Libyens Konfliktparteien wollen in Moskau über Feuerpause sprechen

Vertreter der Konfliktparteien in Libyen reisten nach Moskau. Dort soll eine Lösung für das Bürgerkriegsland gefunden werden.

Ein Soldat der international anerkannten Regierung in Tripolis.
© AFP/Turkia

Moskau/Tripolis – Vertreter der libyschen Konfliktparteien sind zu Verhandlungen über eine Friedenslösung für das Bürgerkriegsland im Norden Afrikas in die russische Hauptstadt gereist. Das bestätigte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Montag auf Facebook. Die Delegationen seien bereits eingetroffen und würden bald an den Verhandlungen teilnehmen, schrieb sie.

Von russischer Seite nehmen Außenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu an den Gesprächen teil. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu war einem Tweet zufolge schon in der Nacht in Moskau eingetroffen. "In Moskau, um Rahmen unserer Bemühungen, Frieden und Stabilität in Libyen zu sichern", schrieb er zu einem Foto von einem nächtlichen Empfang am Flughafen. Auch Verteidigungsminister Hulusi Akar und Geheimdienstchef Hakan Fidan waren offiziellen Angaben zufolge in Moskau.

Die beiden Konfliktparteien sollen Medienberichten zufolge ein bereits in Kraft getretenes Abkommen über eine Waffenruhe unterzeichnen. Dies solle den Weg für die Wiederbelebung des politischen Prozesses ebnen, meldete die russische Agentur Tass. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete etwas zurückhaltender, dass über "die Möglichkeit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens und die Details eines solchen Dokuments" gesprochen werde. Ob es dabei auch zu einem direkten Treffen zwischen den beiden Konfliktparteien - Ministerpräsident Fayez al-Sarraj und General Khalifa Haftar komme, sei noch unklar, zitierte die Agentur den Leiter der russischen Libyen-Kontaktgruppe, Lew Dengow. Laut Interfax bestätigte das Moskauer Außenministerium, dass ein Treffen geplant sei.

Sarraj appellierte in einer Fernsehansprache an die Libyer, "einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen" und die "Zwietracht" zu beenden. Das Land solle die Reihen schließen, um "Stabilität und Frieden" zu erreichen.

Libyen
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In der Nacht auf Sonntag hatte Haftar überraschend einer von der Türkei und Russland vorgeschlagenen Waffenruhe zugestimmt und damit vorsichtige Hoffnungen auf ein Ende der monatelangen Gefechte aufkommen lassen. Beide Konfliktparteien warfen sich allerdings umgehend Verstöße vor.

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, hatten die Waffenruhe am Mittwoch nach einem Treffen in Istanbul gefordert. Die Türkei unterstützt die Regierung von Ministerpräsident Sarraj und hatte trotz internationaler Kritik beschlossen, eigene Soldaten in das nordafrikanische Land zu schicken. Russland unterstützt dagegen - wie Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabische Emirate (VAE) - General Haftar, der eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet hat.

In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. (APA/dpa/Reuters/AFP)


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