Rot-weiß-roter Handball-Rausch soll nicht mit Kater enden

Österreichs Handball-Nationalteam will eine starke Heim-EM heute mit dem Einzug in die Hauptrunde veredeln. Im letzten Gruppenspiel gegen Nordmazedonien sind heute (18.15 Uhr, live ORF Sport+) Rechenspiele verboten.

In der Vergangenheit oft gescholten wuchs Österreichs Rückraumhüne Janko Bozovic bei der Heim-EM bislang über sich hinaus. Das soll sich gegen Nordmazedonien heute nicht ändern.
© EXPA/FLORIAN SCHROETTER

Wien – „Jeder Rausch ist nur auf Zeit“, sagt ein Zitat. Und die ÖHB-Auswahl badete nach dem 34:30-Erfolg über die Ukraine und zwei Vorrundensiegen (zuvor gegen Tschechien) in der Wiener Stadthalle bislang in einem rot-weiß-roten Jubelmeer, weil auch die Heim-Halle viel Kraft verleiht. Dieser (Jubel-)Rausch soll heute im letzten Match gegen Nordmazedonien auf keinen Fall verstummen, auf einen „Kater“ hat niemand Lust.

„Es war ein super Gefühl, vor dieser Kulisse einlaufen zu dürfen. Ich bin überhaupt nicht enttäuscht, nicht gespielt zu haben“, diktierte Richard Wöss, Edelroutinier von Handball Tirol, der vor dem Ukraine-Match nachnominiert worden ist. Mit Thomas Czermin, Vizepräsident des österreichischen Handballverbandes, saugt auch ein waschechter Tiroler die Stimmung in Wien jede Sekunde auf: „Es schaut richtig gut aus. Nominell hatten wir schon bessere Teams, aber was sie jetzt liefern, ist einfach sensationell“, strahlt Czermin, der auch die Schachzüge des Coaches („Ihm geht bislang alles auf“) lobt. Neben Bilyk streicht der Handball-Funktionär auch Janko Bozovic mit dem Attribut „herausragend“ hervor: „Jeder weiß, dass er Spiele gewinnen kann. Ihm lastete man in der Vergangenheit aber auch an, dass er Spiele verlieren kann.“

ÖHB-Angstgegner Nordmazedonien

So schön sich das alles bis an diese Stelle liest, so schwer wird auch die heutige Aufgabe werden. Mit Nordmazedonien fällt auch der Begriff „Angstgegner“. Das liest sich an verlorenen Partien bei der WM 2014 (31:36), EM 2014 (21:22) sowie verlorenem Duell in der WM-Quali 2013. „Wir haben eigentlich keine gute Erfahrung mit ihnen“, gab Bozovic, der gegen die Ukraine auch als „Man of the match“ ausgezeichnet wurde, zu. Die Geschichte ist aber auch dazu da, um neu geschrieben zu werden. Und dafür muss Teamchef Ales Pajovic, dessen Grazer Clubgoalie Thomas Eichberger schon viele wichtige Bälle hielt, einmal mehr das richtige Rezept finden.

Der 39-jährige Rückraumstratege Kiril Lazarov ist im Welthandball ebenso vielen ein Begriff wie Kreisläufer Stojance Stoilov, der als zweifacher Champions-League-Sieger (mit Vardar Skopje) und einem Kampfgewicht weit über 100 Kilo schwer zu verteidigen ist. Die nötige Masse ist in den ÖHB-Reihen ja nur bedingt vorhanden. Das ist ein Manko, das über viele Jahre ins Treffen geführt wurde.

So steigt Österreich in die EM-Hauptrunde auf

- Bei jedem Sieg gegen Nordmazedonien.

- Bei jedem Unentschieden gegen Nordmazedonien.

- Bei jeder Niederlage gegen Nordmazedonien, wenn die Ukraine Tschechien besiegt.

- Bei einer Niederlage mit drei Toren Unterschied, wenn Tschechien die Ukraine besiegt.

- Bei einer Niederlage mit vier Toren Unterschied und zumindest 25 ÖHB-Treffern, wenn Tschechien die Ukraine besiegt.

„Wir brauchen jetzt nicht herumzurechnen, sondern müssen das Nordmazedonien-Spiel gewinnen“, hatte Österreichs Aushängeschild Nikola Bilyk schon nach dem Schlusspfiff gegen die Ukraine gesagt. Man müsse einmal mehr bis zum letzten Pfiff Handball spielen.

„Wir gewinnen. Das ist ja klar“, streut Daumendrücker Czermin von den Rängen ein. Geht das Match knapp verloren (siehe Faktbox), ist vor dem abschließenden Gruppenspiel zwischen Tschechien und der Ukraine auch nicht alles verloren. Die Nerven der heimischen Fans werden heute ab 18.15 Uhr so oder so wieder vor eine echte Zerreißprobe gestellt. (lex)

Handball-EM 2020 - Vorrundenspiele am Dienstag

Gruppe B - in Wien

18:15 Uhr: Österreich - Nordmazedonien (live auf ORF Sport +)

20:30 Uhr: Ukraine - Tschechien (live auf ORF Sport +)

Gruppe D - in Trondheim

18:15 Uhr: Bosnien-Herzegowina - Frankreich

20:30 Uhr: Portugal - Norwegen

Gruppe F - in Göteborg

18:15 Uhr: Schweiz - Slowenien

20:30 Uhr: Polen - Schweden


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