Piloten der Unglücksmaschine von Smolensk wollten offenbar abdrehen

Den misslungenen Versuch, die Landung abzubrechen, sollen laut „Gazeta Wyborcza“ die Auswertung der Flugschreiber und registrierte Bewegungen des Volants beweisen.

Warschau – Die Piloten der im April des Vorjahres bei Smolensk abgestürzten polnischen Regierungsmaschine haben nach Angaben polnischer Ermittler versucht, den Landeversuch des Flugzeugs noch abzubrechen.

Das schreibt die polnische Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ am Montag. Im russischen Untersuchungsbericht zu dem Unglück heiße es hingegen, die Piloten hätten „um jeden Preis“ landen wollen.

Den misslungenen Versuch, die Landung abzubrechen, sollen laut „Gazeta Wyborcza“ die Auswertung der Flugschreiber (Blackboxen) und registrierte Bewegungen des Volants beweisen.

Die Informationen wurden der Zeitung vom Vizechef der polnischen Untersuchungskommission, Miroslaw Grochowski, bestätigt. Die Piloten hätten es jedoch nicht geschafft, das Manöver durchzuführen, hieß es. Warum, soll die polnische Kommission nun klären.

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Die Kommission will einen Testflug mit der einzigen verbliebenen polnischen Tupolew 154M durchführen. In sicherer Höhe sollen alle von den Blackboxen registrierten Schritte der Besatzung der verunglückten Regierungsmaschine nachgestellt werden.

Vor der Veröffentlichung des Abschlussberichts aus Russland bot Polen der russischen Seite die Ergebnisse der von polnischen Spezialisten durchgeführten Untersuchungen der Aufnahmen aus dem Cockpit an.

Das russische „Zwischenstaatliche Luftfahrt-Komitee MAK“ zog diese jedoch nicht in Betracht. Die russische Kommission nannte die Fortsetzung der Landung trotz extrem schwieriger Wetterbedingungen als eine der Ursachen der Katastrophe.

Das russische „Zwischenstaatliche Luftfahrt-Komitee MAK“ hatte am Mittwoch seinen Abschlussbericht zum Flugzeugabsturz am 10. April 2010 vorgelegt. Der Bericht sieht die Verantwortung für das Unglück allein auf polnischer Seite - insbesondere bei den Piloten, die trotz dichten Nebels einen Landeversuch unternommen hatten.

Eine von polnischer Seite vermutete Mitverantwortung der Fluglotsen am Flughafen in Smolensk schließt der Bericht aus. Bei dem Unglück waren alle 96 Passagiere, darunter der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski, gestorben.

Unterdessen ist nach der Veröffentlichung des russischen Berichts die Unterstützung für die rechtsliberale Regierungspartei „Bürgerplattform“ (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk um zwei Prozentpunkte auf 35,6 Prozent gesunken. Das geht aus einer Umfrage des Instituts „Homo Homini“ für den Polnischen Rundfunk hervor.

Zugleich stieg die Unterstützung für die rechtskonservative Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), die den Umgang der Regierung mit der Katastrophe von Smolensk scharf kritisiert, um zwei Prozentpunkte auf 26 Prozent. (APA)


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