304 Alpintote 2019: Mehr als ein Drittel davon starben in Tirols Bergen

Allein in Tirol sind im vergangenen Jahr 102 Menschen in den Bergen ums Leben gekommen. Die meisten beim Bergsteigen, aber auch überdurchschnittlich viele Forstunfälle sind im schneereichen Winter 2019 geschehen.

102 Menschen starben in Tirols Bergen 2019, die meisten waren zwischen 50 und 60 Jahre alt.
© ZOOM.TIROL

Innsbruck – 304 Menschenleben forderten Unfälle auf Österreichs Bergen 2019. Das sind 36 Alpintote mehr als im Jahr davor, wie aus der Alpinunfallstatistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit und der Alpinpolizei hervorgeht. Die Zahl liegt auch über dem langjährigen Durchschnitt mit 295 Toten pro Jahr.

„Jeder Todesfall ist einer zu viel und zeigt wie wichtig die Präventionsarbeit im Bergsport ist", betont bei dieser angestiegenen Zahl Karl Gabl, Präsident des Kuratoriums für alpine Sicherheit.

Der Tod am Berg ist immer noch „männlich”, so Gabl. Unter den Alpintoten im Jahr 2019 waren österreichweit 46 Frauen (15 Prozent) und 258 Männer (85 Prozent). Auch die Zahlen aus der langjährigen Alpinstatistik zeigen diese Tendenz.

© Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit

102 Tote in den Tiroler Bergen

Wie in den Vorjahren verzeichnet im Bundesländervergleich Tirol mit 102 Alpintoten die meisten Opfer. In Salzburg starben mit 51 nur halb so viele in den Bergen, darauf folgt die Steiermark mit 43, Kärnten mit 36, Vorarlberg mit 31 und Niederösterreich mit 14 Toten.

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Betrachtet man die Verteilung der Unfalltoten in Österreichs Bergen nach Herkunft, so kommen fast alle Todesopfer aus dem europäischen Raum. Der Großteil der tödlich Verunglückten stammt mit 179 Toten (59 Prozent), wie auch in den Jahren zuvor, aus Österreich. 85 (28 Prozent) der Todesopfer 2019 stammen aus Deutschland.

© Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit

3664 Alpinunfälle insgesamt in Tirol

Insgesamt passierten im vergangenen Jahr in Österreich laut Aufzeichnung 8183 Unfälle in den Bergen, davon 3664 in Tirol. Verletzt wurden dabei in ganz Österreich 7720 Menschen, in Tirol 3576. Das sind insgesamt etwa 300 Verletzte mehr als noch im Vorjahr und auch um 200 mehr als im langjährigen Durchschnitt (7503 durchschnittlich in den letzten zehn Jahren).

Der Anteil der Unverletzten hat in den vergangenen zehn Jahren laut Kuratorium für Alpine Sicherheit signifikant zugenommen. Im Jahr 2019 waren rund ein Drittel aller Personen, die einen Notruf absetzten, unverletzt. Laut Bericht des Kuratoriums handelte es sich dabei meist um Personen, die mit den Begebenheiten einer Tour und den Verhältnissen überfordert waren oder sich selbst überschätzt hatten und in der Folge in eine alpine Notlage gerieten.

Die meisten Unfalltoten beim Bergsteigen und bei Forstarbeiten

Die Bergsportdisziplin mit den meisten Unfalltoten (107, 35 Prozent) im Jahr 2019 ist Wandern/Bergsteigen, gefolgt von tödlichen Unfällen bei Forstarbeiten (27 Tote) und bei (Ski-)Touren (26 Toten).

Etwa 27 Prozent der tödlich verunglückten Personen stirbt im langjährigen Durchschnitt nicht beim Bergsport, sondern bei der Jagd, bei Forstarbeiten und Ähnlichem, mit Fahrzeugen auf Bergwegen oder durch Suizid im Gebirge. Der relativ hohe Anteil an tödlichen Forstunfällen mit 27 Toten (9 Prozent) im Jahr 2019 dürfte vermutlich auf die vielen Forsteinsätze und Aufräumarbeiten der Sturmschäden vom November 2018 sowie den Schnee- und Lawinenschäden des schneereichen Winters 2018/19 zurückzuführen sein.

Da der Bergsport starken saisonalen Schwankungen unterliegt und unter anderem von der Witterung abhängig ist, sei die Anzahl der Alpintoten laut Kuratorium im Juli und August am höchsten. So auch – trotz des schneereichen Winters – im Jahr 2019: 48 Menschen starben bei Unfällen im August, 38 im Juli, 36 im September, 33 jeweils im Juni und im Februar. Am wenigsten Alpintote (10) gab es im Dezember.

Übersicht: Tote in Österreichs Bergen 2019 nach Bergsportdisziplin (Blau = Winterdisziplin, Orange = Sommerdisziplin)
© Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit

Die meisten Verunglückten zwischen 50 und 60 Jahre

Was die Altersverteilung angeht, waren die meisten (79) der 304 Todesopfer zwischen 50 und 60 Jahre alt. 52 waren zwischen 60 und 70 Jahre, 47 zwischen 70 und 80, 38 zwischen 40 und 50 Jahre und 35 zwischen 30 und 40 Jahre alt. Auch im langjährigen Durchschnitt sind die meisten Alpintoten zwischen 50 und 70 Jahre alt.

© Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit

Von den 304 Todesopfern starben 2019 insgesamt 56 Personen an Herz-Kreislaufversagen (18 Prozent). Dies stellt neben Sturz/Stolpern/Ausgleiten sowie Absturz (16 Prozent) die Hauptunfallursache bei Alpinunfällen dar. Der Großteil der Alpinunfalltoten durch Herz-Kreislaufversagen 2019 war wie in den Jahren davor 51 bis 80 Jahre alt. In den Altersklassen darunter ist das Todesrisiko durch einen sogenannten internen Notfall geringer.

22 Lawinentote im Jahr 2019

Zwischen 1. Jänner und 31. Dezember 2019 registrierte die Alpinpolizei 101 Lawinenunfälle, bei denen 22 Personen starben. Von diesen waren neun Variantenfahrer, acht Skitourengeher, drei Wanderer/Bergsteiger, eine Forstarbeiter und eine starb bei einer kombinierten Tour/Hochtour.

„Die richtige Verwendung der Lawinen-Notfallausrüstung (LVS, Sonde, Schaufel) entscheidet über Leben und Tod", appelliert Gabl angesichts dieser Zahlen an alle Wintersportler. Der Umgang mit der persönlichen Ausrüstung sollte jedes Jahr trainiert und aufgefrischt werden, um bestmöglichen Schutz gewährleisten zu können. (TT.com)


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