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Westliche Aussagen über Butscha laut Moskau Lügen

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Laut einem russischen Vertreter bei den Vereinten Nationen sind die westlichen Aussagen über die Gräueltaten in Butscha Lügen. Moskau werde dem UNO-Sicherheitsrat „empirische Beweise“ vorlegen, die das bestätigen sollen. Russlands UNO-Botschafter Wassili Nebensja hat die Gräueltaten an Bewohnern der ukrainischen Stadt Butscha als „inszenierte Provokation“ bezeichnet.

Es handle sich dabei um eine „abscheuliche Provokation des Regimes in Kiew“, sagte Nebensja am Montag bei einer Pressekonferenz in New York. Das russische Militär habe das, wofür es beschuldigt werde, nicht getan, es habe keine Gräueltaten gegen Zivilisten in der Ukraine begangen. „Das ist nicht der Fall, das war nicht der Fall, und das wird nie der Fall sein“, sagte er.

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Für all das habe Russland Beweise, die es sobald wie möglich dem UNO-Sicherheitsrat vorlegen werde, sagte Nebensja weiter. Russland hatte bereits für Montag eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats beantragt. Die derzeitige britische Präsidentschaft des Rates beließ es aber bei der bereits angesetzten Sitzung am Dienstag, was Nebensja scharf kritisierte.

Zuvor waren am Montagabend in einem Keller der Stadt der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft zufolge die Leichen von fünf gefolterten Männern entdeckt worden. Es handle sich um „unbewaffnete Zivilisten“, die von russischen Soldaten getötet worden seien. Sie seien mit gefesselten Händen im Keller eines Kindersanatoriums in dem Kiewer Vorort gefunden worden. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden, teilte die Behörde im Onlinedienst Telegram mit.

Dazu veröffentlichte die Behörde Fotos. Die Ukraine beschuldigt die russische Armee, in Butscha ein „Massaker“ an Zivilisten verübt zu haben. AFP-Reporter sahen am Wochenende auf einer Straße des Ortes mindestens 22 Leichen in ziviler Kleidung. Butscha war ab dem 27. Februar von der russischen Armee besetzt worden und blieb daraufhin über einen Monat lang weitgehend unzugänglich. Die Aufnahmen und Berichte aus dem Ort lösten weltweit Entsetzen aus.

Die Ukraine zählte im Gebiet rund um die Hauptstadt Kiew mehr als 400 tote Zivilisten und macht dafür die vor kurzem abgezogenen russischen Truppen verantwortlich. Moskau bestreitet das und spricht von einer „Fälschung“.

Nach Worten des ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba sind die Gräueltaten von Butscha nur „die Spitze des Eisbergs“ der von Russland begangenen Verbrechen. Daher seien härtere Sanktionen gegen Russland nötig, betonte Kuleba bei einer Pressekonferenz mit der britischen Außenministerin Liz Truss am Abend. „Sollte es Bedenken geben, schauen Sie sich Butscha an.“

Kuleba hat alle Kollegen, die an der Wirkung neuer Sanktionen gegen Russland zweifelten, zu einem Besuch des Kiewer Vororts Butscha eingeladen. Die Einladung gelte vor allem für einige nicht genannte Angehörige der Gruppe G7. „Ich weiß, dass es einige Mitglieder der G7 gibt, die immer noch am Sinn weiterer Sanktionen gegen Russland zweifeln“, wurde Kuleba von der Agentur „Unian“ zitiert. „Daher lade ich diese Kollegen ein, noch vor ihrem Ministertreffen am Donnerstag Butscha zu besuchen, um jegliche Zweifel zu zerstreuen.“ Neben den Außenministern seien auch andere Mitglieder ihrer jeweiligen Regierungen willkommen. „Halbe Maßnahmen reichen nicht mehr aus“, sagte Kuleba und bekräftigte seine Forderung nach „strengsten Sanktionen“ gegen Moskau. Zur G7 gehören Deutschland, Großbritannien, Kanada, die USA sowie Japan, Italien und Frankreich.

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 7.000 Meldungen über russische Kriegsverbrechen in der Region um Kiew registriert. Die meisten Opfer habe es in Borodjanka gegeben, erklärte Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa der Agentur „Unian“ zufolge am Montagabend. „Ich denke, wir werden gesondert über Borodjanka sprechen“, sagte sie demnach. Die Generalstaatsanwaltschaft arbeitet den Angaben nach bereits an der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen in Irpin, Butscha und Worsel.

Bei der russischen Bombardierung der südlichen Stadt Mykolajiw wurden nach ukrainischen Angaben Montagfrüh mindestens zehn Zivilisten getötet. 46 Menschen seien verletzt worden, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Oleksander Senkewitsch, in einer Videobotschaft. Die Zahl der Opfer könne noch steigen, warnte der Bürgermeister.

Mykolajiw liegt an der Straße zur größten ukrainischen Hafenstadt Odessa. Mykolajiw steht seit Wochen unter russischem Beschuss, konnte sich aber bis heute halten. Vor der russischen Invasion der Ukraine hatte Mykolajiw rund 475.000 Einwohner.

Nach ukrainischen Angaben bereiten die Russen einen „massiven Angriff“ auf die Truppen in der östlichen Region Luhansk vor. Es werde Ausrüstung und Treibstoff gebracht sowie die Truppen verstärkt, teilte der Gouverneur der Region, Serhij Gaidaj, mit. „Wir glauben, dass sie sich auf einen massiven Angriff vorbereiten.“

„Die Bombardements werden immer dichter“, meinte Gaigaj per Video. Er forderte die Bewohner auf, die Region so schnell wie möglich zu verlassen. „Wartet nicht darauf, dass eure Häuser zerbombt werden“, rief er die Menschen auf. Bei der Explosion einer Mine seien am Sonntag „zwei Freiwillige“ getötet worden, erzählte er weiter. Beim Angriff auf eine Kirche wurden demnach zwei Priester verletzt.

Die ukrainischen Behörden gehen davon aus, dass sich die russischen Streitkräfte aus Gebieten im Norden der Ukraine, insbesondere um Kiew, zurückgezogen haben, um sich auf den Osten und Süden des Landes zu konzentrieren. Russland hatte seinerseits kürzlich angekündigt, dass es seine Offensive auf den Donbass konzentrieren werde, wo sich die Region Luhansk befindet.


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