Wut auf die Elite: Proteste im Libanon wieder aufgeflammt

Die Demonstranten fordern den „Sturz des Regimes" und eine neue Regierung. Die Proteste waren im Oktober ausgebrochen und über den Jahreswechsel abgeflaut.

Demonstranten in Beirut.
© JOSEPH EID

Beirut – Nach einer längeren Pause über den Jahreswechsel sind die Proteste gegen die politische Elite im Libanon wieder voll entbrannt. In der Hauptstadt Beirut blockierten Demonstranten am Dienstag in der „Woche des Zorns" mehrere Hauptstraßen und zündeten Reifen an. Der Verkehr kam teilweise völlig zum Erliegen, Autofahrer standen über Stunden im Stau.

In Sprechchören forderten die Demonstranten den „Sturz des Regimes" und eine neue Regierung. Die Proteste waren im Oktober ausgebrochen und haben in dem kleinen Land am Mittelmeer eine schwere politische und wirtschaftliche Krise ausgelöst. Das libanesische Pfund hat stark an Wert verloren. Wegen der Krise zahlen Banken nur noch sehr beschränkt Dollar aus, die neben dem Pfund im Libanon benutzte Währung. Die Demonstranten beklagen, eine korrupte politische Elite habe das Land zugrunde gewirtschaftet. Regierungschef Saad Hariri erklärte auf Druck der Straße seinen Rücktritt.

Dem mit der Regierungsbildung beauftragten Universitätsprofessor Hassan Diab ist es bisher nicht gelungen, ein neues Kabinett zu bilden. Er möchte eine Regierung aus Technokraten. Die wichtigsten politischen Blöcke ringen im Hintergrund jedoch um Einfluss. Besonders stark ist die schiitische Hisbollah-Organisation, die enge Kontakte zum Iran pflegt.

„Wir haben Diab mehrere Wochen gegeben, um eine Regierung zu bilden", sagte ein Demonstrant in Beirut. „Jetzt ist es gut, wir sind zurück auf der Straße."

Die Macht im multikonfessionellen Libanon ist seit den 1940er Jahren nach einem Proporzsystem aufgeteilt. Der Präsident muss immer ein Christ sein, der Regierungschef ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit. (dpa)


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