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Weltpremiere von Goigingers „Märzengrund“ in Graz gefeiert

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Ein junger Tiroler, der sich in der Welt des heimatlichen Bauernhofes so fremd fühlt, dass er lieber sein Leben allein in einer Berghütte verbringt: Adrian Goiginger geht in „Märzengrund“ anhand dieser Geschichte der Frage nach, was tatsächlich im Leben zählt. Der Regie-Shootingstar zeigt in seinem Film, der am Freitag bei der Diagonale Weltpremiere feierte, keine rustikale Romantik, sondern die harte Lebenswirklichkeit, die aus der Entscheidung für die Einsamkeit resultiert.

Für das Nachfolgeprojekt seines Sensationserfolgs „Die beste aller Welten“ (2017) hat sich der 31-Jährige das gleichnamige Stück von Felix Mitterer, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, als Vorlage genommen. In gewohnt schonungsloser Manier schildert Mitterer keine „Zurück zur Natur“-Idylle, sondern einen schmerzhaften Weg zur Selbstfindung, die ein Leben lang nicht aufhört. Die - wahre - Geschichte beginnt 1967 und zeigt den jungen Elias, der wenig Begeisterung aufbringt, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und den Bauernhof zu übernehmen. Er lehnt nicht die Arbeit ab, aber die Art und Weise, wie er sie ausüben soll. Als er zusehen muss, wie sein Vater einem spielsüchtigen Nachbarn um einen Spottpreis den Hof abnimmt, leidet er Qualen. Die Bücher, die ihm die Mutter mitbringt, begeistern ihn dagegen sehr. Goiginger lässt seinen Protagonisten wenig sprechen, arbeitet mit stummen Großaufnahmen des Gesichts, um dessen Isolation zu zeigen.

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Eine Frau - älter und geschieden - bringt die Wende. „Ich fühl mich wie ein Fremder“, sagt Elias. „Vielleicht sind wir ja fremd da“, kommt die Antwort, gefolgt von einer langen Stille. Die Wortkargheit der beiden gipfelt in einer Unterwasserszene, bei der Reden nicht einmal mehr möglich ist. Die Eltern schicken den Burschen auf die Alm, und dort, am Märzengrund, findet er seine Ruhe. „Ich hab endlich meinen Platz in der Gesellschaft gefunden“ befindet Elias paradoxerweise in dem Moment, als er sich aus der Gesellschaft zurückzieht.

Als er sich endgültig entschließt, in seiner Berghütte zu leben, nimmt er auf dem Weg dorthin ein Bad in einem kleinen See - und entsteigt dem eiskalten Wasser als um 40 Jahre älterer Mann. Ein Bild, das gleichzeitig Taufe, Neubeginn aber auch Härte zu sich selbst suggeriert. Diese Härte wird für die nächsten Jahrzehnte bestimmend, denn der Preis der Freiheit ist die Einsamkeit, manchmal gepaart mit Verzweiflung. Ein kurzer Ausflug in die Zivilisation aufgrund einer Krankheit macht dem Mann klar, wohin er gehört: „Aufi, aufi, bis i ganz frei bin“.

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Die langen, ruhigen Landschaftsaufnahmen erzeugen eine Klarheit, die den Fokus ganz auf dem inneren Konflikt des Mannes belässt. Wenn er zuletzt in lichten Höhen in die gleißende Sonne geht anstatt die Behandlung im Krankenhaus fortzusetzen, scheint auch die Möglichkeit eines selbstbestimmten Todes angedeutet zu sein.

Jakob Mader als junger und Johannes Krisch als älterer Elias überzeugen beide durch fast wortlose Intensität, Gerti Drassl ist die besorgte, aber nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten verständnisvolle Mutter. Verena Altenberger als Schwester, die Lehrerin werden soll, besticht durch ihre Klarheit, mit der sie das Leben der Eltern ablehnt, ohne einen so radikalen Schnitt zu setzten wie ihr Bruder - und setzt damit die überzeugende Kooperation mit Goiginger fort, die beide mit „Die beste aller Welten“ begonnen hatten.

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