumow war bereits im vorigen Sommer als Geheimdienstchef abgesetzt worden und hat sich angeblich vor Kriegsbeginn ins Ausland abgesetzt. Er soll Medien zufolge in Schmuggel und Korruption beim Zoll verwickelt sein.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin geht angeblich gegen eigene Leute vor. Nach Einschätzung der US-Regierung entband er im Ukraine-Krieg womöglich einige seiner Berater von ihren Aufgaben und isoliert sich selbst. „Es gibt Anzeichen dafür, dass er einige seiner Berater entlassen oder unter Hausarrest gestellt hat“, sagte US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus.

EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola brach inzwischen zu einer Reise in die Hauptstadt auf. „Auf dem Weg nach Kiew“, schrieb die Christdemokratin am späten Donnerstagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. Bereits Mitte März waren die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien mit einem Zug nach Kiew gereist, um sich mit Selenskyj zu treffen.


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