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Gouverneur: Erneut zahlreiche Angriffe auf Großstadt Charkiw

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Die ostukrainische Großstadt Charkiw bleibt weiter Ziel heftiger russischer Attacken. Innerhalb eines Tages hätten die russischen Truppen die zweitgrößte Stadt des Landes 48 Mal mit Raketenwerfern, Artillerie und Mörsern beschossen, schrieb der Gouverneur des Gebiets, Oleh Synjehubow, am Donnerstag früh im Nachrichtenkanal Telegram. Prorussischen Separatisten behaupteten unterdessen, das Zentrum der Stadt Mariupol eingenommen zu haben. Die ukrainische Seite dementierte das.

In der Stadt Balaklija seien durch russischen Beschuss drei Menschen getötet und mehrere Gebäude zerstört worden. Auch die Stadt Losowa sei Ziel von Angriffen gewesen. Von dort und aus Balaklija seien zuletzt 15.000 Zivilisten evakuiert worden, schrieb Synjehubow.

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Die russischen Streitkräfte hatten angekündigt, ihre Angriffe auf die Ostukraine und dort auf die „Befreiung“ der Gebiete Donezk und Luhansk zu konzentrieren, die von den moskautreuen Separatisten beansprucht werden. Präsidentenberater Olexeij Arestowytsch sagte am Donnerstag, die heftigsten Kämpfe gebe es im Südwesten des Gebiets Luhansk um die Städte Rubischne, Popasna und Sjewjerodonezk.

Der Feind versuche zudem, von Isjum aus Richtung Slowjansk und Kramatorsk vorzustoßen sowie von Wuhledar nach Marjinka im Gebiet Donezk. „Dies ist ein Versuch, unsere Soldaten einzukreisen, aber ich glaube, dieser Versuch wird vergebens sein. Das Gelände ist zu ungünstig für den Feind“, sagte Arestowytsch.

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Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine erlangen unterdessen laut eigenen Angaben mithilfe russischer Truppen die Kontrolle über das Zentrum von Mariupol. „Man kann sagen, dass im zentralen Teil der Stadt die Hauptkämpfe beendet sind“, sagte der Sprecher der prorussischen Kräfte im Gebiet Donezk, Eduard Bassurin, am Donnerstag im russischen Staats-TV. Die ukrainische Seite bestätigte diese Darstellung nicht. „Mariupol hält sich“, so Präsidentenberater Olexeij Arestowytsch.

Nun werde vor allem im Hafen der Metropole am Aswoschen Meer sowie am Stahlwerk Asow-Stahl gekämpft, sagte Bassurin. Seinen Angaben zufolge sollen sich in der von russischen Truppen belagerten Stadt noch rund 3.000 ukrainische Soldaten aufhalten. Das ließ sich zunächst nicht überprüfen. Bassurin behauptete zudem, die ukrainischen Kämpfer hätten Unterstützer in der Zivilbevölkerung.

Nach ukrainischen Angaben konzentrieren sich die russischen Luftangriffe inzwischen auf Gebiete im Osten des Landes. Russische Truppen versuchten zudem, ukrainische Einheiten in der Region einzukreisen, sagt Präsidentenberater Arestowytsch im Landesfernsehen. Die Lage sei aber unter Kontrolle. Die umkämpfte Stadt Mariupol halte stand und er glaube, dass Russland sich vergeblich bemühen werde, die ukrainischen Soldaten einzukesseln.

In Mariupol, das vor dem Krieg rund 440.000 Einwohner zählte, ist die humanitäre Lage seit Wochen katastrophal. Die geflüchtete Stadtverwaltung geht davon aus, dass bereits Zehntausende Zivilisten getötet worden sind.

Die ukrainische Regierung rief Zivilisten erneut zum Verlassen der besonders umkämpften Gebiete im Osten des Landes auf und kündigte aktuelle Fluchtrouten an. Am Donnerstag gebe es insgesamt zehn sogenannte genannte Fluchtkorridore, teilte die stellvertretende Regierungschefin Iryna Wereschtschuk auf ihrer Facebook-Seite mit. Die besonders schwer unter russischem Beschuss stehende Stadt Mariupol sollen Bürger in privaten Autos in Richtung Saporischschja verlassen können. Aus den Städten Berdjansk, Tokmak und Melitopol sollen zudem Busse nach Saporischschja fahren.

Weiter nördlich sollen zudem weitere fünf Fluchtrouten aus dem schwer umkämpften Luhansker Gebiet in die Stadt Bachmut führen. Die Routen werden jeden Tag neu angekündigt. Dabei werfen Russland und die Ukraine einander vor, die Evakuierung der Zivilbevölkerung zu sabotieren. Russland hatte zuletzt angekündigt, die Kampfhandlungen auf den Osten der Ukraine zu konzentrieren.

Der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj berichtete unterdessen von großen Zerstörungen in der Kleinstadt Borodjanka bei Kiew. „Derzeit ist die Stadt Borodjanka eine der am stärksten zerstörten Städte in der Region Kiew“, sagte Monastyrskyj, wie ukrainische Medien am Donnerstag früh berichteten.

Bewohner von Borodjanka hätten erzählt, dass russische Truppen in den ersten Kriegstagen aus geringer Höhe mit Flugzeugen Raketen auf ihre Häuser abgeworfen hätten, sagte Innenminister Monastyrskyj. Anschließend seien auch Rettungskräfte beschossen worden und hätten deshalb vorerst ihre Arbeit einstellen müssen. Diese Angaben ließen sich zunächst nicht überprüfen.

Menschen, die damals unter den Trümmern verschüttet worden seien, könnten mittlerweile nicht mehr am Leben sein, sagte Monastyrskyj. Am Mittwoch hatte der ukrainische Zivilschutz mitgeteilt, dass in Borodjanka mit der Suche nach zivilen Todesopfern begonnen wurde. Zuvor sei die 35 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt gelegene Siedlung von Minen geräumt worden, hieß es.

Angaben der ukrainische Generalstaatsanwaltschaft zufolge soll es in Borodjanka die meisten Opfer in der Region Kiew geben. Bisher haben die Behörden aber noch keine Zahlen für diesen Ort genannt.

Ljudmyla Denissowa, die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, berichtete unterdessen unter Berufung auf Zeugenaussagen, dass die russischen Truppen über „mobile Verbrennungsöfen“ und „Zerkleinerungsgeräte“ verfügten, um die Leichen zu beseitigen. Sie veröffentlichte bei Telegram ein Foto, das eine solche Verbrennungsanlage auf einem Sattelschlepper zeigen soll. Von unabhängiger Seite ließ sich die Authentizität des Bildes nicht bestätigen.


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