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Bilderbuch feiern auf „Gelb ist das Feld“ die Liebe

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Die Rose auf dem Cover ist schon mal ein guter Hinweis: Bei Bilderbuch dreht sich diesmal alles um die Liebe. Vielleicht gar kein so schlechtes Rezept in düsteren Zeiten. Auf ihrem siebenten Album „Gelb ist das Feld“, das morgen digital und Ende April auch physisch erscheint, zeigt sich die österreichische Erfolgsband jedenfalls äußerst spielfreudig, und das im ganz klassischen Sinn. Shoegaze, Classic Rock, Indiepop - alles findet Platz.

15 Lieder in etwas mehr als eine Stunde: Es ist üppig ausgefallen, was sich das Quartett Maurice Ernst (Gesang), Peter Horazdovsky (Bass), Michael Krammer (Gitarre) und Philipp Scheibl (Schlagzeug) diesmal ausgedacht haben. Etwas mehr als drei Jahre nach dem doch recht experimentellen Doppelschlag „mea culpa“ und „Vernissage My Heart“ scheint es allen voran der traditionelle Bandgedanke zu sein, der Bilderbuch antreibt. Spielen, spielen, spielen, als ob es kein Morgen gäbe.

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Schon der Opener „Bergauf“, der erst nach sechs Minuten ins Ziel findet, unterstreicht das - mit locker-flockigen Gitarren, viel Luft zum Atmen und einigen fein gesetzten Synthie-Akzenten, die für die richtige Atmosphäre sorgen. Inhaltlich wird die Liebe zwar zunächst als „just fiction“ vorgestellt, aber Ernst ist letztlich doch ein Gläubiger: „We must believe!“

Und das befolgen Bilderbuch dann auch zur Genüge. Schon die im Vorjahr als Appetizer ausgekoppelten Songs „Nahuel Huapi“ und „Daydrinking“ stellten auf den zwischenmenschlichen Schwerpunkt ein, nun gibt es auch noch „Dates“ im Übermaß, denen ein softrockiges 80er-Kleid umgeworfen wird. Oder „Klima“, das aufs Land entführt, wo die Gitarren schmeicheln, wenn einer Lady mit ihrem Boy so heiß wird - und umgekehrt natürlich auch.

All das gipfelt schließlich in „Baby, dass du es weißt“: „Lege mich in dich rein, ich bin für dich bereit.“ Klare Sache, oder? In „Blütenstaub“ wartet Ernst, der seine bestens erprobte Mischung aus deutschen und englischen Texten fortführt, auch noch mit einer eindeutigen Zugmetapher auf. Man muss aber auch festhalten: Wenn so was jemand darf, dann er.

Es ist ein beständiger Flow, den „Gelb ist das Feld“ entwickelt. Kaum einmal gibt es Ausbrüche in schnellere Gefilde oder gar den so gut funktionierenden Funk der „Schick Schock“-Tage. Stattdessen wickeln Bilderbuch die Hörerschaft lieber ein mit einem Sound, der die ganze Welt umarmt. Immer, wenn etwas mehr Groove und Rhythmus reinkommt, vor allem aber Krammer seine Gitarre ordentlich bearbeiten darf wie in „I‘m Not Gonna Lie“, hat das mehr Reiz. Es geht nach vorn, darf genickt, ja gleich getanzt werden. Und oben drauf gibt es eine nicht zu leugnende Weisheit: „Diese Welt ist in a change.“

Der Hit, den Bilderbuch bisher stets mitgeliefert haben, er fehlt diesmal. Am ehesten könnte man noch „Schwarzes Karma“ in jene Schublade stecken, in der es sich bereits „Maschin“, „Bungalow“ oder „Frisbeee“ gemütlich gemacht haben. Andererseits: Es war wohl nicht das Ziel, einzelne Lieder aus dem großen Ganzen herauszureißen. Insofern fällt „Gelb ist das Feld“ angenehm aus der Zeit, ist ein Album geworden, das eher am Stück denn stückweise genossen werden will.

Es sind die leichten Sounds der Liebe, die Bilderbuch darauf servieren, und sie machen es in der für sie typischen Art - ohne sich an gängigen Trends zu orientieren und in sie gesetzte Erwartungen konsequent unterwandernd. Das Ergebnis ist zwar gewöhnungsbedürftig und fällt auf den ersten Höreindruck im bisherigen Schaffen etwas ab, aber eine wirkliche Beurteilung ist wohl erst mit etwas Distanz möglich. Es muss ja nicht Liebe auf den ersten Blick sein, um einem doch noch ans Herz zu wachsen.

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