Zu viel Feinstaub in Innsbruck: Stadt rät zum Auto-Verzicht, Opposition für Gratis-Öffis

Die im Jänner gemessenen Feinstaub-Spitzenwerte in der Landeshauptstadt sind drei Mal so hoch wie im Vorjahr. Die Stadt bittet die Bevölkerung, nach Möglichkeit öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das Büro von BM Georg Willi prüft, 
ob Gratis-Öffis an Tagen mit hohen Belastungswerten möglich wären.

Die Grenzwerte zur Feinstaubbelastung wurden heuer bereits elfmal überschritten. (Archivbild)
© TT/Böhm

Von Marco Witting

Innsbruck – Das schöne Winterwetter auf den Bergen macht eines ganz glasklar: Irgendwie ist die Luft über Innsbruck trüb. Der Blick auf die Statistiken des Umweltbundesamtes bestätigt dies. An den beiden Innsbrucker Luftmessstellen in der Fallmerayerstraße und in der Andechsstraße werden momentan deutlich erhöhte Feinstaubwerte gemessen. Die Grenzwerte wurden im Jänner bereits mehrfach überschritten. Sonnenklar ist auch, warum die Werte so viel schlechter sind als im Vorjahr. Im Gegensatz zu 2019 gibt es dieser Tage wenig Wind und wenig Niederschlag.

Der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. In der Andechsstraße sind die im Jänner gemessenen Spitzenwerte laut einer Aussendung der Stadt dreimal so hoch, die durchschnittlichen Tageswerte mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. An Spitzentagen wurden hier bis zu 140 Mikrogramm gemessen. Spitzenreiter war die Silvesternacht, in der man knapp 240 Mikrogramm registrierte. Auch die Tagesmittelwerte sind hoch.

Politisch gesehen ein klassisches Grün-Thema. Vize-BM Uschi Schwarzl sagt: „So schön das Wetter unter anderem für Wintersportlerinnen und -sportler ist, so schlecht ist die Situation für die Luftqualität in der Stadt.“ Gemeinsam mit BM Georg Willi rief Schwarzl dazu auf, „dass Innsbrucker und in die Landeshauptstadt pendelnde Bürger das Auto nach Möglichkeit stehen lassen“ und auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen sollten. Erhöhte Feinstaubwerte seien besonders für alte Menschen, Kleinkinder und Menschen mit einer Vorerkrankung eine große Belastung.

Ob derartige Aufrufe sonderlich großen Widerhall finden, bleibt dahingestellt. Das Büro von BM Georg Willi prüft unterdessen, ob es theoretisch möglich wäre, an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung die Öffis gratis anzubieten. Allerdings schickt Willi auch voraus: „Das Budget erlaubt das eigentlich nicht, und es sind sehr viele Pendler, die aus dem Umland nach Innsbruck kommen.“ Zudem wäre praktisch nur die kostenlose Nutzung der Öffis am Tag nach einer Grenzüberschreitung möglich.

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Die Innsbrucker NEOS sehen die aktuelle Feinstaubdebatte als richtigen Anlass, genau diese Gratis-Öffi-Nutzung zu diskutieren. GR Julia Seidl sagt: „Es ist legitim, die Bürger zu bitten, die Autos in Zeiten extremer Luftbelastung vermehrt stehen zu lassen. Dafür braucht es einen Schulterschluss von IVB und VVT.“ Dies wäre für Seidl im Sinne der Gesundheit eine „mehr als sinnvolle“ Investition.

Ähnlich sieht es die Alternative Liste Innsbruck (ALI). „Das Abtreten von Verantwortung an die Stadtbevölkerung führt nicht zu einer Reduktion des Autoverkehrs. Die Leute fahren ja nicht zum Spaß, sondern weil sie aufgrund der unattraktiven Öffi-Situation darauf angewiesen sind“, kritisiert ALI-GR Mesut Onay die Hilferufe der Stadtregierung.

Der Verkehrsclub Österreich freute sich vor wenigen Wochen, dass Österreich 2019 die beste Feinstaubbilanz aller Zeiten hatte. Bundesweit wurde der Zielwert der Weltgesundheitsorganisation jedoch auch im Vorjahr an 34 Messstellen überschritten.


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