Digitales Kunsterlebnis: Institutionen entdecken Apps
Auch die heimische Kunst- und Kulturlandschaft ist vom Erfolgslauf der Apps nicht unberührt geblieben, so gibt es seit vergangenem Jahr Mini-Programme u.a. vom Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (MUMOK) oder dem Kunsthistorischen Museum (KHM) im Apple-eigenen Downloadstore zu beziehen.
Wien – Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) macht es, ebenso die Londoner Tate Gallery oder die bayerische Staatsbibliothek. Diese Kulturinstitutionen bieten eigene Applikationen für Smartphones an. Aber auch die heimische Kunst- und Kulturlandschaft ist vom Erfolgslauf der Apps nicht unberührt geblieben, so gibt es seit vergangenem Jahr Mini-Programme u.a. vom Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (MUMOK) oder dem Kunsthistorischen Museum (KHM) im Apple-eigenen Downloadstore zu beziehen. Bis weitere Häuser folgen, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein.
Die potenzielle Zielgruppe der Apps ist nämlich nicht zu vernachlässigen, verwenden doch einer im November 2010 veröffentlichten Studie zum Handynutzungsverhalten zufolge immerhin rund ein Drittel der Österreicher ein Smartphone. Während die Staatsbibliothek in München mit 52 wertvollen Handschriften und Drucken - darunter Gutenbergs Bibel - online gegangen ist, sind die Serviceangebote der Museums-Apps doch recht ähnlich ausgestattet, wenn man heimische Anwendungen mit internationalen vergleicht: Allen voran gibt es Informationen zu aktuellen Ausstellungen, Porträts der einzelnen Künstler und Grundlegendes wie Öffnungszeiten oder Eintrittspreise.
Technologie wird mit Kunst verbunden
Die kostenlose Applikation des MUMOK stellt neben Bildern der ausgestellten Werke, Programminformationen zu anstehenden Events sowie weiterführenden Texten oder Interviews mit Künstlern und Kuratoren alle 90 Tage eine spezielle Tour durch die Höhepunkte der jeweils aktuellen Ausstellung vor. Der Menüpunkt „Experience Art“ präsentiert darüber hinaus Kunstwerke unterschiedlichster Form, die extra für die App angefertigt wurden. Derzeit ist dies die vom Wiener Komponisten- und DJ-Duo Umberto Gollini und Peter Wolfgruber erstellte Soundinstallation „Stoned Tones“, mit der man die Fassadenplatten des MUMOK zum Erklingen bringen kann. Die neue MUMOK-Direktorin, Karola Kraus, zeigte sich in einer Aussendung erfreut, „dass unsere App die Kunst spartenübergreifend in den Mittelpunkt stellt und somit neue Technologien und Kunst verbindet“.
Während das MUMOK seinen Besuchern den Weg zum Rundgang begleitenden App-Genuss leicht macht - gibt es doch gleich auf der Startseite des Internetauftritts des Museums einen entsprechenden Link zum iTunes-Store von Apple -, muss man im Falle des KHM schon etwas aktiver an die Suche herangehen. Auf der Webseite selbst wird die App in keiner Weise erwähnt. Die ebenfalls kostenfreie Applikation des KHM gibt es dennoch und wurde von dem Schweizer Unternehmen „Webgearing AG“ entwickelt. Per iPhone, iPad oder iPod können damit alle sieben Institutionen des Verbands des KHM durchstöbert werden, inklusive „faszinierender 3D-Darstellung“ der geistlichen Schatzkammer, wie es in der Beschreibung des Programms heißt.
Videoführungen und Audiodateien
Die Kunsthalle in Wien ist zwar nicht im klassischen Webstore von Apple zu finden, dafür aber bei iTunes U, der kostenfreien Bildungsschiene von Apple. Seit Mai 2010 stehen dort Video-Führungen und Audiodateien zu Ausstellungen, Gespräche mit Künstlern und Kuratoren, Lectures und Pressekonferenzen zum Download bereit. Begleitet wird das Angebot durch den Menüpunkt „Mediazone“ auf der Homepage der Kunsthalle, wo dieselben Infos verfügbar sind. Und auch für Freunde des heimischen Theaters könnte das Handy künftig zum unverzichtbaren Begleiter werden, bietet doch etwa das Wiener Burgtheater eine Übersicht des aktuellen Spielplans für das iPhone an.
Online-Tickets mittlerweile „State of the Art“
Neben dieser Auswahl an Smartphone-Anwendungen heimischer Häuser gibt es natürlich noch die schon bisher etablierten Angebote auf den Webseiten der einzelnen Institutionen. Wie ein Blick auf die Internetauftritte von Albertina, Belvedere, Leopold Museum und Co. zeigt, gehören Angebote wie Podcasts, virtuelle Rundgänge durch die Sammlungen sowie Zugang zu digitalen Datenbanken und Online-Tickets mittlerweile zum „State of the Art“ und sind beinahe flächendecken bei allen größeren Häusern vorzufinden. Vor allem Audio-Guides, etwa vom Schloss Schönbrunn mit Beschreibungen der einzelnen Zimmer und Säle, oder begleitend zu aktuellen Schauen des Bank Austria Kunstforum, sind sehr präsent, können als mp3-Files downgeloadet und sofort mit einem tragbaren Abspielgerät synchronisiert werden.
Wer nun angesichts der Vielzahl dieser Möglichkeiten die Orientierung in der heimische Kulturlandschaft zu verlieren droht, kann sich - wie sollte es anders sein - mit Apps weiterhelfen. „SIMs Kultur Kiosk“ für iPad sowie „eSeL.at“ für Smartphones bieten einen Überblick des Kunstgeschehens in Österreich respektive Wien. „eSeL.at“ wurde im vergangenen Jahr im Rahmen der „A1 Innovations Challenge 2010“ auf Platz zwei von insgesamt zehn Anwendungen für Mobile Devices gewählt und mit 20.000 Euro prämiert. Einen „iArtGuide“ bietet „artmagazine.cc“ über iTunes an: Neben Informationen zu Galerien und Museen in Wien ist hier ein „iFashionGuide“ integriert, der durch die „junge Wiener Modeszene“ führt. Insgesamt sind im Online-Store von Apple derzeit mehr als 300.000 verschiedene Applikationen zu durchstöbern, knapp unter zehn Milliarden der Mini-Programme wurden bereits heruntergeladen. Für den zehnmilliardsten Download ist ein iTunes-Shop-Gutschein über 10.000 Dollar ausgelobt.