YouTube soll Millionen von Usern auf Videos von Klimawandel-Leugnern leiten

Die US-Aktivistengruppe Avaaz berichtet über offensichtliche Fehlinformation auf der Videoplattform YouTube. Die Kategorien „Top-Empfehlungen“ und „Nächstes Video“ führen häufig zu Clips, in denen der Klimawandel geleugnet wird.

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© LIONEL BONAVENTURE

New York, San Bruno – Heftige Kritik an der Videoplattform YouTube hat die US-Aktivistengruppe Avaaz geübt. Laut einer aktuellen Studie der Nichtregierungsorganisation führt die Videoplattform Millionen von Usern zu Clips, in denen beispielsweise der Klimawandel geleugnet wird. Das passiere über die Kategorien „Top-Empfehlungen“ und „Nächstes Video“.

Konkret sieht das so aus: Suchen Nutzer nach Begriffen wie Erderwärmung, Klimawandel oder Klimamanipulation, werden ihnen Empfehlungen angezeigt. Wie die Studie von Avaaz ergab, enthielten aber 16 Prozent der empfohlenen Videos (im konkreten Fall zum Thema „Erderwärmung") Fehlinformationen. Beim Suchbegriff Klimawandel waren es acht, bei Klimamanipulation waren es 21 Prozent.

Unternehmen ist irreführende Werbung oft nicht bewusst

Was die Aktivisten auch kritisieren ist die Tatsache, dass viele der Videos mit den Falschinformationen als Werbung auf den Kanälen vieler bekannter Marken wie Samsung, L'Oreal oder Danone ausgespielt werden. Den Unternehmen sei oftmals nicht bewusst, dass auf ihren Kanälen solche Werbung läuft.

„Es geht hier nicht um freie Meinungsäußerung, sondern um Gratis-Werbung, die YouTube faktisch falschen Videos gibt", kritisiert Julie Deruy, leitende Aktivisitin bei Avaaz. Diese Inhalte würden Menschen bezüglich einer der größten Krisen der heutigen Zeit verwirren. "YouTube sollte User nicht zu Fehlinformationen führen und diese bewerben", so Deruy.

YouTube verweist auf „strenge Werberichtlinien"

Die Aktivisten forderten die Videoplattform konkret dazu auf, Videos mit Fehlinformationen zu „demonetarisieren“, also von Einnahmen durch Werbung auszuschließen. Außerdem solle die Plattform mehr Transparenz an den Tag legen und Usern zeigen, wie viele Aufrufe durch die eigenen Empfehlungen bei solchen Videos getätigt werden.

YouTube hat bereits auf die Kritik reagiert und stellt den gesamten Bericht von Avaaz infrage. Der Algorithmus hinter der Untersuchung sei nicht klar genug definiert. Die Aktivistengruppe würde die Inhalte der Videos zudem subjektiv bewerten. Außerdem sei es nicht möglich, aus den Empfehlungen Videos auf Basis „von bestimmten Ansichten“ herauszufiltern oder herabzustufen.

"YouTube hat strenge Werberichtlinien, die festlegen, wo Anzeigen auftauchen. Brands haben die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, welche Werbungen auf ihren Kanälen zu sehen sind. Wir arbeiten auch daran, die Empfehlungen für schädliche Inhalte und Fehlinformation zu reduzieren", so die Google-Tochter. (TT.com/reh)


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