Iran weist Vertuschungsvorwürfe zu Flugzeug-Abschuss zurück

Tausende Menschen gingen in Teheran auf die Straße, um der 176 Opfer des Flugzeugabschusses zu gedenken und um zu demonstrieren. In Edmonton und Toronto fanden Trauerzeremonien statt. Die iranische Führung dementiert indes, den Abschuss zunächst vertuscht zu haben.

Am Sonntag und Montag protestierten unzählige Iraner gegen die Führung in Teheran.
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Teheran, Toronto – Die Führung in Teheran hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach sie den Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs vor knapp einer Woche vertuschen wollte.

"In diesen betrüblichen Tagen wurde viel Kritik an Verantwortlichen und Autoritäten unseres Landes laut", sagte der Regierungssprecher Ali Rabiei am Montag im Staatsfernsehen. "Einige Verantwortliche wurden sogar der Lüge und Vertuschung bezichtigt – dies war jedoch, in aller Ehrlichkeit, nicht der Fall", fügte er hinzu.

Die ukrainische Passagiermaschine war am vergangenen Mittwoch kurz nach dem Start am Flughafen von Teheran abgestürzt. Nach tagelangen Dementis räumte der Iran am Samstag schließlich ein, die Maschine irrtümlich abgeschossen zu haben. In der Folge wurden international sowie im Iran selbst Vorwürfe laut, Teheran habe versucht, den Vorfall zu vertuschen.

Proteste gegen Regierung in Teheran

Am Wochenende gingen in Teheran laut lokalen Agenturen Tausende Menschen auf die Straße, um der 176 Opfer des Flugzeugabschusses zu gedenken. Die Mahnwache mündete in einen wütenden Protest, in dem die Demonstranten auch den Rücktritt der für den Abschuss und die tagelange Leugnung Verantwortlichen forderten.

In Videos, die im Internet verbreitet wurden, war ein scharfes Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten zu sehen. Schüsse in unmittelbarer Nähe von Kundgebungen waren zu hören. Zudem werden Blutlachen gezeigt. Zu sehen sind auch bewaffnete Männer, die offenbar Sicherheitskräften angehören. In einigen Videos schlagen Einsatzkräfte mit Schlagstöcken auf Demonstranten ein. Menschen rufen: "Schlagt sie nicht." Zuletzt zeigen Videos auch Proteste am Montag. Demonstranten bei einer Universität in Teheran riefen: "Sie haben unsere Eliten getötet und sie mit Klerikern ersetzt."

Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Authentizität der Videos zunächst nicht überprüfen.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hatte den Abschuss "zutiefst" bedauert. Auch Außenminister Mohammad Javad Zarif entschuldigte sich, machte aber das "Abenteurertum der USA" für die Katastrophe mitverantwortlich.

Damit bezog er sich auf die von US-Präsident Donald Trump angeordnete Tötung des mächtigen iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang Jänner in Bagdad. Als Vergeltung hatte der Iran in der Nacht zum vergangenen Mittwoch zwei von US-Streitkräften genutzte Militärstützpunkte im Irak angegriffen. Wenige Stunden später stürzte die ukrainische Passagiermaschine ab.

Trudeau: "Wahrhaftig eine kanadische Tragödie"

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat den Hinterbliebenen des Boeing-Abschusses unterdessen "Gerechtigkeit" versprochen. "Diese Tragödie hat unsere iranisch-kanadische Gemeinde getroffen, aber es war wahrhaftig eine kanadische Tragödie", sagte Trudeau am Sonntag (Ortszeit) bei einer Trauerzeremonie an der Universität Edmonton im Westen des Landes. Bei dem Abschuss der Passagiermaschine durch die iranischen Revolutionsgarden waren am Mittwoch alle 176 Insassen ums Leben gekommen, darunter 57 Kanadier.

Der kanadische Präsident Trudeau versprach den Hinterbliebenen "Gerechtigkeit".
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"Wir werden nicht Ruhe geben, bis Antworten vorliegen", sagte Trudeau. "Wir werden nicht Ruhe geben, bis es Gerechtigkeit gibt und Verantwortung übernommen wird."

Die zahlreichen gebürtigen Iraner mit doppelter iranisch-kanadischer Staatsangehörigkeit in der Maschine seien "Leistungsträger" gewesen, sagte der 30-jährige Ali Esnaashani. "Ich bin wütend, ich bin traurig." Der Iran müsse für Gerechtigkeit sorgen und Entschädigung leisten, sagte der Chef der kanadisch-iranischen Kulturorganisation Tirgan, Mehrdad Ariannejad.

Auch an der Universität Toronto fand eine Trauerzeremonie statt, an der sich mehrere tausend Menschen beteiligten. In Kanada lebt eine große iranischstämmige Gemeinschaft, 2016 wurden ihr 210.000 Menschen zugerechnet. Kanada beteiligt sich an den Aufklärungsarbeiten zu dem Flugzeugabschuss im Iran mit einem Team von zehn Experten. (APA/AFP/TT.com)

In Edmonton im Westen Kanadas gedachten Angehörige der Opfer.
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