Video soll zeigen: Flugzeug von zwei iranischen Raketen abgeschossen

176 Menschen starben, als der Iran – nach offiziellen Angaben versehentlich – ein Passagierflugzeug vom Himmel schoss. Nun zeigen Videos, dass das Flugzeug gleich von zwei Raketen getroffen wurde.

Iranische Studenten mit Fotos von Opfern des abgeschossenen Fluges PS752.
© ATTA KENARE

Teheran – Nach dem Abschuss eines ukrainischen Flugzeugs mit 176 Menschen an Bord nahe Teheran soll ein weiteres Video nun zeigen, dass die Maschine von zwei iranischen Raketen getroffen wurde. Das berichteten die New York Times und das Wall Street Journal am Dienstag (Ortszeit). Beide Blätter gaben unabhängig voneinander an, Aufnahmen aus einer Überwachungskamera verifiziert zu haben.

Auf den verschwommenen Aufnahmen ist demnach zu sehen, wie zwei Geschoße im Abstand von 20 bis 30 Sekunden das Flugzeug treffen. Den Berichten zufolge wurden diese aus knapp 13 Kilometern Entfernung von einem iranischen Militärstützpunkt abgefeuert.

Der New York Times zufolge soll das neue Video vom Dach eines Gebäudes im Dorf Bidkaneh gut sechs Kilometer von dem iranischen Militärstützpunkt entfernt aufgenommen worden sein. Es sei in der Nacht auf Dienstag von einem iranischen Nutzer bei YouTube hochgeladen worden.

Iran wies Vorwürfe erst energisch zurück und sprach von Defekt

Das ukrainische Flugzeug war am 8. Jänner inmitten der militärischen Konfrontation mit den USA nach iranischen Angaben irrtümlich abgeschossen worden. Zunächst hatten die iranischen Behörden tagelang von einem technischen Defekt gesprochen. Am Samstag hatte der Iran dann eingeräumt, für den Absturz des Passagierflugzeugs mit 176 Opfern verantwortlich zu sein.

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Das neue Video könnte den Berichten zufolge auch eine Erklärung dafür liefern, warum das Kommunikationssystem des Flugzeugs nicht funktioniert habe, bevor die Maschine von der zweiten Rakete getroffen wurde. Möglicherweise habe die erste Rakete das System außer Betrieb gesetzt, bevor das Flugzeug ein zweites Mal getroffen worden sei. Keine der beiden Raketen habe die Maschine sofort zum Absturz gebracht. Vielmehr habe sie Feuer gefangen und sei zunächst in Richtung des Flughafen zurückgesteuert, bevor sie explodiert und abgestürzt sei.

Pilot versuchte noch, brennendes Flugzeug zu landen

Das verschwommene Video, das von einem Dach in einem Dorf in einigen Kilometern Entfernung von einer iranischen Militäranlage aufgenommen wurde, zeigt die brennende Passagiermaschine, die schlingernd versucht, zum Flughafen Teheran zurückzufliegen. Kurz darauf explodierte die Maschine und stürzte ab.

Der Iran hatte erst nach tagelangen Dementis und massivem internationalen Druck den versehentlichen Abschuss der Passagiermaschine zugegeben, bei dem am vergangenen Mittwoch alle 176 Insassen umgekommen waren.

Der Iran hatte zum Zeitpunkt des Abschusses der Maschine mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak auf die Tötung des iranischen Top-Generals Qassem Soleimani durch die USA geantwortet. Das ukrainische Flugzeug sei in diesem Zusammenhang versehentlich abgeschossen worden. Offenbar befürchtete Teheran US-Gegenangriffe.

Iranische Führung auch im eigenen Land unter Druck

Die iranische Führung steht wegen ihres Umgangs mit der Katastrophe auch im eigenen Land erheblich unter Druck. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder wütende Proteste. Am Dienstagabend soll es erneut Proteste an Teheraner Universitäten gegeben haben sowie Zusammenstöße zwischen Studenten und den regierungstreuen Basij-Milizen, wie in Onlinenetzwerken verbreitete Videos zeigten.

Nach iranischen Justizangaben wurden bei den Protesten bisher rund 30 Menschen festgenommen. Am Dienstag hatte Teheran zudem erklärt, es habe erste Festnahmen von Verantwortlichen des Flugzeugabschusses gegeben. Details dazu wurden nicht genannt.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani forderte am Dienstag in einer im Fernsehen übertragenen Rede die Bestrafung aller Verantwortlichen. Justizsprecher Gholam-Hossein Ismaili sagte vor Journalisten in Teheran, es habe bereits "umfassende" Ermittlungen zu dem Flugzeugabschuss sowie "einige" Festnahmen gegeben. Wie viele Menschen festgesetzt wurden, sagte er nicht. Behörden sprachen von 30 Festnahmen.

Auch Mann festgenommen, der Abschuss gefilmt hatte?

Aus welchen Institutionen und Abteilungen die Verhafteten kommen, sagte der Sprecher nicht. Der Fall sei kompliziert und man müsse in viele Richtungen ermitteln, um zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Nach Angaben des Webportals Khabar Online soll derjenige, der den Abschuss der ukrainischen Maschine gefilmt hat, in Robat-Karim südlich von Teheran verhaftet worden sein. Sein Video soll einer der Beweise für den Abschuss der Maschine gewesen sein. Über die Verhaftung berichtete laut Khabar Online das Nachrichtenportal Nour-News, amtliche Quellen bestätigten sie aber noch nicht.

Rouhani sagte am Dienstag, für die Bevölkerung sei es wichtig, "dass jeder, der in irgendeiner Art falsch oder fahrlässig gehandelt hat", zur Verantwortung gezogen werde. Er forderte die Einrichtung eines Sondergerichts "mit einem ranghohen Richter und dutzenden Experten", vor das die Verantwortlichen des Boeing-Abschusses gestellt werden sollten. "Die ganze Welt wird zusehen", fügte der Präsident hinzu. (APA, dpa, AFP)

Irans Präsident Hassan Rouhani.
© Iranian Presidency

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