„Ich wurde erpresst": Star-YouTuberin outet sich als Transgender

Auf YouTube schminkt sie die bekanntesten Stars der Welt, Millionen Menschen sehen sich ihre Beauty-Tutorials an. Nun sorgt Nikkie de Jager bei ihren Fans für Überraschung: Mit einer starken Botschaft erzählt die Niederländerin, wie sie in einem falschen Körper geboren wurde.

Will sich nicht wegen ihrer wahren Identität erpressen lassen: Nikkie de Jager.
© YouTube/Screenshot

Amsterdam – Seit mehr als zehn Jahren betreibt Nikkie de Jager mit ihren Schmink-Videos einen erfolgreichen YouTube-Kanal. Mit knapp 13 Millionen Followern gehört „Nikkietutorials" zu den bekanntesten Beauty-Channels der Welt, die 25-Jährige ist zu einer echten Ikone geworden. Sogar Hollywood-Stars wie Lady Gaga, Drew Barrymore und Kim Kardashian stellen sich der Niederländerin regelmäßig als Versuchskaninchen für neue Make-up-Trends zur Verfügung.

De Jagers neuestes Video dreht sich aber ausnahmsweise nicht um Wimperntusche, Lipgloss und Co. In „I'm coming out" outet sie sich vor ihren Fans als Transgender – eine Bezeichnung, die sie eigentlich gar nicht verwenden möchte. „Ich bin Nikkietutorials. Ich bin Nikkie. Ich bin ich. Wir brauchen keine Etiketten." Innerhalb von zwei Tagen gab es für das 17-minütige Video knapp 24 Millionen Klicks.

Komplette Umwandlung mit 19

Schon seit sie denken könne, habe sie gewusst, dass sie ein Mädchen sei, sagt die Niederländerin. Im Alter von sechs Jahren sei ihr klar gewesen, dass sie im falschen Körper lebe. Also fing de Jager an, sich die Haare wachsen zu lassen und Mädchenkleider zu tragen. Ab ihrem 14. Lebensjahr habe sie Wachstumshemmer und Hormone genommen. Die komplette Umwandlung habe ich dann mit 19 gemacht."

Vor allem ihrer Mutter ist de Jager sehr dankbar dafür, dass sie sie bei ihrer Anpassung unterstützt habe. Sie habe schon früh vermutet, dass ihr „Sohn" "entweder schwul oder irgendwas anderes" sei, weil „er" sich nur für Barbies, und Haarprodukte interessiert habe. „Und das ist alles, was man als Kind braucht: Eltern, die einen verstehen und zuhören." Gleiches gelte für ihre Mitschüler und Lehrer.

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„Wir müssen uns gegenseitig zuhören"

Ihr Verlobter Dylan sei jedoch der gutherzigste Mensch, den sie kenne, sagt de Jager unter Tränen. Für viele Transmenschen seien Liebesbeziehungen eine schaurige Angelegenheit. „Ich warte immer, bis ich anderen meine Geschichte erzähle, bis ich weiß, dass ich in guten Händen bin." Als sie Dylan kennengelernt habe, habe sich alles mit ihm magisch angefühlt, von ihrer „Vergangenheit" habe sie ihm zunächst jedoch nicht erzählen wollen, aus Angst, ihn zu verlieren. Den anfänglichen „Schock" habe er jedoch verarbeiten können.

Sie wolle weder anders angesehen werden noch das Vertrauen ihrer Fans verlieren, betont die 25-Jährige. Sie habe es schon lange erzählen wollen, sei aber noch nicht dazu bereit gewesen. Ihr Coming-out-Video komme aber nicht aus freien Stücken: „Ich bin von ein paar Leuten erpresst worden", gibt de Jager zu. Diese hätten ihr gedroht, ihre Geschichte preiszugeben. „Es war erschreckend, zu erkennen, dass es Menschen da draußen gibt, die so böse sind, dass sie die wahre Identität eines Menschen nicht respektieren. Es ist abscheulich und gemein." Nun habe sie aber keine Angst mehr vor ihnen.

Sie hoffe, dass sie mit ihrem Coming-out auch anderen Menschen in einer ähnlichen Situation den Mut gebe, ihr Leben so zu führen, wie sie es für richtig hielten, erklärt de Jager. „Das hat jeder verdient." Denn: „Wir müssen uns gegenseitig akzeptieren und respektieren. Vor allem aber müssen wir uns gegenseitig zuhören und verstehen." Als Transperson sei es wichtig, sich jemandem anzuvertrauen, egal, wie schwer es falle. Heute wünsche sie sich, Dylan früher die Wahrheit gesagt zu haben. Aber auch ihren Erpressern gibt de Jager eine Botschaft mit auf den Weg: ihren ausgestreckten Mittelfinger. (dpa)


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