China stoppt wegen Virus alle Züge und Flüge aus Millionenstadt Wuhan

Bewohner dürfen die Metropole wegen des neuartigen Coronavirus nur noch mit einer Sondergenehmigung verlassen. Die WHO verlängerte ihre Krisensitzung bis Donnerstag. Auch außerhalb Chinas wurden erste Fälle bekannt.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Das Coronavirus versetzt China in Aufregung. Hier wird eine Frau vor dem Eingang eines Hotels in Macau einem Fiebertest unterzogen.
© ANTHONY WALLACE

Peking, Wuhan – Nach dem Ausbruch einer neuartigen Virusinfektion legen die Behörden die chinesische Elf-Millionen-Metropole Wuhan Medienberichten zufolge weitgehend lahm. Wie die staatliche Zeitung China Daily unter Berufung auf lokale Behörden am Mittwochabend berichtete, soll der gesamte öffentliche Nahverkehr ab Donnerstagvormittag (Ortszeit) vorübergehend stillstehen.

Züge und Flugzeuge sollen die Stadt nicht verlassen dürfen. Damit soll das Risiko minimiert werden, dass sich das Coronavirus weiter ausbreitet. Die Bewohner von Wuhan seien aufgefordert, die Stadt nicht ohne triftigen Grund zu verlassen.

Video | ORF-Wissenschaftsredakteur Günther Mayr über das Coronavirus:

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der großen jährlichen Reisewelle sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

WHO ruft noch keine internationale "Notlage" aus

Trotz der rasanten Zunahme von Infektionen in China rief die WHO vorerst keine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ aus. Ein Expertenrat, der die WHO berät, sah dafür am Mittwoch keinen Anlass, wollte aber am Donnerstag weiter tagen. Die WHO-Experten empfahlen, den Informationsaustausch zwischen den Staaten zu verbessern.

Mit einer offiziellen „Notlage“ könnten weitere konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden sein, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Zu solchen Empfehlungen kann beispielsweise gehören, dass Reisende auf Krankheitssymptome geprüft werden sollen, und dass medizinisches Personal besser geschützt werden soll.

Bisher 17 Tote, mehr als 500 Infektionen

Bisher sind 17 Menschen an einer durch das Coronavirus verursachten Lungenerkrankung gestorben, wie die Regierung der chinesischen Provinz Hubei, in der die schwer betroffene Elf-Millionen-Metropole Wuhan liegt, am Mittwoch berichtete. Nach Angaben der chinesischen Ausgabe der „Global Times“ wurde die Lungenkrankheit bei bisher 544 Menschen nachgewiesen.

Auch außerhalb Chinas wurden weitere Infektionen mit dem Coronavirus bekannt. Erstmals wurde ein Fall in den USA gemeldet. Nachgewiesene Fälle gibt es auch in Japan, Südkorea, Taiwan und Thailand. In Europa gibt es bisher keine Nachweise. Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der großen jährlichen Reisewelle sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

In Großbritannien werden Reisende aus Wuhan künftig bei ihrer Ankunft auf Symptome des Coronavirus untersucht. Das teilte das britische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Ein medizinisches Team empfange Reisende am Flughafen London Heathrow, die mit einem der drei wöchentlichen Direktflüge aus der chinesischen Stadt ankommen.

Gefahr einer Einschleppung in die EU „moderat“

Experten sind überzeugt, dass Reisende die neue Lungenkrankheit zumindest vereinzelt auch nach Europa bringen werden. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt die Gefahr einer Einschleppung des Virus in die EU als „moderat“ ein.

Es wird vermutet, dass das neue Coronavirus von einem Fischmarkt in der zentralchinesischen Metropole Wuhan kommt, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Man gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die Quelle ein Wildtier auf dem Markt gewesen sei, sagte Gao Fu, Direktor des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle. Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam. (APA/AFP)


Kommentieren


Schlagworte